Rückblick von

Bilanz: Ein Jahr Regierung

Meinungsforscher sehen keine Highlights. Bachmayer: "Zum Feiern kein Grund"

Faymann © Bild: APA/Schlager

Die Meinungsforscher sehen im ersten Jahr der Neuauflage der rot-schwarzen Regierung keine Highlights. Für Peter Hajek ist die Regierung derzeit immer noch "stärker in der Planung diverser Projekte als in deren Umsetzung". Auch David Pfarrhofer (market) sieht "wenige innenpolitische Meilensteine". Und OGM-Chef Wolfgang Bachmayer meinte: "Zum Feiern gibt es wirklich keinen Grund."

Bachmayer verwies im Gespräch mit der APA darauf, dass bereits im Koalitionsvertrag als eines der Hauptziele Wirtschaftswachstum und eine Steigerung der Beschäftigung genannt worden sind - passiert sei hier aber nichts Wesentliches. "Es gibt wenig Milestones" innerhalb des ersten Jahres, so der OGM-Chef.

Obmannwechsel bei ÖVP ohne Effekt

Auch der Obmannwechsel bei der ÖVP hat für Bachmayer keinen wesentlichen Unterschied gebracht - wenn überhaupt, dann nur "im Erscheinungsbild". Gelungen ist für den Experten allerdings das "Wie" des Übergangs von Michael Spindelegger auf Reinhold Mitterlehner, es habe "kein mühsames Dahinmetzeln" von potenziellen ÖVP-Chefs gegeben.

Bei der Steuerreform rechnet Bachmayer mit wenig Bewegung innerhalb der ÖVP durch den Obmann-Tausch. Er glaube vielmehr, "dass da jetzt wieder die Schützengräben bezogen werden" - sich sowohl SPÖ als auch ÖVP in ihren Positionen einmauern werden. Auch durch das schlechte Ergebnis von SP-Chef Werner Faymann beim Bundesparteitag sei die Situation keine einfachere geworden.

Regierung rast in Sackgasse

"Ich bin der Meinung, dass die Regierung hier in sehr hohem Tempo in eine Sackgasse rast. Die Steuerreform ist zu so einer heiligen Kuh geworden", schuld daran seien sowohl die Regierung wie auch "sonstige Organisationen" wie ÖGB oder Industriellenvereinigung. Durch das "gegenseitige Hochlizitieren" - beispielsweise hinsichtlich des Volumens der Reform - sei eine so hohe Erwartungshaltung in der Bevölkerung entstanden, die gar nicht erfüllt werden könne. Er fürchte, dass die Bürger letztlich "ziemlich enttäuscht" sein werden von dem Ergebnis, schlussendlich werde man sagen müssen: "Viel Lärm um wenig".

Für Hajek (Public Opinion Strategies) stellt es immerhin schon einen "Wandel" dar, dass sich die Regierung nun grundsätzlich auf die Umsetzung einer Steuerreform geeinigt hat: Dass es zu einer solchen kommen muss, "diese Erkenntnis gibt es" nun innerhalb der Regierung.

ÖVP und SPÖ: "Grabenkämpfe" aufgelockert

Die "Grabenkämpfe", die es noch unter Spindelegger mit der SPÖ gegeben habe, hätten sich nun aufgelockert, so Hajeks Befund: "Mitterlehner gräbt sich nicht ein." Als positiv wertet der Meinungsforscher etwa, dass sich die ÖVP angesichts des schwachen Ergebnisses von Faymann beim Parteitag mit Kommentaren zurückgehalten habe. Dies sei ein "bemerkenswerter Kulturwechsel".

Die zuletzt sanft aufgekeimten Neuwahlspekulationen hält Hajek eher für Motivationsversuche in den eigenen Reihen. Schon alleine wegen der derzeitigen Stärke der FPÖ könnten es sich die Regierungsparteien nicht leisten, Neuwahlen vom Zaun zu brechen.

Das glaubt auch Pfarrhofer, der das Momentum derzeit durch den Obmannwechsel bei der ÖVP sieht. Die Partei habe das "sehr gut gelöst, aus einer passiven Rolle hin zu einer tragender Kraft" zu werden. Gleichzeitig merkte er an, dass es die ÖVP bei den kommenden Wahlen, v.a. in Wien, nicht leicht haben werde. "Es steht aber ungleich mehr für die SPÖ am Spiel", meinte er, denn in Wien gehe es um den Bürgermeister. Er könne sich derzeit nicht vorstellen, dass die Koalition auf Bundesebene zerbricht. "Beide haben wenig Anlass, darüber nachzudenken."

"Neuwahlengespenst" kreist herum

Bachmayer sieht das ein wenig anders: Das "Neuwahlgespenst" könnte "wieder ein bissel herumkreisen", meinte er mit Blick auf den angeschlagenen SPÖ-Vorsitzenden. Der OGM-Chef verwies darauf, dass neben dem Konfliktfeld der Steuerreform 2015 auch ein "Superwahljahr" vor der Türe stehe. Mit den Gemeinderatswahlen und den Landtagswahlen in der Steiermark, den Landtagswahlen in Wien und Oberösterreich stünden Urnengänge an, die der SPÖ unangenehm werden könnten.

Im Prinzip traue er es der SPÖ zu, wie schon 2008 beim Wechsel von Alfred Gusenbauer auf Faymann einen weiteren Austausch des Parteivorsitzenden zu vollziehen. Er verwies auf die "Vorverlegungsgelüste" für die Wiener Wahl. Sollte kein befriedigender Steuerreform-Beschluss kommen, und sich die SPÖ im neuen Jahr nicht wesentlich erholen (wofür Bachmayer derzeit keine Anzeichen sieht), seien auch Neuwahlen mit einem neuen SP-Spitzenkandidaten nicht auszuschließen - eventuell gemeinsam mit der Wiener Wahl , so der OGM-Chef.

Kommentare

Eva Barbamama
Eva Barbamama melden

von den Wahlversprechen alle gebrochen und die Budgetgeschichte könnte vom Pinoccio oder Münchhausen sein! Wursteln genauso weiter wie in den letzten Jahren! Mit der Zielerreichung könntest in der Privatwirtschaft bald stempeln gehen!

christian95 melden

Wir verdienen nichts anderes!
(Auch wenn sie uns noch so oft butterweiche, viel warme Luft produzierende Typen präsentieren..... WIR wählen sie alle wieder wenn nur SPÖ oder ÖVP drauf steht).

Faymann, Spindelegger, Mitterlehner... usw. sind ja nicht erst seit ein paar Wochen in der Politik.
Die waren alle in ihren Funktionen schon vorher keine großen "Leuchten". Sie machen weiterhin das was sie besonders gut können: Viel warme Luft produzieren.
Die Österreicher freuen sich darüber und wollen sie wieder wählen.

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