Economy Class von

Anleger im Abseits

Economy Class - Anleger im Abseits

Schon mal Aktien gekauft? Nein? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft: Obwohl sich die Zinsen am Tiefpunkt befinden, sind die Österreicher nach wie vor ein Volk der Sparer und Aktienmuffel. Nur sechs Prozent besitzen Wertpapiere - viel weniger als im internationalen Vergleich.

Die Regierung will das ändern und hat in ihrem Arbeitsprogramm angekündigt, den heimischen Kapitalmarkt stärken zu wollen. Doch bislang ist davon nur wenig zu bemerken. ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger plant nun, die Wiener Börse auch für kleinere Unternehmen zu öffnen. Das soll mehr Firmen die Finanzierung über den Kapitalmarkt ermöglichen, diesem einen frischen Impuls geben und Anlegern ein größeres Angebot und die Chance auf neue Renditen eröffnen. Eine Win-win-Situation sozusagen.

Doch bis dahin wird es wohl noch dauern. Nicht nur weil die Opposition mit der Börse wenig anfangen kann. SPÖ-Budgetund Finanzsprecher Jan Krainer oder Bruno Rossmann von der Liste Pilz zum Beispiel fürchten Geldwäsche und Intransparenz, wenn am sogenannten dritten Markt künftig auch anonyme, leichter handelbare Inhaber-statt wie bisher nur Namensaktien zugelassen würden.

Dem Präsidenten des Anlegerinteressenverbands, Wilhelm Rasinger, dagegen geht Lögers Plan viel zu wenig weit. Um den Börsenplatz Wien tatsächlich attraktiver zu machen, brauche es viele weitere Schritte: Etwa einen höheren Gewinnfreibetrag und stärkere Anlegerrechte. Um die Diskussion nicht "den großen Playern am Finanzmarkt und der Industriellenvereinigung zu überlassen", hat Rasinger daher bei Regierungsmitgliedern brieflich um Gesprächstermine angefragt hat: Bei Löger, bei dessen FPÖ-Staatssekretär Hubert Fuchs, bei Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck sowie Justizminister Josef Moser. Zu Terminen ist es aber nur auf Kabinettsebene bei Moser und Löger gekommen; sonst gab es keine Reaktion.

Bislang habe bei den politisch Verantwortlichen in Sachen Kapitalmarkt vor allem Unwissen und Ignoranz dominiert, sagt der Anlegerschützer. Und auch jetzt gebe es zwar schöne Worte; Maßnahmen aber blieben aus. Ins Bild passt übrigens auch der Umstand, dass es seit 2014 keinen Kapitalmarktbeauftragten mehr gibt, nachdem der damalige ÖVP-Finanzminister Michael Spindelegger diese Stabsstelle gestrichen hat.

Dabei hätte die Wiener Börse schon allein deshalb mehr Potenzial, weil die Österreicher im Schnitt zehn Prozent ihres Einkommens für Veranlagungen zur Verfügung haben. Da sollten auch Aktien ihren Platz haben -aber dazu braucht es auch die entsprechenden Taten der Regierung. Nicht nur Lippenbekenntnisse.

Was meinen Sie?
Schreiben Sie mir bitte:

fritz.guenter@news.at