"Eine Herzensangelegenheit": Castros Botschafter schwärmt von politischem System

"Kubaner werden nicht gezwungen, wählen zu gehen"

Das Wahlsystem in Kuba sei eines der besten demokratischen Wahlverfahren der Welt. Das sagte der kubanische Geschäftsträger in Österreich, Gabriel Benitez Toledo, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Entgegen anderen Behauptungen werde die kubanische Bevölkerung nicht zur Wahl gezwungen, erklärte Toledo und ergänzte, dass die Menschen in Kuba nur "durch den sich selbst auferlegten, eigenen sozialen Druck" zur Wahl gingen.

Die Wahl selbst gehe immer völlig problemfrei vor sich, und in den Wahllokalen würden Kinder auf die Urnen aufpassen, berichtete Toledo. Zur Frage des "voto unido", bei dem mit einem Kreuz alle Kandidaten gewählt werden können, meinte der kubanische Geschäftsträger, dass dies normal sei, allerdings achte man sehr wohl darauf, ungültige Stimmzettel zu entfernen.

Politik sei in Kuba "eine Herzensangelegenheit". Entweder, man fühle sich dazu berufen, oder nicht, sagte der Diplomat. Er betonte in diesem Zusammenhang, dass die allgemeinen Abgeordneten in Kuba kein Gehalt bekämen.

Castro "voll fit"
Zur Kandidatur Fidel Castros und dessen Gesundheitszustand sagte Toledo, der kubanische Staatschef sei geistig "voll fit". Es könne aber natürlich passieren, dass dieser, wie jeder andere Mensch auch, morgen sterbe.

Bei der Wahl in Kuba werden 50 Prozent der Kandidaten zur Nationalversammlung von den Gemeinderäten und 50 Prozent von den kommunistischen Massenorganisationen bestimmt. Die neue Nationalversammlung muss innerhalb von 45 Tagen den Staatsrat neu besetzen, der aus 31 Mitgliedern besteht. In seiner Funktion als Vorsitzender des Staatsrats ist Fidel Castro seit 1976 Staatsoberhaupt, zuvor trug er von 1959 bis 1976 den Titel des Regierungschefs. Im Sommer 2006 übertrug Castro krankheitsbedingt die Amtsgeschäfte an seinen Bruder Raul.
(APA/red)