Ein Diktatoren-Clan auf Shoppingtour:
Wo die Gaddafis ihre Milliarden bunkern

NEWS: Diktator trieb Ölpreis künstlich in die Höhe Wieso es schwer ist, den Cash des Clans einzufrieren

Ein Diktatoren-Clan auf Shoppingtour:
Wo die Gaddafis ihre Milliarden bunkern

Krisenzeit war Einkaufszeit für Libyens Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA), der 70 Milliarden Euro schwer ist und der Veranlagung der Ölgelder dient. Als 2009 etwa die Bank Austria-Mutter UniCredit krisenbedingt Geld brauchte, stockten die Libyer ihre Anteile auf sechs Prozent auf. Was folgte, waren Beteiligungen an Fiat, der italienischen Energiegesellschaft Eni, am Rüstungskonzern Finmeccanica, am britischen Verlag Pearson und auch am Fußballklub Juventus Turin. Der Einstieg beim österreichischen Ziegelhersteller Wienerberger fiel hingegen kleiner als erwartet aus.

„Doch die LIA ist nicht mehr als ein Vehikel für die Gaddafis, oder salopper formuliert: deren Geldmaschine“, behauptet Jeffrey, das Finanzgenie der Familie. Er muss es wissen, spekulierte er doch mit dem Geld der Familie an den Börsen, trieb mit den Einkünften aus dem Öl durch Short-Selling und Futures selbst den Barrel-Preis nach oben. „Wir machten High Frequency Trading und manipulierten indirekt die Börsenkurse. Am Ende bestimmten doch auch wir den Preis mit.“

Aber wenn es dem Gaddafi-Clan nun an den Kragen geht, was geschieht mit seinen Besitztümern? Erhebliche Vermögenswerte werden in Österreich vermutet. Die Nationalbank konnte anhand von Transaktionsdaten feststellen, dass aus Libyen rund 1,2 Milliarden Euro nach Österreich überwiesen wurden. Tatsächlich werden aber noch viel höhere Geldbeträge gesucht. Eine zweistellige Milliardensumme soll aus der Schweiz abgezogen worden und könnte in Österreich gelandet sein. Jetzt wird festgestellt, ob der Gaddafi-Clan auf dieses Milliardenvermögen Zugriff hat. Trifft dies zu, sind die 1,2 Milliarden Euro automatisch eingefroren. 26 Personen, Gaddafis Familienmitglieder und seine engsten Vertrauten, sind in der EU-Sanktionsliste aufgeführt.

Noch mehr libysche Gelder in Österreich?
Experten schlagen allerdings schon jetzt Alarm und warnen, dass die Liste nicht ausreicht. Es gibt dringende Forderungen, weitere Personen und vor allem Firmen sowie libysche Investmentvehikel auf die Sanktionsliste zu setzen.

Was mit dem eingefrorenen Geld passiert, hängt von der Anerkennung einer Nachfolgeregierung in Libyen ab. Diese müsste Anspruch auf die einzelnen Konten erheben und diesen mittels Gerichtsurteil durchsetzen. Eine Bank darf das Geld nicht einfach herausgeben, sondern muss höchste Sorgfalt walten lassen. Und im Fall, dass niemand das Geld abholt: Nach 30 Jahren verfallen die Ansprüche – und die Einlagen gehören der Bank.

Markus R. Leeb, Christoph Lehermayr

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Nr. 9/11!