"Eine Nummer zu groß": Liga-Konkurrenz gratuliert Salzburg neidlos zum Meistertitel

Red-Bull-Ära wohl nur schwer zu verhindern Zellhofer: "Wirtschaftliches Limit nach oben offen"

Angesichts der unterm Strich eklatanten Überlegenheit der Salzburger Kicker hat die Konkurrenz dem seit Samstagabend frisch gebackenen österreichischen Fußball-Meister neidlos gratuliert. "Für Österreich eine Nummer zu groß", meint etwa Ried-Coach Helmut Kraft zur sportlichen und wirtschaftlichen Ausnahmestellung der Red-Bull-Werkstruppe. Nach Ansicht der Liga-Mitstreiter sei eine "Salzburg-Ära" kaum zu verhindern.

Vorausgesetzt, "Big Spender" Dietrich Mateschitz, der nach dem 2:2-Meisterstück gegen Vorgänger Austria Wien seinen Meisterkickern einen seltenen Besuch in der Spielerkabine abstattete, bleibt am Ball.

"Man muss aufpassen, dass es nicht zu einer Meisterschaft für nur eine Mannschaft wird", hofft Sturm-Trainer Franco Foda, dass es in Zukunft nicht ähnlich eintönig verlaufen wird. Doch auch Austrias Georg Zellhofer sieht da wenig Hoffnung: "Das wirtschaftliche Limit ist durch Red Bull nach oben hin offen. Die restlichen österreichischen Vereine werden da auf die Dauer einer ganzen Meisterschaft keine Antwort wissen."

Es scheint nur darum zu gehen, den Stars ab und zu ein Bein stellen zu können. "Mit einem ausverkauften Stadion im Rücken und Euphorie kann man dagegenhalten", so Zellhofer. "Fünf, sechs Niederlagen kann man ihnen zufügen. Aber punkto Konstanz, Ausgeglichenheit und Kaderbesetzung werden sie unmöglich zu schlagen sein. Mit diesem Kader könnten sie ohne weiteres auch in einer besseren Liga mitspielen", fügt Kraft hinzu.

Die Dauer der Ära sei laut Kraft vor allem von den Mateschitz-Euros abhängig. "So lange es so viel Geld gibt, wird die Dominanz andauern." Das soll aber für Foda die Leistung des Meisters nicht schmälern: "Man muss auch aus diesem Material erst einmal eine Mannschaft formen."

Mattersburg ist in der laufenden Saison den Salzburgern am nächsten gekommen, als einziges Team besiegten die Burgenländer die Startruppe bisher gleich zweimal (2:1 daheim in der Liga, 3:2 n.V. auswärts im Cup-Halbfinale). "Salzburg ist auch nur eine Fußball-Mannschaft. Auch wir haben gezeigt, dass man sie schlagen kann", weiß deshalb Franz Lederer, der seine Hoffnungen auf eine spannendere Liga auch an den internationalen Erfolg der Salzburger knüpft.

"Wenn sie lange auf zwei Hochzeiten tanzen, könnten sie vielleicht in der Meisterschaft nachlassen. Je mehr ernsthafte Gegner sie in der Liga haben, umso mehr können sie geärgert werden", erklärt der Mattersburg-Trainer. Nach Ansicht Lederers und Fodas könnten am ehesten die heuer zu Saisonbeginn schwachen Wiener Großklubs Austria und Rapid die Salzburger gefährden.

Salzburg werde sich aber laut Zellhofer weiter massiv verstärken. "Der österreichische Meistertitel ist für Salzburg zu wenig. Durch die Champions League würde sich eine große Werbewirksamkeit für Red Bull ergeben. Diesen Plan werden sie weiter rigoros verfolgen. Wirtschaftlich könnten sie sich fast alle Spieler leisten. Die Frage ist aber, ob diese auch nach Österreich kommen wollen."

Eine Garantie für die Champions-League-Teilnahme seien weitere Verstärkungen aber nicht. "Da braucht man vor allem Glück bei der Auslosung." Für Österreicher a la Andreas Ivanschitz, der zu Panathinaikos Athen "flüchtete", werde es in Salzburg nach Ansicht Zellhofers weiter schwer: "In dieser Philosophie geht es einzig und allein um Erfolg."

(apa/red)