Ein Minister räumt auf! Darabos will Doping-
Netzwerk jetzt mit aller Härte zerschlagen

In NEWS-Interview sagt der Sportminister warum "Wir sehen jetzt erst die Spitze des Eisbergs!"

Ein Minister räumt auf! Darabos will Doping-
Netzwerk jetzt mit aller Härte zerschlagen © Bild: NEWS

Der Doping-Skandal zieht in Österreich immer größere Kreise. Sportminister Norbert Darabos tritt an, um das Netzwerk zu zerschlagen. Im NEWS-Interview spricht er über die Dopingmafia und warum er auch Sportlern mit dem Strafrecht droht.

NEWS: Wie tief steckt Österreich im Dopingsumpf?
Norbert Darabos: Ich hoffe nicht, dass IOC-Präsident Jacques Rogge Recht gehabt hat, als er seinerzeit Österreich als eines von drei Zentren des internationalen Dopings bezeichnet hat. Aber möglicherweise läuft hier bei uns einiges zusammen, das nach meinen bisherigen Informationen allerdings seinen Ausgang in Osteuropa nimmt. Es gibt Indizien, dass das Dopingnetzwerk von dort aus gefüttert wird. Ich glaube daher, dass wir erst die Spitze des Eisbergs sehen.

NEWS: Warum wollen Sie in Zukunft gegen dopende Sportler strafrechtlich vorgehen?
Darabos: Wer dopt, betrügt! Vor allem was das Blut- und Gen-Doping anlangt, bin ich allein schon aus ethischen Gründen für eine rigorosere Vorgangsweise. Fallen solche schwerwiegenden Vergehen unter das Strafrecht, dann haben die untersuchenden Behörden viel mehr Möglichkeiten, diese Praktiken aufzudecken. Und für Sportler, die mithelfen, das Doping-Umfeld aufzudecken, könnte es eine spezielle Kronzeugenregelung geben. Das heißt Strafmilderung bei Nennen der Hintermänner.

NEWS: Das geltende Dopinggesetz ist nicht einmal ein Jahr alt. Warum wollen Sie es trotzdem schon wieder verschärfen?
Darabos: Mein persönlicher Zugang hat auch mit dem Fall Kohl zu tun. Der hat ja monatelang behauptet, er sei sauber. Als er aufgeflogen ist, hat er versprochen, seine Hintermänner zu nennen. Tatsächlich schweigt er bis heute. Spätestens da war mir klar, dass wir eine Verschärfung der Anti-Doping-Bestimmungen brauchen, die in schwerwiegenden Fällen auch strafrechtliche Sanktionen für Sportler beinhalten. Ich bin mir bewusst, dass viele Abgeordnete in dieser Frage noch sehr skeptisch sind. Da liegt viel Überzeugungsarbeit vor mir.

NEWS: Bis wann soll das neue Anti-Doping-Gesetz im Parlament beschlossen werden?
Darabos: Ich möchte, dass die verschiedenen Arbeitsgruppen, die ich jetzt eingesetzt habe, bis Sommer zu Ergebnissen kommen, die dann möglichst rasch, also noch im Jahr 2009, der parlamentarischen Beschlussfassung zugeführt werden.

NEWS: Zeigen die jüngsten Erfolge der Soko Doping nicht auch, dass man mit den bestehenden Gesetzen durchaus das Auslangen findet?
Darabos: Ich will mich jetzt nicht mit fremden Federn schmücken, aber eines halte ich mir schon zugute: Letztlich war ich es, der das Thema Doping neu aufgerollt hat. Die Soko Doping des Innenministeriums arbeitet in den aktuellen Fällen sehr gründlich, und die Justiz hat ihren Teil dazu beigetragen. Allerdings möchte ich anmerken, dass man schon früher auf Basis der geltenden Gesetze hätte handeln können – zum Beispiel unter dem Titel Betrug. Passiert ist aber in der Vergangenheit nicht wirklich viel. Erst in jüngster Zeit ist ganz offensichtlich durch mich wieder Bewegung in die Sache gekommen.

NEWS: War Österreich in den letzten Jahren vielleicht zu lasch im Umgang mit Doping?
Darabos: Möglicherweise haben wir Doping zu lange als Kavaliersdelikt abgehandelt. Auch deshalb will ich mit meinem Denkanstoß in Richtung härterer Bestrafung ein Signal setzen. Ich bin sehr froh, dass mir einzelne Verbände wie Leichtathletik, Radsport oder Triathlon den Rücken stärken. Das beweist, dass wir bei uns momentan eine Bewusstseinsänderung im Kampf gegen Doping erleben.

NEWS: Vor ein paar Wochen ist der ÖOC-Generalsekretär nach heftiger Kritik von Ihrer Seite zurückgetreten.
Darabos: Ich habe als kooptiertes ÖOC-Mitglied eineinhalb Jahre lang versucht, Auskunft über bestimmte Vorgänge im Olympischen Comité zu erhalten – erfolglos. Da hat sich mein Gefühl verstärkt, dass hier etwas unter den Teppich gekehrt wird. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat dann diese Geschichte mit dem Olympia-Förderverein, mit zum Teil bis heute ungeklärten Geldflüssen. Ich wurde dabei mit Rechnungsabschlüssen konfrontiert, die man mir als Obmann meines Heimatklubs Kroatisch Minihof mit Sicherheit zurückgeschmissen hätte.

NEWS: Ist der Exgeneralsekretär nur ein Bauernopfer?
Darabos: Ich sage es in aller Offenheit und mit aller Deutlichkeit – als Sportminister wünsche ich mir einen Neustart im ÖOC insgesamt. Ich kann allerdings auf das ÖOC keinen wie immer gearteten Druck ausüben, das ist ja ein privater Verein. Aber wir pumpen dort immerhin zwei Millionen Euro Steuergeld hinein bei einem Gesamtbudget von drei Millionen. Meiner Meinung nach wäre das ÖOC gut beraten, von sich aus einen Generationswechsel auf allen Ebenen einzuleiten. Diese Chance wurde bei der letzten Generalversammlung leider verpasst.

Im aktuellen NEWS 14/09 lesen Sie außerdem, wie die Mauer des Schweigens im Doping-Skandal langsam fällt!