Eine Stadt. Ein Film. von

"Lust auf Qualitätsfilme"

Schauspielerin Karin Lischka über "Atmen", den heimischen Film und die Gratis-Aktion

Karin Lischka © Bild: David Corda

Die zweite Auflage der Aktion "Eine Stadt. Ein Film." bringt heute Abend ein vielfach ausgezeichnetes österreichisches Werk bei freiem Eintritt in 16 Wiener Programmkinos: "Atmen" von Karl Markovics. Knapp 3.000 Plätze stehen den Filmfans zur Verfügung, Regisseur Markovics und seine Stars kommen außerdem in insgesamt acht Kinos zu Publikumsgesprächen vorbei. NEWS.AT hat sich mit Hauptdarstellerin Karin Lischka über "Atmen", den heimsichen Film und die Bedeutung der Gratis-Aktion unterhalten.

NEWS.AT: Wie würden Sie den Film beschreiben? Was sind die großen Themen von "Atmen"?
Karin Lischka: "Atmen" ist ein Film über das Leben, der mit starken Bildern beeindruckt. Durch seine Lehre bei der Bestattung wird Roman mit dem Tod konfrontiert und findet zurück ins Leben. Man sieht nur die Spitze des Eisbergs, spürt aber immer, was darunter liegt. Ich mag diese Sprachlosigkeit der Figuren.

Hat es Spaß gemacht ihn zu drehen oder war es schwierig?
"Ja, natürlich. Es war eine tolle Aufgabe in einem fantastischen Team. Aber es war sehr intensiv. Mein erster Drehtag hat 22 Stunden gedauert. Wir haben eine Szene gedreht, in der Thomas und ich durch bei IKEA durch den Regen laufen, was technisch extrem aufwendig war – mit Wasserwerfern, einer Wind- und Schneemaschine. Lustig, aber eben auch langwierig. Aber die Stimmung am Set war immer toll."

Sie spielen eine recht problematische Person. Eine Herausforderung?
"Sogar eine sehr spannende. Als Schauspieler träumt man von solchen Charakterrollen, die dem eigenen Leben aber nicht nahe sind. Man muss sich langsam an die Figur herantasten und geht auf eine spannende Reise. Mit Karl Markovics habe ich viel über die Figur der Margit Koller gesprochen und auch vor Drehbeginn schon zu proben begonnen. Ich war auch auf Beisltouren in Favoriten, um ihrem Leben näher zu kommen. Ich will eine Rolle nicht nur spielen, ich will der Figur gerecht werden."

»Markovics ein Traum«

Karl Markovics hat sich nicht zuletzt mit "Atmen" einen Namen als Regisseur und Autor gemacht. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?
"Einfach ein Traum. Er ist ein unglaublich aufmerksamer, genauer, neugieriger und liebevoller Regisseur. Karl weiß zwar genau, was er will, lässt den Schauspielern aber auch die nötigen Freiheiten. Am Ende war’s dann aber eh immer genau so, wie er es sich von Anfang an vorgestellt hat. Glaube ich. (lacht)"

Es ist ja kein "einfacher" Film. Passt er trotzdem zu dieser Aktion?
"Gerade deshalb finde ich es toll, dass „Atmen“ für die Aktion „Eine Stadt. Ein Film.“ ausgesucht wurde. Man soll das Medium Film erleben. Ein möglichst breites Publikum soll wieder Lust und Interesse bekommen, sich Qualitätsfilme im Kino anzuschauen. Außerdem sollen die Wiener Programmkinos davon profitieren und damit auch die Kinokultur gefördert werden."

Wie wichtig ist so eine Aktion für den österreichischen Film? Der fristet ja sonst oft ein Nischendasein.
"Sehr sogar. Es ist schade, wie wenig Beachtung heimische Produktionen mitunter finden. Vielleicht beginnen die Filmfans durch die Aktion wieder, sich Gedanken darüber zu machen, was in Österreich eigentlich für Filme gemacht werden. Wenn man auf diesem Weg den Appetit wieder anregen kann, dann ist das wunderbar."

»Man kann stolz sein«

"Atmen" hat etliche Preise bekommen. Blickt man da auch neidisch Richtung Oscars?
"Sicher wäre es schön gewesen, mit „Atmen“ als österreichischem Beitrag zu den Oscars zu fahren. Aber der Film hat einen unglaublichen Weg hingelegt und so viele Preise gewonnen, dass man nur stolz sein kann. Alleine die Welturaufführung bei den Festspielen in Cannes war ein großartiges Erlebnis."

Was hat der Erfolg des Films für Ihre eigene Karriere gebracht?
"Man trifft mit einem Film natürlich ein viel breiteres Publikum, als im Theater. Ich habe auch seit „Atmen“ schon einige Filme gedreht, bin aber auch wieder auf der Bühne gestanden."

Was bedeuten die Oscar-Erfolge heimischer Künstler in den letzten Jahren? Wird das auch in Österreich helfen?
"Das zeigt, dass wir gute Filme machen und in der heimsichen Filmbranche tolle und begabte Menschen arbeiten. Ich hoffe, dass sich die großen Erfolge auch auf die Finanzierung österreichischer Projekte auswirken. Es muss in Zukunft mehr Förderungen für den österreichischen Film geben. Das hat er sich verdient."

Wird die heimische Filmlandschaft unterschätzt?
"Im Ausland jedenfalls nicht. Dort wird der österreichische Film sehr ge- und beachtet. Ob das hier bei uns auch so ist, da bin ich mir leider nicht sicher."

Zur Person:
Karin Lischka wurde 1979 in Wien geboren und studierte am Konservatorium der Stadt Wien Schauspiel und musikalisches Unterhaltungstheater. Über die Festspiele Reichenau, die Volksoper und das Theater in der Josefstadt kam sie 2005 ans Wiener Burgtheater und war dort bis 2008 Ensemblemitglied, arbeitete unter anderem mit den Regisseuren Christoph Schlingensief, Hermann Beil oder Goetz Spielmann. Neben ihrer Arbeit im Theater ist die Wienerin auch in Film- und TV-Produktionen aktiv, hatte Rollen unter anderem im Winzerkönig, Schnell ermittelt, Vatertag, Novemberlichter, Roter Schnee oder zuletzt Cop Stories.

Kinos, Beginnzeiten und alle Infos zur Aktion "Eine Stadt. Ein Film." auf: www.einestadteinfilm.at

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