Ein Fragen-Marathon im BAWAG-Prozess:
Richterin sieht Fragen teils als "Zumutung"

Gutachter Kleiner beantwortete diesmal 40 Fragen Der Staatsanwalt ortet "Verfahrensverzögerung"

Ein Fragen-Marathon im BAWAG-Prozess:
Richterin sieht Fragen teils als "Zumutung" © Bild: APA/Schlager

Auch am 85. Tag des BAWAG-Prozesses ging der "Fragen-Marathon" mit Gutachter Fritz Kleiner weiter: Etwa 40 Fragen der Anwälte von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner und von Wirtschaftsprüfer Robert Reiter wurden vom Sachverständigen beantwortet. Am Dienstag geht die "Fragestunde" mit dem Sachverständigen zu seinem bereits Mitte Jänner präsentierten Gutachten weiter. Am Tag darauf will Richterin Claudia Bandion-Ortner dann aus dem Akt verlesen, da Kleiner beim Auftakt des Herberstein-Prozesses in Graz sein wird.

Mit einem "dringlichen Ersuchen" versuchte Richterin Bandion-Ortner, die Fragen der Anwälte an den Gutachter zu begrenzen. "Das ist teilweise eine Zumutung, diese Fragen, wenn wir so weitermachen sitzen wir noch zwei, drei Monate da - ob das wirklich sinnvoll ist möchte ich dahingestellt lassen", sagte sie. Alleine der Anwalt von Elsner, Wolfgang Schubert, hatte vergangenen Mittwoch 76 neue Fragen an den Gutachter gestellt und weitere Fragen angekündigt.

Einspruch des Staatsanwaltes
Staatsanwalt Georg Krakow legte gegen einige der neuen Fragen "Einspruch" ein. Es handle sich teilweise um Fangfragen, andere Fragen könnten auf einige wenige reduziert werde. "Durch die Art der gewählten Fragenstellung tritt eine Verfahrensverzögerung ein", warnte der Vertreter der Anklage. "Der Sachverständige ist nicht dazu da, um eine Rätselrallye im Akt zu machen".

Abseits der Fragen und Antworten wurden heute die Angeklagten auch mit inhaltlichen Punkten konfrontiert. So bestritt Elsner brüsk die Relevanz des Berichts der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zu den Sondergeschäften der Bank mit Wolfgang Flöttl aus dem Jahr 1994. "Der Nationalbank-Bericht interessiert mich absolut nicht", verkündete Elsner. Für die Bank seien nur die Äußerungen des Finanzministeriums wichtig, die OeNB-Prüfer hätten ohnehin in ihrem Bericht "schwere Fehler" gemacht - ein Vorwurf, der von der Richterin nicht nachvollzogen werden konnte.

Vorstand in Bermuda
Eine Reise des mitangeklagten früheren BAWAG-Vorstands Peter Nakowitz nach Bermuda im Jahr 2001 wurde auch zum Thema: Die Richterin zeigte sich befremdet, dass Nakowitz bisher nichts über diese Reise erzählt habe. Es sei darum gegangen, die bereits 1999 eingetretenen Verluste aus dem Investment "Hapenny" für die Steuerabteilung der Bank zu bestätigen, verteidigte sich Nakowitz. Da sich für ihn aus den von Flöttls Mitarbeiter David Worsfold übermittelten Kontoauszügen nichts "Selbsterklärendes" ergeben habe, sei David Prance damit beauftragt worden, ein Verlust-Audit über den Hapenny-Bond zu erstellen.

Dass Prance jahrelang für Wolfgang Flöttl tätig war und dessen Angaben in dem "Verlust-Audit" bestätigte, störte die BAWAG damals anscheinend nicht. Prance wurde in einem Auftragsschreiben der BAWAG vom 23.11.2001 als "unabhängiger Fachmann" tituliert, der bestätigen solle, dass der verbleibende Wert von Hapenny bereits Null sei. Prance kam dem Ersuchen der BAWAG in einem Bericht vom 14.12.2001 nach. Prance "hält alles, was die BAWAG wollte, entsprechend fest. Dieser Bericht entspricht in keiner Weise einem unabhängigen Bericht über die Verlustentstehung Hapenny", heißt es dazu im Kleiner-Gutachten. Durch "Hapenny" gingen 250 Mio. Dollar verloren, die die BAWAG Flöttl anvertraut hatte. Flöttl sollte damit eigentlich das zuvor, im Jahr 1998 verlorene BAWAG-Geld zurückverdienen. Doch wieder verlor der Spekulant alles.
(apa/red)