Ein Eremit mit drei Meter langen Haaren:
Frankreich rätselt um verwahrlosten Mann

Franzose versteckte sich über 30 Jahre vor der Welt Feuerwehr findet Mann neben halbverwester Mutter

Ein Eremit mit drei Meter langen Haaren:
Frankreich rätselt um verwahrlosten Mann

Cap Martin ist ein malerischer Ort neben dem Fürstentum Monaco. Friedlich verbringen hier vor allem ältere, wohlhabende Menschen ihre Tage. Therese Pages war einer von ihnen. Ihre Leiche wurde am 7. Juli entdeckt. Die 76 Jahre alte Frau war in ihrem Sessel sitzend gestorben. Als die Feuerwehr von Nachbarn alarmiert nach dem Rechten schaute, machte sie eine unglaubliche Entdeckung.

Die Rentnerin lebte zusammen mit ihrem Sohn. Seit mehr als dreißig Jahren versteckte er sich in dem Haus, einige Schritte vom Mittelmeer entfernt, und lebte als Eremit. Völlig verwahrlost, mit drei Meter langen Haaren, in beklagenswertem hygienischen Zustand. Seit der Wahl von Giscard d'Estaing im Jahr 1974 hat Michel Pages die Sonne nicht mehr gesehen. Mit 17 Jahren beschloss der schüchterne Knabe, sich vor der Welt zu verschließen.

"Im Haus stank es bestialisch", schilderte der erste Feuerwehrmann, der das Haus nach dem Tod der Mutter betrat, seine Eindrücke. Er stieß auf einen abgemagerten Mann im T-Shirt, mit verdreckter Unterhose und Pantoffeln. Hinter ihm die tote Mutter, die Beine bereits im Verwesungszustand. "'Ihre Mutter ist tot', sagte ich zu ihm. Er antwortete: 'Ach ja? Heute morgen habe ich noch mit ihr gesprochen.'"

In psychiatrischer Klinik
Seit seiner Entdeckung schirmen die Behörden den Eremiten von der Öffentlichkeit ab, er wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Warum sein selbst gewähltes Schicksal nicht früher bekanntwurde, gibt weiter Rätsel auf. Nachbarn sahen den Mann gelegentlich, wenn er sich mitten in der Nacht in den Garten setzte. "An einem Tisch, ein Glas Wasser in der Hand", berichtete einer von ihnen. "Zu seinen Füßen lag ein Haufen Haare. Ich dachte, es wäre ein schlafender Hund. Aber es waren seine eigenen Haare." Wenn er die wenigen Schritte die Treppe in sein Zimmer hochlief, wo er sich von zwei Fernsehern berieseln ließ, musste er seine Mähne zusammenwickeln und in der Hand tragen.

"Ideale Nachbarin"
Seine Mutter wurde als "ideale Nachbarin" beschrieben. Freundlich, unauffällig. Besuch empfing sie nie. "Sie hat ihren Sohn verheimlicht", sagte Mireille Fasiolo vom Sozialamt der Stadt der Zeitung "Liberation". "Hätten wir von seiner Existenz gewusst, hätten wir uns um ihn gekümmert." Seit Michel Pages mit 14 Jahren die Schule verließ, ist er in Vergessenheit geraten. Der Vater, der vor mehreren Jahren starb, habe ihn oft von der Schule abgeholt, berichtete der Beamte.

Erhebliches Erbe
Die Verwandtschaft ist er jetzt wieder auf ihn aufmerksam geworden, berichtete Liberation. Der Grund: Es geht um ein nicht unerhebliches Erbe. Das zweistöckige Haus seiner Großeltern, in dessen Garten man das Rauschen des Mittelmeeres hört, ist rund 700.000 Euro wert. Zudem wird ein großes Barvermögen vermutet. Der Vater hatte einen hoch dotierten Job, und seine Frau und sein Sohn haben so gut wie kein Geld ausgegeben.
(apa/red)