Economy Class von

Ein Prophet und das eigene Land

Esther Mitterstieler über den Ökonomen Ernst Fehr und sein Standing in Österreich

Esther Mitterstieler © Bild: News

Ein paar renommierte Zeitungen checken Jahr für Jahr, wer die wichtigsten Ökonomen im Land sind: die „Neue Zürcher Zeitung“ in der Schweiz, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in Deutschland und „Die Presse“ in Österreich. Analysiert wird in dem Ökonomen-Ranking nicht nur die wissenschaftliche Forschungsleistung, sondern explizit auch Medienpräsenz und Einfluss auf die Politik. Die Kooperation der Zeitungen zeigte erstaunliche Ergebnisse, besonders, was Österreich anbelangt.

Während der Österreicher Ernst Fehr in der Schweiz wie schon 2014 den ersten Rang erlangte und in Deutschland hinter Hans-Werner Sinn, dem Chef des Ifo-Instituts, Zweiter wurde, schaffte er in Österreich nicht einmal den Sprung unter die ersten 20.

Hier gewann Titelverteidiger Friedrich Schneider von der Universität Linz, auch bekannt als der „Pfusch“-Experte, vor Sinn und Marcel Fratzscher. Erst dann folgen Christian Keuschnigg von der Uni St. Gallen, Ex-Chef des Instituts für Höhere Studien in Wien, Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), und Stephan Schulmeister, ebenfalls vom Wifo. Rankings bilden einen Teil der Realität ab, zeigen aber auch, wie wahr das Sprichwort „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“ ist. Ernst Fehr lebt seit 20 Jahren in der Schweiz, in Wien scheint er vergessen zu sein, dabei ist er ein Schwergewicht in Ökonomenkreisen. Der Vorarlberger ist Experte für Verhaltensökonomie und hat im Vorjahr von der Schweizer Großbank UBS 100 Millionen Franken zur Unterstützung seiner Forschung am Lehrstuhl in Zürich erhalten – obwohl er die Banken auch kritisiert. News brachte im April als erstes österreichisches Medium seit Jahren ein Interview mit dem einflussreichen Ökonomen, in dem er auch darüber spricht, dass „Geld allein den Charakter nicht verdirbt“.

Kürzlich bekam der britische Armutsforscher Angus Deaton für seine Analysen von Konsum, Armut und Wohlfahrt den Wirtschaftsnobelpreis. Für diesen Preis gilt Fehr weiterhin als Kandidat. Vielleicht muss er ihn erst gewinnen, damit man ihn auch im kleinen Österreich wahrnimmt.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: mitterstieler.esther@news.at

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