Ein Postler greift der Polizei unter die Arme:
Helmut Dlabaja hat den Sprung gewagt

"Die Motivation ist da, weil wir gebraucht werden" Erspart Exekutivbeamten bis zu zwei Stunden Arbeit

Ein Postler greift der Polizei unter die Arme:
Helmut Dlabaja hat den Sprung gewagt
© Bild: APA/Pfarrhofer

Helmut Dlabaja hat die vergangenen 27 Jahre bei der Post gearbeitet, zuletzt stand er in einer Filiale in Wien Meidling hinter dem Schalter. Nun versieht er seinen Dienst allerdings in der Polizeiinspektion im 23. Bezirk und möchte künftig seine neuen Kollegen in der Verwaltungsarbeit unterstützen. Das ganze sei eine "Blitzentscheidung" gewesen. "Es war Zeit für etwas Neues. Es kann nur besser werden", habe er sich gedacht, erklärte Dlabaja gegenüber der APA.

Der 47-Jährige ist einer der 39 Beamten von Post und Telekom Austria, die derzeit an der Umschulung zu Verwaltungsmitarbeitern bei der Polizei teilnehmen. Die Ausbildung hat per 1. September begonnen. Auf zwei Wochen Theorie mit großteils rechtlichen Schulungsinhalten folgen nun fünf Wochen Praxis. "Learning by doing" an den ausgewählten Dienststellen in Oberösterreich, Niederösterreich und Wien ist das, erläutert Leutnant Isabella Gruber, Koordinatorin für die Ausbildung an der Sicherheitsakademie. Insgesamt dauert die Umschulung acht Wochen.

Die Schulung über das Dienstrecht oder die Verfassung sei nicht neu für ihn gewesen, schließlich habe er als Beamter bereits Dienstprüfungen absolviert, so Dlabaja. Eine Herausforderung hingegen sind die neuen EDV-Programme, etwa das Informationssystem EKIS, welches ohne Computermaus bedient wird. "Aber das ist reine Übungssache", meinte er motiviert. Auch vor dem abschließenden Fachgespräch hat er keinerlei Befürchtungen. Ob den Schülern nach Abschluss der Ausbildung ein Diplom überreicht wird, das stehe laut Gruber noch nicht fest.

Bessere Zukunftsaussichten
Dlabaja bewarb sich erst Ende August - nachdem ihn der Dienststellenleiter über diese Möglichkeit informiert hatte - für die Umschulung. Wenige Tage später erhielt er die Zusage, und dann ging's auch schon los. Unterstützung kam sowohl aus seiner Familie als auch von den Kollegen. "Ich habe bessere Dienstzeiten und eine höhere Lebensqualität. Schade ist es nur um die Kollegen, aber einer ging sogar gleich mit", so der neue Mitarbeiter. Überhaupt seien die Kollegen bei der Post sehr interessiert und würden sich ebenfalls eine Bewerbung überlegen: "Weil es für Beamte bei der Polizei eine bessere Zukunftsaussicht gibt als bei der Post." Auch sei den Interessenten zugesichert worden, dass sie beim Gehalt nicht schlechter gestellt werden.

Die ersten 39 Bewerber absolvieren ihre Praxisausbildung an Polizeiinspektionen in Oberösterreich (9), Niederösterreich (13) und Wien (17). Sie wurden unter anderem nach der Zahl der Anzeigen und dem Verwaltungsaufwand in den Dienststellen ausgewählt, erklärte Gruber. Bei der Dienstzuteilung der Teilnehmer wurde ihr Wohnort berücksichtigt. Flexibel agiert die Polizei auch bei der Erstellung der Dienstpläne. So sind etwa zwei Frauen auf eigenen Wunsch nur in Teilzeit tätig.

"Wir werden gebraucht"
Für Dlabaja hat sich bereits jetzt einiges verbessert. Anstatt wie früher oft erst um 18.30 Uhr kann er jetzt schon um 15.00 Uhr nach Hause nach Himberg in Niederösterreich fahren. Auch der Anfahrtsweg zum Arbeitsplatz hat sich etwas verkürzt. An seinem neuen Arbeitsplatz wurde der neue Verwaltungsmitarbeiter bereits erwartet: "Die Motivation ist da, weil es hieß, dass wir gebraucht werden."

Reinhold Ponesch vom Innenministerium unterstreicht die Sinnhaftigkeit des Projekts: "Die Verwaltungsarbeit hat in den letzten Jahren stark zugenommen, das Protokollierungssystem wurde irrsinnig umfangreich. Das heißt, die neuen Mitarbeiter werden schon erwartet." Ponesch schätzt, dass ein Exekutivbeamter in einem Zwölf-Stunden-Dienst "locker" ein bis zwei Stunden mit Verwaltungsarbeit beschäftigt ist - Zeit, die er im Außendienst unterwegs sein könnte. Die Polizei würde sich jedenfalls über weitere neue Kollegen von Post und Telekom freuen. Zuvor gilt es jedoch den ersten Durchgang zu evaluieren und die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe der Ministerien für Finanz, Beamte und Inneres abzuwarten.

(apa/red)

Kommentare

Reform Na sowas; die Postler sind jetzt das Wundermittel und die Aufklärungsrate wird auf 100 % steigen, Verbrechen etc. wird es nicht mehr geben; die Reform hat doch die Polizisten auf die Straße gebracht (wurde ständig suggeriert - Strasser war ja der Experte dafür) oder doch nicht??
Es ist schon eine Superidee, die in kurzer Zeit da entstanden ist....es war ja schon bei der Reform bekannt, dass es zuviel Verwaltungsarbeit gibt.....

Endlich einmal eine gute Idee! Keine Frage, dass es mehr "echte" Polizist/innen braucht, keine Frage, dass manchmal Geld für sinnlose Sachen ausgegeben wird, keine Frage, dass man sich die Qualifikation und persönliche Eignung jedes einzelnen Postlers ansehen muss, aber man muss es trotzdem sagen:
Diese Aktion ist eine gute, kreative Idee einiger Politiker/innen (es waren in vorderster Front Frauen!), für die auch einmal ein Lob ausgesprochen werden muss!

Sinnhaftigkeit Der Herr Ponesch vom Innenministerium unterstreicht die Sinnhaftigkeit des Postler zur Polizei Projekts. Gut. Wie sinnvoll ist es aber 3 Jahre lang Lehrlinge auszubilden und ihnen keinen Job zu geben sondern lieber "Quereinsteiger" zu nehmen und die dann auch noch extra auszubilden?
Am schlimmsten für mich ist, dass von keinem Politiker, an die ich eine Anfrage geschickt habe ein Antwort gekommen ist. Offensichtlich kennt man den Bürger nur wenn man seine Stimme braucht.
Wo meine Stimme das nächste Mal landen wird kann man sich leicht ausrechen.

melden

Super Headline! "EIN Postler greift der Polizei unter die Arme"

Naja, mit einem Postler sind die somit besser dran, als mit
dringend benötigten 2.000 weiteren Polizisten, weil bei uns
schießt sich eh niemand auf der Straße nieder, die
Einbrüche stiegen eh "nur" um 17% im Vergleich zum
Vorjahr in Wien an usw.

2.000 Polizisten würden 1 Million Euro kosten, aber die
haben wir ja nicht, aber wenn ein Jermaine Jackson
nach Wien kommen will, dann ... schwupps ... sind da
sofort mal mindestens 600.000 Euro drinnen;)

melden

Re: Super Headline! Nicht nur, daß sofort 600.000 Euro für ein zweifelhaftes Konzert da wären, auch unser lieber Bürgermeister lädt auf Kosten der Steuerzahler 4000 Leute zum Geburtstag ein. Da ist dann plötzlich das Geld da. Da wird auch nicht gefragt ...!
Bin neugierig ob zu meinem 60er ... aber ich glaube jetzt träume ich wohl.
Also: 1 prominenter Geburtstag + 1 Konzert mit Unbekannten = die Kosten für die dringend benötigten Polizisten wären schon da.
Vielleicht wollte einer der Postler als Kind mal Lokführer werden - bin sicher die ÖBB suchen solche Leute.

melden

Re: Super Headline! aber nein vasant,das konzert wurde doch abgesagt und die 600 000 euro auch nicht bezahlt! also nicht so aufregen und keep cool!! übrigens,eine frage hätte ich an dich:kann es sein das du ein wiener bist?

in der stadt der hrrrdlickas und hrrrdinas klingt der name dlabaja trotzdem immer noch sehr merkwürdig!!! gott sei dank ist wien "anders" und repräsentiert unser land nicht,denn sonst würds schlimm aussehen für unser österreich!!!so kann man im ausland immer noch sagen, man ist österreicher aber KEIN WIENER!!!

melden

Polizei und Postler Ich freue mich für die Postler, die nun bei der Polizei untergekommen sind. Leider hat das für mich einen Wermutstropfen: meine Tochter hat eine 3-jährige Ausbildung bei der Polizei erfolgreich abgeschlossen, wird aber nicht angestellt, weil es eine Aufnahmesperre gibt! Jetzt frag ich mich natürlich wie ist das möglich? Da nimmt man rd. 40 Postler auf, die erst in einem "Schnellsiederkurs" ausgebildet werden müssen und die bereits "fertigen" lässt man am langen Arm "verhungern". Meine Anfragen bei allen möglichen Behörden die damit zutun haben könnten blieben erfolglos. Weder Hr. Pröll, Fr. Fekter, die Gewerkschaft, die AK, die Polizei, der Sozial bzw Wirtschaftsminister haben mir geantwortet. Auch keine der Parteien an die ich mich gewendet habe. Das ist wahre Politik!

TheJoiser melden

Re: Polizei und Postler Nicht böse gemeint aber sollte deine Tochter das nicht selber klären? Sie ist ausgebildet und du musst ihr den ganzen Behördenkram machen? Du schreibst an Pröll, Fekter usw.? Warum nicht deine Tochter?Also wenn nicht mal das drinnen ist, dann wird ein job schwer werden...

melden

Re: Polizei und Postler Natürlich klärt sie das selber, sie ist ständig mit allen möglichen Leuten in Kontakt. Ich wollte sie mit meinen Anfragen nur unterstützen und gleichzeitig darauf hinweisen was hinter den Kulissen geschieht. Nach aussen sieht es aus als würde man was großartiges tun, indem man Postler und Telekom-Mitarbeiter anstellt, dahinter bleiben die Menschen auf der Strecke. Es betrifft ja nicht nur meine Tochter allein, sondern mit ihr sind noch 3 oder 4 weitere ausgelernte Lehrlinge abgeschoben worden. Weil seit Monaten nichts geschieht habe ich versucht etwas Druck zu machen - aber keinen interessierts. Aber es kommen ja wieder Wahlen ...

melden

Re: Polizei und Postler Noch was, um das Ganze abzurunden: es wäre in diesem Zusammenhang auch Interessant zu wissen, ob die Postler auch als Praktikanten übernommen werden. Denn, meine Tochter z.B. wurde nach dem Lehrabschluß (nach der gesetzlichen Behaltefrist) als Praktikantin mit 691 Euro brutto übernommen - das bei 40 Stunden wöchentlich und mit all den Aufgaben die sie bisher machen musste! Es wäre ja eigentlich nur gerecht, wenn die Postler auch zu diesen Bedingungen übernommen werden würden, nochdazu wo sie er ausgebildet werden müssen ...! Das ist es was ich als Skandal oder wenn man will als Schweinerei bezeichne! Oder sehe ich das falsch?

melden

Re: Polizei und Postler @herbie
Was ich nicht verstehe ist, dass Postler von der Post ÜBERNOMMEN werden und die Praktikanten eine NEUAUFNAHME wären. und das 500€ den Lebensumständen nicht entsprechen - über das müssen wir nicht diskutieren.
Was ich aber weiß ist, dass es verschiedene Arten der Praktikantenverträge gibt.
Je nach Dienstgrad.
Und wenn so dringende Hilfe benötigt wird, warum kann man die eingeschulten Praktikanten nicht endlich übernehmen.
Man würde sich die Zeit ersparen jemanden einzuschulen!!!

3 Jahre Lehre reichen aus um so ziemlich jeden Posten besetzen zu können.

Aber ja - auch ich muss nicht alles verstehen

melden

Re: Polizei und Postler @einfachich
Das ist genau das, worüber ich mich so aufrege. Statt sich des eigenen Hauses zu bedienen, nimmt man aus einem Grund der nicht wirklich ersichtlich ist, "einzuschulendes Fremdpersonal" auf.

Eben habe ich erfahren, daß lt. Ministerin Fekter, der Aufnahmestopp für weitere 2 Jahre gelten soll.

Will man noch mehr "Fremdpersonal" aufnehmen und neu einschulen?

Wie gesagt eine Schweinerei!!!

melden

Re: Polizei und Postler Na, das mit den 2 Jahren ist ja jetzt interessant!!
Hab Ihren Satz nicht mal zu Ende gelesen, ist ein Mail reingekommen
http://www.bundessache.at/infoplattform/

Unter "News" stehen sehr interessante Dinge ;)

Die eigentliche Schweinerei ist meiner Meinung nach, das jungen und arbeitsfreudigen Menschen die Chance bzw der Wunsch ihre Zukunft aufzubauen somit ein (vorerst) ewiger Wunsch bleiben wird. Sie auf private Ersparnisse greifen zu müssen nur um die Runden zu kommen.
Wie kann man denen die an der Hoffnung klammern, die immer bis zum Ende ihrer Kräfte gearbeitet haben, das Leben so schwer machen?!Ich freu mich für jeden Postler, keine Frage.Aber die hatten ihre Fix-Anstellung und ihr geregeltes Einkommen. Warum kann man da nicht erst die hervornehmen dies wirklich nötig hätten?!

melden

Ist doch logisch ... wir würden mindestens 600.000 Euro für ein deppertes
Tribute rauswerfen, benötigen dringend 2.000 neue
Polizisten, wobei viele mit Ausbildung schon warten,
aber man nimmt lieber "Beamte" für den Innendienst,
weil die Gewalt und Verbrechen auf der Straße eh
warten können!

Also das müßt ihr schon verstehen;)

Seite 1 von 1