Ein Jahr danach: Pakistan gedenkt der
80.000 Opfer der Erdbebenkatastrophe

Rund dreieinhalb Millionen Menschen obdachlos

Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Pakistan haben die Menschen im ganzen Land der 80.000 Todesopfer gedacht. In Muzaffarabad, der Hauptstadt des pakistanischen Teils von Kaschmir, wurde die Gedenkfeier von Präsident Pervez Musharraf geleitet. Um 08.52 Uhr - dem Zeitpunkt des Bebens - heulten die Sirenen, und viele Menschen hielten für eine Schweigeminute inne. Musharraf lobte die bisherigen Bemühungen um den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und forderte die Menschen auf, Geduld zu haben.

"Es ist ein Sieg für die Regierung, für die Streitkräfte, für die Menschen, für die Nichtregierungsorganisationen und für die Welt, die sie unterstützt hat", sagte Musharraf vor den rund 1.000 Menschen, die sich auf dem Gelände der Azad-Jammu-Kashmir-Universität versammelt hatten. "Dank der Hilfe und Großzügigkeit der ganzen Welt und der Nichtregierungsorganisationen konnten wir die Lage verbessern." Die Menschen müssten geduldig sein, die Regierung arbeite daran, ihre Lebensumstände weiter zu verbessern. Der Wiederaufbau werde aber erst 2011 vollständig abgeschlossen sein, sagte der Präsident. Bei dem Beben am 8. Oktober 2005 wurden rund dreieinhalb Millionen Menschen in Pakistan und im Nachbarland Indien obdachlos.

Trotz Hilfszusagen über 6,7 Milliarden Dollar (5,3 Milliarden Euro) ist die Aufgabe gewaltig. Bei dem Beben wurden mehr als 600.000 Häuser, 6.500 Schulen und 800 Krankenhäuser sowie mehr als 6.000 Kilometer Straße zerstört. In Muzaffarabad ist inzwischen jedoch wieder so etwas wie Normalität zwischen den Ruinen eingekehrt. Hotels werden wieder aufgebaut und nehmen Gäste auf, Trümmerteile blockieren nicht länger die Straßen der Stadt, das Warenangebot in den Geschäften ist beträchtlich. Die Kinder besuchen wieder die Schulen, die in Zelten oder provisorischen Gebäuden untergebracht sind.

Im ganzen Land fanden hunderte Gedenkfeiern statt. In der Hauptstadt Islamabad gedachten die Menschen des Einsturzes eines mehrstöckigen Wohngebäudes, bei dem 74 Menschen ums Leben gekommen waren. Viele weinten und umarmten sich, andere legten Blumen am Unglücksort nieder.

Mehr als 1.000 Überlebende des Bebens protestierten gegen Verzögerungen bei der Auszahlung versprochener Hilfen. Vor dem Parlament in Islamabad protestierten sie auch gegen Korruption bei der Auszahlung der Hilfsgelder und forderten, Häuser noch vor dem Wintereinbruch zu bauen. Nach der Kundgebung vor dem Parlament marschierten sie zu der für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben zuständigen Behörde. Eine Frau sagte, sie lebe immer noch in einem Zelt und habe bisher nicht einen einzigen Penny gesehen. Informationsminister Mohammed Ali versprach, jeder werde eine Unterkunft haben.

Nach Angaben des pakistanischen Wirtschaftsministeriums leben noch rund 30.000 Überlebende in Zelten, der Hilfsorganisation Oxfam zufolge sind etwa 1,8 Millionen Menschen auf notdürftig errichtete Hütten angewiesen. Musharraf hatte die internationale Gemeinschaft um Unterstützung in Höhe von 800 Millionen US-Dollar gebeten.

(apa/red)