Ein heißer Herbst lässt grüßen

Hubert Wachter über Folgen der Wirtschaftskrise Plus: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Ein heißer Herbst lässt grüßen © Bild: NEWS

Jean-Claude Juncker, Chef der EU-Finanzminister, warnt vor sozialen Unruhen. Steht auch Österreich ein heißer Herbst bevor?

Einmal mehr ist es Europas profundester Finanzminister, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, der dieser Tage Tacheles redet. „Es wird eine Beschäftigungskrise geben“, sagt der Chef der Euro-Finanzminister, man dürfe nicht unterschätzen, wie explosiv sich eine solche Situation entwickeln könne. Juncker nimmt sogar den Ausdruck „soziale Krise in Europa“ in den Mund, spricht von aktuell zusätzlichen 8,5 Millionen Arbeitslosen am Kontinent.

Wien, mit ruhiger Hand? Nicht wirklich lustig. Auch nicht für Österreich, wo zwar Finanzminister Josef Pröll „mit ruhiger Hand“ durch die Krise steuern will und Bundeskanzler Werner Faymann seine SPÖ mit der Debatte um eine „Reichensteuer“ zu besänftigen sucht. Das wird nicht reichen. Denn die Fakten sind düster: 500.000 oder mehr Arbeitslose schon im Herbst 2009, dazu 100.000 oder mehr in Kurzarbeit. Das heißt für beide Gruppen erhebliche Einkommensverluste, für Arbeitslose bis zu 45 Prozent, für Kurzarbeiter zehn bis 20 Prozent. Folge: Deren Kaufkraft sinkt erheblich, der Handel wird aufjaulen samt Restrukturierungen und weiteren Freisetzungen, private Kredit- und Leasingraten werden zu echten Problemen. Fazit: Nicht nur klimatisch dürfte Österreich heuer eine veritable Herbst-Depression bevorstehen.

Glaubwürdige Autorität gefragt. Faymann, Pröll & Co wird einiges einfallen müssen. Abgesehen von milliardenschweren Finanzspritzen, geht es vor allem darum, der Bevölkerung gerade in der Krise glaubwürdig Sicherheit zu vermitteln. In dem Sinn: Wir passen auf euch auf! Ihr seid nicht verlassen! Wir kümmern uns! Nur: Es ist diese emotionale Schiene, die den Sachpolitikern oft fehlt. Juncker spricht davon, dass Millionen Europäern drohe, „in Verzweiflung zu versinken“. Soziale Unruhen nicht ausgeschlossen. Das sollten Faymann, Pröll & Co vielen Österreichern ersparen. Erste Warnzeichen hat es schon gegeben: 60.000 Schüler waren unlängst auf der Straße. Tausende Erwachsene sind es wohl Ende Mai, wenn es, organisiert von vier Teilgewerkschaften, um Löhne und Gehälter geht. Und was wird im Herbst sein?