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Die Kugel rollt und rollt ...

Casinos Austria © Bild: APA/ROBERT JAEGER

Das Spiel um die Macht bei den Casinos Austria (Casag) bekommt neue Dynamik: Die tschechische Sazka Group der beiden Milliardäre Karel Komárek und Jiří Šmejc plant, ihre Beteiligung am österreichischen Glücksspielkonzern um weitere vier Prozent auszubauen.

Derzeit hält sie 34,04 Prozent. Für die Aufstockung ist eine außerordentliche Hauptversammlung am 15. Mai vorgesehen. Bei dieser sollen die restlichen Casinos-Eigentümer dem Erwerb von Anteilen des Bankhauses Schelhammer &Schattera durch die Tschechen zustimmen.

Damit würde Sazka die Position als jetzt schon größter Anteilseigner an den Casinos Austria weiter stärken. Die Tschechen hätten 38,16 Prozent, die Republik Österreich 33,24 Prozent und der Glücksspielautomatenkonzern Novomatic 17,19 Prozent. Was für Sazka ein logischer Teil ihrer Investmentstrategie auch in Hinblick auf einen Börsengang ist, sehen die anderen wichtigen Eigentümer möglicherweise anders. Finanzminister Hartwig Löger etwa ist als Eigentümervertreter der Republik an einer gefestigten österreichischen Lösung interessiert. Schon allein, um das Headquarter der Casinos in Österreich und damit die sprudelnden Steuermillionen langfristig abzusichern. Er hat deshalb auch dem umstrittenen Plan von Casinos-Boss Alexander Labak, das Casag-Auslandsgeschäft zu verkaufen, kürzlich einen Riegel vorgeschoben. Labak wurde von den Tschechen inthronisiert. Novomatic-Chef Harald Neumann betont weiterhin, seine Anteile nicht verkaufen zu wollen. Dennoch könnte der Spielautomatenkonzern weiter das Zünglein an der Waage sein - und Labak soll sich erst jüngst mit Novomatic-Eigentümer Johann Graf getroffen haben. Will Löger also seine Position stärken, müsste er jene 5,31 Prozent, die Schelhammer &Schattera direkt an den Casinos besitzt und für die es ein Vorkaufsrecht gibt, erwerben und dafür Geld locker machen. Aber das dürfte eher schwierig sein. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Tschechen diese Anteile übernehmen wollen.

Zwar scheint für die Tschechen eine Mehrheit an den Casinos Austria momentan außer Reichweite, dennoch rühren sie intern kräftig um. So soll geplant sein, Came-Holding-Manager Martin Skopek als vierten Casag-Vorstand einzusetzen. Damit hätte Sazka ein Dirimierungsrecht und somit bei Stimmengleichheit im Vorstand das letzte Wort. Offen ist zudem, wie der künftige Casinos-Aufsichtsrat aussehen und ob der Vertrag des wegen seines Managementstils von der Belegschaft kritisierten Labak verlängert wird. Auch da bleibt es spannend, wohin die Kugel rollt.

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