E.ON droht Bieterkampf um Endesa: Gas Natural stockt Übernahme-Angebot auf

Düsseldorfer Konzern bot bisher 29,1 Mrd. Euro Regierung in Madrid favorisiert Gas Natural

E.ON droht Bieterkampf um Endesa: Gas Natural stockt Übernahme-Angebot auf

Dem deutschen Energiekonzern E.ON droht bei der geplanten Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa ein milliardenschwerer Bieterkampf. Der spanische Konkurrent Gas Natural wolle die Offerte der Deutschen überbieten, berichtete die staatliche spanische Nachrichtenagentur EFE am Sonntag unter Berufung auf Finanzkreise.

Zur Aufstockung seines Angebots wolle Gas Natural seine Verschuldung bis zur Grenze des Erlaubten erhöhen. Das Unternehmen werde pro Endesa-Aktie 27,50 bis 28,00 Euro bieten und damit das E.ON-Angebot leicht übertreffen. Die Spanier, die in einem ersten Offert 21,30 Euro geboten hatten, werden ihr neues Angebot voraussichtlich am Dienstag bekannt geben, hieß es weiter.

Der Düsseldorfer E.ON-Konzern hatte je Endesa-Aktie 27,50 Euro geboten. E.ON will den größten spanischen Stromversorger für insgesamt 29,1 Mrd. Euro übernehmen und damit zum größten Energiekonzern der Welt aufsteigen.

Die Endesa-Führung hatte sich zuvor gegen einen Verkauf des Unternehmens ausgesprochen und die Aktionäre zur Ablehnung der Offerte von E.ON und Gas Natural aufgerufen. "Ich werde mich selbstverständlich keiner Übernahme anschließen", sagte Endesa-Präsident Manuel Pizarro am Samstag auf der Hauptversammlung in Madrid. Die Angebote entsprächen nicht dem Wert des Unternehmens.

Die in Barcelona ansässige Gas Natural wolle - anders als E.ON - die Endesa-Anteile nicht ausschließlich in Bargeld bezahlen, berichtete die Agentur EFE weiter. Das neue Offert sehe ebenso wie das erste Angebot vor, die Endesa-Anteile zu einem erheblichen Teil mit eigenen Aktien zu bezahlen.

Endesa pokert
Endesa-Präsident Pizarro hatte zuvor eingeräumt, das Angebot von E.ON sei besser als das von Gas Natural, zumal die Düsseldorfer vollständig in bar bezahlen wollten. Endesa sei jedoch mehr wert, betonte Pizarro. Die Übernahmeangebote seien der Beweis dafür, dass die bisherige Strategie des Unternehmens richtig gewesen sei.

Endesa bestritt zudem, dass die E.ON-Offerte bereits vor Wochen mit dem deutschen Konzern ausgehandelt worden sei. Zwar habe es mehrere Treffen mit dem E.ON-Management gegeben, sagte Endesa-Vizepräsident Rafael Miranda. Dabei sei es aber lediglich um die Möglichkeit eines Angebots gegangen. Verhandlungen oder Absprachen über die konkreten Bedingungen oder den Preis habe es nicht gegeben. "Dies haben wir erst erfahren, als die E.ON-Offerte am Dienstag publik gemacht wurde."

Der spanische Industrieminister José Montilla hatte die Madrider Börsenaufsicht (CNMV) aufgefordert zu prüfen, ob es zwischen Endesa und E.ON illegale Absprachen gegeben habe. Um die von der spanischen Regierung abgelehnte Übernahme zu verhindern, hatte das Kabinett am Freitag im Eilverfahren mehrere Gesetzesänderungen beschlossen. So wurde die staatliche Regulierungsbehörde (CNE) ermächtigt, das Angebot von E.ON zu überprüfen und gegebenenfalls zu stoppen. Bislang konnte die CNE (Nationale Energiekommission) nur bei Fusionen unter spanischen Unternehmen eingreifen. Überdies will die Regierung den Unternehmen die milliardenschweren indirekten Subventionen streichen, mit denen bislang die Differenz zwischen den Produktionskosten und den Strompreisen für die Verbraucher ausgeglichen wurden.

Die sozialistische Regierung will, dass Endesa in spanischer Hand bleibt und favorisiert daher das feindliche Offert von Gas Natural. "Wir lassen uns nicht in die Knie zwingen", sagte dazu Endesa-Vize Miranda auf der Hauptversammlung.

(apa)