Spionage von

Snowden ist ausgeflogen

US-Aufdecker verließ nun endlich den Moskauer Flughafen Scheremetjewo

Edward Snowden © Bild: Screenshot von guardian.co.uk

Russland hat dem wegen Geheimnisverrats von den Vereinigten Staaten gesuchten Ex-US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden vorläufiges Asyl gewährt. Snowden reiste am Donnerstag nach mehr als einem Monat im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo nach Russland ein. Er dürfe sich nun ein Jahr lang im Land aufhalten, sagte Snowdens russischer Anwalt Anatoli Kutscherena der Agentur Interfax zufolge.

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Der 30-jährige Snowden halte sich an einem sicheren Ort auf. "Er ist derzeit einer der meistgesuchten Menschen der Welt", sagte der als Kreml-nah bekannte Kutscherena.

Der US-Bürger Snowden war Ende Juni von Hongkong aus nach Moskau geflogen. Er enthüllte Spähprogramme der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste und wird deswegen von den Behörden seines Heimatlandes gesucht.

Diplomatische Komplikationen

Der Fall hat die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und den USA belastet. US-Justizminister Eric Holder hatte in der vergangenen Woche erklärt, Snowden drohten in seiner Heimat weder Todesstrafe noch Folter. Damit hatte der 30-Jährige in seinem Asylantrag argumentiert. Präsident Wladimir Putin hat mehrfach eine Auslieferung Snowdens ausgeschlossen. Er erklärte aber auch, das Verhältnis zu den USA wegen der Spionageaffäre nicht gefährden zu wollen. Deshalb könne Snowden nur dann Asyl in Russland erhalten, wenn er seinem Heimatland nicht mehr schade.

Ein hoher Mitarbeiter Putins sagte, die Beziehungen zu den USA würden unter diesem "relativ unbedeutenden" Fall Snowden nicht leiden. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass US-Präsident Obama seinen Besuch anlässlich des G-20-Gipfels in St. Petersburg Anfang September absagen werde.

Die US-kritischen Staaten Venezuela, Bolivien und Nicaragua haben dem Computerexperten im Juli Asyl angeboten. Allerdings gibt es zwischen Moskau und diesen Ländern keine Direktflüge. Snowden war außerdem besorgt, dass die US-Behörden seine Maschine abfangen könnten.

US-Warnung

Die USA haben andere Staaten gewarnt, dass die diplomatischen Beziehungen belastet würden, wenn sie dem Ex-Geheimdienstmitarbeiter Unterschlupf oder freies Geleit gewähren würden. Die Regierung kritisierte etwa die Hongkonger Behörden, weil sie die Ausreise Snowdens nicht verhinderten.

Der Fall führte auch zwischen anderen Staaten zu Spannungen. So musste die Maschine des bolivianischen Präsidenten Evo Morales in der Nacht von 2. auf 3. Juli in Wien zwischenlanden, weil ihm mehrere EU-Staaten eine Überfluggenehmigung verweigerten. Als Grund dafür wurden Gerüchte vermutet, dass sich Snowden an Bord befinden könnte. Die betroffenen Staaten, darunter Spanien, baten später für den Zwischenfall um Entschuldigung.

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