Dutzende Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul: Bombe riss Fahrzeug auseinander

Explosion fordert zumindest 27 Tote & 21 Verwundete Der genaue Tathergang blieb zunächst unklar

Dutzende Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul: Bombe riss Fahrzeug auseinander

Bei dem schwersten Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul seit dem Sturz der Taliban sind mindestens 28 einheimische Soldaten und zwei Zivilisten getötet worden. Etwa 30 weitere Armeeangehörige erlitten teils schwere Verletzungen, wie das Militär am Samstag mitteilte. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag auf den Armeebus. Präsident Hamid Karzai sprach von einer feigen Tat, die sich gegen das afghanische Volk und den Islam richte.

Der Selbstmordattentäter hatte sich nach offiziellen Angaben in einer Armeeuniform getarnt, um sich ungemerkt unter die Soldaten zu mischen. "Die Explosion ereignete sich, kurz nachdem eine Gruppe afghanischer Soldaten den Bus betreten hatte", berichtete Augenzeuge Mohammed Saher, der durch umherfliegende Splitter am Kopf verletzt wurde. Die Detonation riss den Bus in zwei Hälften. Überall um den Tatort herum zersprangen Fensterscheiben.

Anwohner halfen der Polizei, Körperteile vom Boden aufzusammeln und in Plastiksäcke zu stecken. Polizisten und Soldaten stapelten die Leichen auf Armeelastwagen. Am Straßenrand suchte ein weinender Bub verzweifelt seinen Vater, der unweit der Explosion Zigaretten verkauft hatte.

"Dies war ein Akt extremer Feigheit", erklärte Karzai. "Wer das getan hat, der richtet sich ohne Zweifel gegen das Volk, gegen die Menschlichkeit und ganz gewiss gegen den Islam." Die Regierung verurteile die Tat mit aller Schärfe. Der Anschlag zeige, dass der Kampf gegen den Terrorismus mit noch mehr Kraft fortgesetzt werden müsse, forderte Karzai.

Die mit Hilfe ausländischer Truppen gestürzten Taliban haben angesichts schwerer Verluste bei Gefechten im vergangenen Jahr ihre Strategie geändert. Statt größerer Angriffe auf NATO-Truppen und afghanische Soldaten setzen die Aufständischen nun verstärkt auf Selbstmordanschläge und Sprengfallen.

Im Juni hatte ein Selbstmordattentäter bei einem ähnlichen Anschlag in der afghanischen Hauptstadt 35 Menschen in einem Polizeibus in den Tod gerissen. Die radikalislamischen Taliban haben in diesem Jahr bereits mehr als 100 Selbstmordattentate verübt.

(apa/red)