Ein "Heimkehrer" als Bosnien-Beauftragter:
Valentin Inzko mit diplomatischem Geschick

Kärntner Slowene schaffte Spagat bei Ortstafel-Frage Promovierter Jurist als profunder Balkan-Kenner

Mit Valentin Inzko (59) bekommt Bosnien-Herzegowina einen guten Landeskenner als internationalen Beauftragten. Fast könnte man von einer Heimkehr sprechen, leitete Inzko doch von 1996 bis 1999 die österreichische Botschaft in Sarajevo.

Inzko wird jetzt wohl keine rechte Freude mit dem Betonwürfel haben, in dem sich das Büro des internationalen Bosnien-Beauftragten (OHR) befindet. Seinen positiven Blick auf die bosnische Hauptstadt dürfte das aber kaum trüben. Im Jahr 2000, als er wegen seines Einsatzes für die Stadt zum Ehrenbürger Sarajevos ernannt wurde, sprach Inzko von einer "großen Sehnsucht nach dieser Stadt, in der sich der Orient und die westliche Welt berühren".

Der mit der Mezzosopranistin Bernarda Fink verheiratete Kärntner Slowene ist ein unkonventioneller Diplomat. Die hoh(l)e Kunst der diplomatischen Förmlichkeit beherrscht er zwar auch, er gibt sich aber lieber jovial und pflegt das Zwischenmenschliche. Er gilt als profundester einheimischer Balkan-Kenner neben dem früheren Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch (1999-2002).

Diplomatische Stationen
Der promovierte Jurist und Absolvent der Diplomatischen Akademie in Wien war Presseattache an der österreichischen Botschaft in Belgrad (1982-86), Leiter einer Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im serbischen Moslem-Gebiet Sandschak (1992), Botschafter in Sarajevo (1996-99) und schließlich Leiter der Südosteuropa-Abteilung im Wiener Außenamt (1999-2005).

Diplomatische Erfahrungen sammelte Inzko auch im UNO-Entwicklungshilfebüro in der Mongolei (1974-78) und Sri Lanka (1978-80), an der österreichischen UNO-Vertretung in New York (1986-89) sowie als Vizechef der Presseabteilung des Wiener Außenamts (1989-90).

Ortstafel-Frage
Inzkos diplomatisches Geschick wurde in Ljubljana auf eine harte Probe gestellt, musste er doch als Kärntner Slowene die Versäumnisse der österreichischen Politik in der Ortstafel-Frage gegenüber der slowenischen Öffentlichkeit verteidigen. Er schaffte den Spagat, indem er unter anderem die "positive Rolle" lobte, die der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bei der Verwirklichung von Minderheitenrechten gespielt habe.
(apa/red)