E-Medikation von

Überwachung statt Hilfe?

Ärztekammer übt heftige Kritik am Projekt E-Medikation

E-Medikation - Überwachung statt Hilfe?

Die Verhandlungen über das Projekt E-Medikation gehen zwar weiter, aber die Skepsis bleibt: Ärztekammer-Präsident Walter Dorner kritisiert vor allem den fehlenden Datenschutz, die Handhabung der Software und die allumfassende Überwachung durch das neue System.

Mitte September soll es dennoch ein Spitzengespräch mit dem Hauptverband und dem Gesundheitsministerium geben, sagte Dorner bei einem Hintergrundgespräch. Dabei solle geklärt werden, ob das Projekt nach den Anlaufschwierigkeiten wieder in Gang gebracht werden könne. Wenn die Gegenseite allerdings nicht auf die Bedenken der Ärzte eingehe und es bei diesem Gespräch keine Bewegung gebe, werde man am Stopp des Projekts festhalten, so Dorner.

Kritik an dem GesamtProjekt "ELGA"
Der Ärztekammer-Präsident bekräftigte seine Kritik sowohl an der E-Medikation als auch am gesamten Projekt elektronische Gesundheitsakte (ELGA), von dem die E-Medikation ein Teil ist. Auch der Hauptverband bekam sein Fett ab. Diesem warf Dorner vor, wie ein "Big Brother" alles kontrollieren zu wollen und mit der E-Medikation, wie sie jetzt geplant sei, "über die Hintertür eine Staatsmedizin einführen zu wollen". Es könne aber nicht sein, "dass Computer den Menschen behandeln", die E-Medikation solle nur ein Hilfsmittel sein. Dorner berichtet von Fällen, in denen Ärzte kein Rezept ausstellen konnten, weil das System der Meinung war, dass der Patient das zuvor verschriebene Medikament zu schnell verbraucht habe.

Schlechte Umsetzung am Computer
Mit der E-Medikation werden verschriebene Medikamente elektronisch erfasst, um Wechselwirkungen und Mehrfachverordnungen zu verhindern. Die Ärztekammer stößt sich unter anderem daran, dass die Vergabe der E-Medikations-Software nicht ausgeschrieben worden war. Weiters wird die Handhabung der Software als zu umständlich und zeitraubend kritisiert. Angesichts der bisherigen Polit-Erfahrungen rechnet die Ärztekammer bei ELGA mit einem zusätzlichen Zeitaufwand von zwei Wochen im Jahr pro Arzt. Das Projekt sei überhaupt ein Beispiel dafür, wie man eine "vielleicht gute Idee" nicht umsetze.

Dorner warf der Politik vor, mit dem ganzen ELGA-Projekt zu voreilig zu sein, um sich vor Brüssel als "Musterknabe" zu geben. Der Ärztekammer-Präsident vermutet zudem wirtschaftliche Interessen hinter dieser Eile. Untersuchungen, wonach sich ein großer Teil der Bevölkerung für die E-Medikation ausspricht, wies Dorner als "Gefälligkeitsumfragen" zurück.

Patienten werden zur Teilnahme gezwungen
Außerdem bemängeln die Ärzte, dass alle in das ELGA-System gezwungen werden und man erst nachträglich die Teilnehme verweigern kann. Sie wünschen sich stattdessen eine freiwillige Teilnahme. Abgelehnt wird auch die vorgesehene "Blanko-Verordnungsermächtigung", wonach der Gesundheitsminister in der Theorie jedem die Erlaubnis erteilen könne, auf ELGA zuzugreifen. Gegen diese Punkte kündigte Dorner "erbitterten Widerstand" an.

Projekt würde 160 Mio. Euro verschlingen
Besorgt ist die Ärztekammer auch, was den Datenschutz betrifft angesichts der steigenden Internetkriminalität. Er würde daher seinen Patienten davon abraten, so Dorner. Auch die Kosten für das Projekt werden kritisiert, für die Ärzte würden alleine 100 Mio. Euro an Investitionskosten und weitere 60 Mio. Euro an Betriebskosten anfallen.