Eine globale Antwort auf eine globale Krise:
IWF erklärt für den G-7-Plan Unterstützung

Schwellen- und Entwicklungsländer sind eingebunden Der Fünf-Punkte-Aktionsplan scheint nun abgesichert

Eine globale Antwort auf eine globale Krise:
IWF erklärt für den G-7-Plan Unterstützung

Der Aktionsplan der sieben führenden Industriestaaten (G-7) gegen die globale Finanzkrise erhält größtmögliche Unterstützung. Nun stellten sich auch die 185 Mitgliedsländer des Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Gruppe der 20 Schwellen- und Entwicklungsländer hinter den G-7-Plan.

Auch der internationale Bankenverband begrüßte die weltweiten Bemühungen zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel warb neuerlich um Verständnis für die geplanten Milliarden-Hilfen: Sie würden nicht im Interesse der Banken gewährt, sondern im Interesse der Menschen.

Erklärung der G-20
In Washington stellte sich der Währungs- und Finanzausschuss des IWF (IMFC) hinter den G-7-Plan. Damit stützten auch Schwellen- und Entwicklungsländer diese Linie. Der Vorsitzende des IMFC, Youssef Boutros-Ghali, sprach von einem entscheidenden Beitrag zur Wiederherstellung von Vertrauen. Die G-20 erklärten in einer gemeinsamen Erklärung, die Probleme, vor denen man weltweit stehe, könnten nicht von einem einzelnen Land oder einem einzigen Kontinent gelöst werden.

Der Chef des Internationale Bankenverbands, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, sagte, die Politik werde sich zunehmend bewusst, dass eine systemischen Krise auch einer systemischen Antwort bedürfe. Unterdessen arbeitet die deutsche Regierung an einem Hilfeplan von angeblich bis zu 400 Milliarden Euro, der am Sonntag bei einem Gipfel der Euro-Länder diskutiert werden soll.

Fünf-Punkte-Aktionsplan
Die G-7-Finanzminister und Notenbankchefs hatten zuvor einen aus fünf Punkten bestehenden Aktionsplan gegen die Krise beschlossen. Darin wird eine enge Abstimmung der Länder über ihre jeweiligen Rettungsbemühungen zugesagt. Die G-7 verpflichten sich, das Überleben aller für das Finanzsystem wichtiger Finanz-Institute sicherzustellen. Zugleich unterstreichen sie die Notwendigkeit von Kapitalhilfen für notleidende Banken, wobei sie ausdrücklich die Möglichkeit von staatlichen Beteiligungen aufzeigen. Zudem sollen Banken-Einlagen umfassend garantiert werden. Die G-7 erhoffen sich von dem Aktionsplan und Konzepten auf dieser Basis eine Beruhigung der Welt-Börsen. Dort waren die Kurse zuletzt fast ungebremst abgestürzt.

Einig waren sich die G-7, der IWF und die Mitglieder des IMFC darin, dass schnelles koordiniertes Handeln auf globaler Ebene notwendig ist, um einen Kollaps des Finanzsystems abzuwenden. Dabei soll der IWF nach Auffassung seiner Mitglieder eine zentrale Rolle spielen. "Das ist eine Systemkrise, und sie bedarf systemischer Antworten", sagte Boutros-Ghali. IWF-Chef Strauss-Kahn mahnte, das weltweite Finanzsystem stehe am Rande des Zusammenbruchs. Trotz der beispiellosen Maßnahmen wie der konzertierten Zinssenkung in den wichtigen Volkswirtschaften seien wohl noch weitere Schritte nötig, um die Märkte zu stabilisieren. Strauss-Kahn sagte allen Ländern, die durch die Krise in Finanzprobleme stürzen, die Hilfe des IWF zu.

Keine Reaktion der Märkte
US-Präsident George Bush und der Chef des Forums für Finanzstabilität (FSF), Mario Draghi, mahnten zur Geduld. Der Schlüssel zum Erfolg sei eine enge Zusammenarbeit, ein koordiniertes Vorgehen, sagte Bush vor einem Treffen mit den G-7-Finanzministern. Über Nacht werde man die Schwierigkeiten aber nicht lösen können. Auch Draghi äußerte, er sei sich nicht sicher, dass die Märkte auf die bisherigen Maßnahmen wirklich nicht reagierten. Schließlich gehe es hier um hochkomplexe Vorgänge mit einem großen Schuss Psychologie.

Nachdem Großbritannien und die USA schon riesige Hilfeprogramme für ihre Finanzindustrie aufgelegt haben und dabei auch staatliche Beteiligungen an Banken eingehen dürften, wollen die Länder der Euro-Zone am Sonntag ähnliche Konzepte diskutieren. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde kündigte an, es werde sehr konkrete Beschlüsse geben: Es gehe darum, "Fleisch und Muskeln auf das Skelett" des Konzepts zu fügen. Merkel kündigte nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy an, die Entscheidung über den deutschen Plan werde am Sonntag nach dem Euroländer-Gipfel fallen. "Es geht darum, die Banken mit ausreichend Kapital zu versorgen", sagte sie. Das könnte auch vom Staat kommen. Von Verstaatlichung im Sinne dauerhafter Beteiligungen an Banken könne aber nicht gesprochen werden. Etwaige Staatshilfen könnten mit Auflagen verbunden werden.
(apa/red)