Ein Verletzter bei 'Happy Slapping' in Wels:
Teens filmten gestellte Rauferei mit Handy

Opfer ging bewusstlos zu Boden und musste ins Spital Bursch wurde mit Klebeband gefesselt & geschlagen

Das so genannte Happy Slapping ("fröhliches Schlagen") dürfte nun auch den Weg nach Österreich gefunden haben. In Wels hat die Polizei jetzt fünf Jugendliche dabei überrascht, wie sie mit dem Handy eine gestellte Rauferei aufnahmen. Das "Opfer" ging bei der Aktion bewusstlos zu Boden und musste ins Krankenhaus. In Großbritannien und Deutschland werden bereits seit längerem echte Schlägereien und Überfälle mit dem Mobiltelefon aufgenommen.

Die Beamten wurden zu einer Schlägerei zwischen fünf Jugendlichen gerufen, teilte die Polizei Wels in einer Presseaussendung mit. Die 15- und 16-jährigen Burschen hatten einen von ihnen mit Klebeband an den Händen gefesselt und traktierten ihn mit Schlägen. Die ganze Szene filmten sie mit dem Handy. Was zunächst wie eine Schlägerei aussah, entpuppte sich dann aber als schlechter Scherz. Die Prügelei war nur gestellt.

Opfer ging bewusstlos zu Boden
Das "Opfer" verlor jedoch während der "Dreharbeiten" das Bewusstsein und fiel zu Boden. Die Beamten führen das aber auf die Fesseln und nicht auf die Schläge zurück. Der Bursch habe zudem möglicherweise panisch reagiert, erklärte ein Polizist. Er musste ins Klinikum Wels eingeliefert werden. Die Staatsanwaltschaft wird wegen des Vorfalls Anzeige erstatten. Bei weiteren Ermittlungen stellte die Polizei fest, dass auf den Handys einiger Beteiligten bereits ein ähnliches Video gespeichert war. Dabei handelt es sich aber allem Anschein nach um eine "Spaßrauferei", bei der niemand verletzt worden ist.

Happy Slapping als neuer Trend?
In Großbritannien und Deutschland ist "Happy Slapping" bereits seit längerem bekannt. Der "Trend" begann in Schulen. Gewalttätige Jugendliche verprügeln Schwächere, filmen das Ganze mit dem Handy und verschicken die Bilder an Freunde oder stellen sie ins Internet. Mittlerweile haben sich die Jugendbanden andere Opfer gesucht. Sie verprügeln ahnungslose Passanten, meist in Parks, von wo sie anschließend leichter flüchten können. Nach solchen "Dokumentarfilmen" - so die Bezeichnung, die ein Beschuldigter in Großbritannien für die Videos benutzte - waren auch bereits Tote zu beklagen.

Erschießungen, Autounfälle & Co. für's Handy
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien warnt nun vor einer Verniedlichung. Es gebe im Internet kommerzielle Anbieter bzw. "Ausbeuter", die es gegen Bezahlung über Handyrechnung ermöglichen würden, Gewaltvideos herunterzuladen. Dabei fänden sich u.a. Filme über Köpfungen, Erschießungen und schwere Autounfälle. Mangels kreativem Freizeitverhalten brächten derartige Aufnahmen einen "Kick", der die Tristesse des Alltags für kurze Zeit vergessen lasse.

"Opfer sind den Jugendlichen egal"
Dass dabei unschuldige Menschen Opfer würden, sei den Jugendlichen egal, jahrelange Gewöhnung an Gewalt mache sie frei von Wertekonflikten und schlechtem Gewissen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft ruft Erziehungsberechtigte und Pädagogen daher auf, Jugendlichen einerseits interessante Freizeitalternativen zu vermitteln, andererseits durch Gespräche und kontrollierten Umgang einen sensiblen Zugang zu Gewalt in den Medien zu ermöglichen. Reine Verbote seien nur kontraproduktiv. (APA/red)