Eine humanitäre Katastrophe in Pakistan:
Kämpfe sorgen für 2,4 Millionen Flüchtlinge

Allein in letzten drei Tagen 700.000 geflüchtet Weiter Gefechte zwischen Armee und den Taliban

Eine humanitäre Katastrophe in Pakistan:
Kämpfe sorgen für 2,4 Millionen Flüchtlinge © Bild: Reuters

Durch die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Taliban im Nordwesten Pakistans sind innerhalb eines Monats mehr als zwei Millionen Menschen in die Flucht getrieben worden. 2,38 Millionen Flüchtlinge seien seit Beginn der Armee-Offensive in den Bezirken Swat, Unter-Dir und Buner Ende April registriert worden, teilte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Islamabad mit. Sie bezog sich nach eigenen Angaben auf Zahlen der Provinzregierung der Nordwestprovinz. Informationsminister Qamar Zaman Kaira sagte, die Zahl der Flüchtlinge sei noch nicht "endgültig". Laut UNHCR flüchteten allein in den vergangenen drei Tagen 700.000 Menschen aus der Region.

In der Metropole Karachi schlossen unterdessen laut Augenzeugen mehrere Geschäfte, nachdem Nationalisten wegen des Flüchtlingszustroms aus dem Nordwesten zu einem Streik aufgerufen hatten. Ein Motiv der aus dem Nordwesten kommenden Paschtunen sei auch, die ursprüngliche Bevölkerung in der Provinz Sindh zu "marginalisieren", erklärte die Bewegung Jeay Sindh Qaumi Mahaz (JSQM), die sich für die Belange der Menschen in der im Süden gelegenen Provinz Sindh einsetzt. "Dagegen werden wir Widerstand leisten", sagte JSQM-Chef Abdul Wahid Aresar.

In jüngster Zeit kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Urdu-sprechenden Bewegung MQM, einem Koalitionspartner der Volkspartei von Präsident Asif Ali Zardari, und Paschtunen aus der Grenzprovinz zu Afghanistan, die sich auf der Suche nach Arbeit in Karachi niedergelassen haben. Nach Angaben von Einwohnern Karachis flüchteten bisher nur wenige Menschen aus dem Nordwesten Pakistans nach Karachi. Die meisten kamen demnach bei Angehörigen unter.

Kämpfe gehen weiter
Unterdessen gingen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Taliban im Nordwesten Pakistans weiter. Ein Militärvertreter sagte, in der Stadt Kabal rund 20 Kilometer westlich von Mingora im Swat-Tal seien sechs Taliban-Kämpfer getötet worden, als sie eine Bombe vor einer Moschee platzieren wollten. In Mingora selbst gingen die Kämpfe weiter. An mehreren Stellen zögen sich die Aufständischen zurück, doch gingen die Kämpfe anderenorts weiter, sagte der Militärvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Ein Armeesprecher sagte, es werde noch bis zu zehn Tage dauern, um Mingora von islamistischen Kämpfern zu "säubern".

(apa/red)