Ein ernster Probegalopp für den Afrika-Cup:
Tunesien freut sich auf motivierten Gegner

Lemerre: 'Mannschaft eher europäisch als afrikanisch' Sieg über Österreich soll Elan für Afrika-Cup bringen

Ein ernster Probegalopp für den Afrika-Cup:
Tunesien freut sich auf motivierten Gegner

Für Tunesiens Fußball-Nationalmannschaft ist das Duell mit Österreich kein simpler Test, sondern ein ernster Probegalopp für den am 8. Jänner 2008 startenden Afrika-Cup. Das Team von Roger Lemerre, das am Samstag Namibia mit 2:0 schlug, ist gegen die ÖFB-Elf denn auch auf einen Sieg aus, um mit Elan in das Kontinentalturnier gehen zu können.

"Ja, wir möchten Geschichte schreiben", betonte Lemerre, meinte damit freilich nicht den etwaigen Erfolg gegen Österreich, sondern den Titel beim Afrika-Cup. Zu den Favoriten will er sich aber nicht unbedingt zählen. "Da spielen Teams wie Kamerun, Ägypten, Ghana, Nigeria oder die Elfenbeinküste mit", erinnerte der Franzose. "Es gibt viele, die den Titel haben möchten."

Seine Mannschaft, die er seit Herbst 2002 trainiert, sieht er als stark europäisch geprägt. "Wir haben uns 1998, 2002 und 2006 für die WM qualifiziert. Wenn man auch noch den Confederations-Cup hernimmt, haben sich die Spiele in einem europäischen Rahmen abgespielt. Was die Struktur und die Mentalität angeht, denke ich, dass das Team eher europäisch als afrikanisch ist."

Am Mittwoch hat Lemerre im Vergleich zur Partie gegen Namibia fünf weitere Spieler von Etoile du Sahel, das am Samstag die afrikanische Champions League gewann, zur Verfügung. Nicht mit dabei sein wird allerdings Alaeddine Yahia, Torschütze zum 1:0, der in der 91. Minute Rot gesehen hatte und gesperrt ist.

Respekt vor Sieg über Drogba & Co
Mit der Meinung über das ÖFB-Team hielt Lemerre hinterm Berg. Zwar hätte er sich die Partien der Österreicher gegen die Elfenbeinküste und England aufmerksam angesehen, er gab sich aber diplomatisch: "Ich will unsere Gegner nicht beurteilen, das ist nicht meine Aufgabe. Da habe ich zu viel Respekt vor den Trainern." Gewissen Respekt rang ihm der 3:2-Erfolg über Didier Drogba und Co. aber doch ab. "Österreich muss sich beweisen. Aber es war sicher ein wichtiger Punkt, gegen die Elfenbeinküste, die eine große Mannschaft hat, zu gewinnen."

Ganz guter Gast schwärmte er von der rot-weiß-roten Geschichte, führte Herbert Prohaska, Hans Krankl und Ernst Happel an oder die Jahre des "Wunderteams": "Österreich hat da große Momente gehabt." Schließlich übte sich Lemerre noch in der Rolle des Motivators: "Ich kann nur sagen: Ihr müsst die Hoffnung behalten, es kann alles passieren. Ein EM-Finale Österreich - Schweiz wäre doch ein großer Moment."

Österreich als "gutes Kollektiv"
Tunesiens Schlussmann Hamdi Kasraoui bewertete Österreich als "gutes Kollektiv", das Spiel als "guten Test". "Sie haben eine Mannschaft, die motiviert ist. Das ist für uns wichtig", urteilte wiederum der bei Bayer Leverkusen engagierte Verteidiger Karim Haggui. Der 2004 naturalisierte Brasilianer Santos ("Mein Kind ist in Tunesien zur Welt gekommen. Ich hänge an diesem Land") betonte, dass es viele neue Spieler in die Mannschaft zu integrieren gelte, daher auch der Auftritt gegen Namibia nicht einwandfrei gewesen sei.

Der Verteidiger Yassine Mikari, auf Clubebene für die Zürcher Grasshoppers aktiv, kennt Österreichs Stürmer Sanel Kuljic von dessen Sion-Gastspiel noch persönlich. "Wir müssen gewinnen", forderte der 24-Jährige gebürtige Schweizer mit tunesischem Vater und österreichischer Großmutter, der einst sogar in der U21-Auswahl der Eidgenossen gestanden war. "Natürlich wäre es ein Traum gewesen, für die Schweiz zu spielen. Aber auch der Afrika-Cup ist ein Traum."

(apa/red)

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