Eine Chronologie des jüngsten Protestes: Vom Marsch der Mönche bis zu den Schüssen

Anlass war der 49. Jahrestag des Armee-Einmarsches Insgesamt wurden 10 Menschen bei Unruhen getötet

Eine Chronologie des jüngsten Protestes: Vom Marsch der Mönche bis zu den Schüssen © Bild: Reuters/Gray

Seit fast zwei Wochen protestieren die Tibeter gegen die chinesische Besatzung ihrer Heimat. Beginnend mit Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa haben sich die Proteste mittlerweile auch auf umliegende chinesische Provinzen ausgeweitet. Tagtäglich gehen in aller Welt Exil-Tibeter und Sympathisanten auf die Straße, um gegen das Vorgehen der chinesischen Behörden zu protestieren. Es folgt eine Chronologie der bisherigen Ereignisse in der Tibet-Krise.

10. März: 500 Mönche des Klosters Drepung begehren gegen die chinesischen Behörden auf und starten einen Protestmarsch in die tibetische Hauptstadt Lhasa. Anlass ist der 49. Jahrestag der Niederschlagung eines tibetischen Aufstands durch die kommunistischen Machthaber. Auch Mönche der Klöster Sera und Ganden schließen sich dem Protest an.

12. März: Tausende chinesische Sicherheitsbeamte setzen Tränengas ein, um einen Protest von 600 Mönchen aus dem Sera-Kloster aufzulösen.

14. März: 300 bis 400 Bewohner und Mönche gehen in Lhasa auf die Straße. Dabei werden Geschäfte und Autos angezündet. Die Behörden riegeln die Klöster Drepung, Sera und Ganden ab. Nach chinesischen Angaben werden bei den angeblich vom tibetischen Exil-Oberhaupt Dalai Lama angezettelten Unruhen zehn Menschen getötet. Der Dalai Lama weist diese Vorwürfe energisch zurück. US-Präsident George W. Bush ruft China zu einem Dialog mit dem Dalai Lama auf.

15. März: Die chinesischen Behörden stellen den Aufrührern ein Ultimatum bis 17. März um Mitternacht. Sollten sie sich bis dahin stellen, werde ihnen Nachsicht gewährt. In Sydney entfernen Demonstranten die chinesische Flagge vom dortigen chinesischen Konsulatsgebäude und versuchen, die tibetische Flagge zu hissen. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, erteilt Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Spiele von Peking eine Absage.

16. März: Auf den Straßen von Lhasa patrouillieren bewaffnete Polizisten. China untersagt Ausländern die Einreise nach Tibet. Die Proteste weiten sich in die ebenfalls von Tibetern bewohnten Nachbarregionen Sichuan und Gansu aus. In der Region Aba in Sichuan werfen Tibeter Molotow-Cocktails auf eine Polizeistation und setzen einen Markt in Brand. In der Stadt Machu in Gansu fordern 300 bis 400 Demonstranten die Behörden heraus, indem sie ein Bild des Dalai Lama vor sich hertragen. Die tibetische Exilregierung erklärt vom indischen Dharamsala aus, dass 80 Menschen bei den Unruhen getötet worden seien. In Paris setzt die Polizei Tränengas ein, um eine Demonstration vor der chinesischen Botschaft aufzulösen. In New York bewerfen Demonstranten das chinesische Konsulat mit Steinen.

17. März: Der tibetische Regionalgouverneur Qiangba Puncog versichert, dass die Sicherheitskräfte "höchste Zurückhaltung" beim Vorgehen gegen die Demonstranten gezeigt hätten. Es seien keine tödlichen Waffen eingesetzt worden. 13 "unschuldige Zivilisten" seien ums Leben gekommen. Die EU-Kommission zeigt sich "sehr besorgt" über die Ereignisse in Russland und fordert beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Russland signalisiert Unterstützung für das chinesische Vorgehen in Tibet. Die EU-Sportminister sprechen sich bei ihrem Treffen im slowenischen Brdo gegen einen Olympia-Boykott aus.

18. März: Erstmals äußert sich der chinesische Premier Wen Jiabao zur Lage in Tibet. Er wirft dem Dalai Lama vor, mit den Unruhen die Olympischen Spiele im August in Peking sabotieren zu wollen. Vor dem chinesischen Konsulat in Sydney kommt es zu Zusammenstößen zwischen 100 pro-tibetischen Demonstranten und der Polizei. EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering und der französische Außenminister Bernard Kouchner äußern sich für einen Boykott der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.

19. März: China gibt bekannt, dass sich etwa 160 Unruhestifter gestellt hätten. Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele bestätigt, dass der im Frühjahr geplante Olympische Fackellauf trotz der Unruhen durch Tibet führen wird. Der britische Premier Gordon Brown berichtet, dass Premier Wen zu einem Gespräch mit dem Dalai Lama bereit sei. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft fordert Peking und den Dalai Lama auf, in Gesprächen eine "dauerhafte Lösung" des Tibet-Konflikts zu finden, die die tibetische Kultur, Religion und Identität respektiere.

20. März: China nimmt 24 Verdächtige fest, die im Zuge der Unruhen in Lhasa "schwere Verbrechen" begangen haben sollen. Die letzten ausländischen Journalisten werden aus Tibet ausgewiesen. Erstmals bestätigt Peking Schüsse der Polizei auf vier Demonstranten am 16. März in Sichuan. In der Stadt Kangding in Sichuan errichtet die Armee Straßensperren. In Nepal nimmt die Polizei 20 tibetische Demonstranten fest, darunter auch Mönche, um eine anti-chinesische Demonstration in Kathmandu zu verhindern. Bei einem Protest vor der chinesischen Botschaft in Wien kommt es zu einem Zwischenfall, als ein Tibeter auf das Botschaftsgelände eindringt und versucht, die tibetische Flagge zu hissen. Außenministerin Ursula Plassnik (V) teilt dem chinesischen Botschafter in Wien, Wu Ken, persönlich ihre Besorgnis über die Lage in Tibet mit.

21. März: Nach tibetischen Angaben wurden bei den Protesten in Aba mehrere Menschen von der Polizei erschossen. Demonstrativ besucht die Präsidentin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, den Dalai Lama in seinem indischen Exil und kritisiert die chinesischen Menschenrechtsverletzungen.