Durchlässigkeit des Schulsystems fraglich:
Nur 30% der Hauptschüler wechseln in AHS

Aber 90% der AHS-Unterstufler wählen höhere Schule Keine großen Unterschiede im Bundesländervergleich

Durchlässigkeit des Schulsystems fraglich:
Nur 30% der Hauptschüler wechseln in AHS © Bild: APA/Gindl

Die oft zitierte Durchlässigkeit des österreichischen Schulsystems ist offenbar nur eingeschränkt gegeben. Während 90 Prozent aller Schüler der AHS-Unterstufe nach der achten Schulstufe an eine höhere Schule gehen, wechselt nur rund ein Drittel der Hauptschüler in eine zur Matura führende Schule. Dies zeigen neue Daten der Statistik Austria für das Schuljahr 2006/07.

Schüler der AHS-Unterstufe müssen sich nach der achten Schulstufe zumindest vom Ausbildungsweg her kaum Sorgen über den Erwerb einer Matura machen: 61 Prozent verbleiben an einer AHS, 30 Prozent wechseln an eine berufsbildende höhere Schule (BHS, inkl. Bildungsanstalten für Kindergarten- bzw. Sozialpädagogik). Etwas mehr als fünf Prozent treten in gar keine weiterführende Schule über - entweder wiederholen sie die achte Schulstufe, brechen die Schule ab oder ziehen ins Ausland. Die restlichen fünf Prozent verteilen sich auf berufsbildende mittlere Schulen (BMS) und Polytechnische Schulen.

Ganz anders sieht es dagegen bei den Hauptschülern aus: Von ihnen wechseln nur sechs Prozent an eine AHS, 28 Prozent gehen in eine BHS - damit ist in der neunten Schulstufe nur ein Drittel der Hauptschul-Abgänger in einer Schule, die zur Matura führt. 28 Prozent gehen in eine Polytechnische Schule, 21 Prozent in eine BMS, acht Prozent in eine Berufsschule. Die restlichen neun Prozent wiederholen die achte Schulstufe, brechen ab oder ziehen ins Ausland.

Im Bundesländervergleich zeigen sich keine allzu großen Unterschiede. Hauptschulabgänger in Wien bleiben aber häufiger ohne Übertritt in eine weiterführende Schule (17,1 Prozent) als im Österreich-Schnitt (8,7 Prozent) - umgekehrt wechseln sie seltener in eine BHS (18,1 Prozent in Wien gegenüber 26,3 Prozent im Österreich-Schnitt). Ansonsten liegt die Bundeshauptstadt bei den meisten Werten in etwa im Österreich-Schnitt, was insofern verwundert, als in Wien nach der Volksschule 52 Prozent der Kinder in eine AHS-Unterstufe wechseln, in den anderen Bundesländern dagegen nur zwischen 22 (Vorarlberg) und 32 Prozent (Kärnten).

Der immer wieder erwähnte Umstand, dass rund 50 Prozent der Maturanten über eine Hauptschule zur Reifeprüfung gekommen sind, relativiert sich damit ein wenig: Nach der Volksschule wechseln nämlich zwei Drittel der Schüler in eine Hauptschule - von denen fünf Jahre später wiederum nur ein Drittel in eine höhere Schule geht. Jenes Drittel der Volksschüler, das in eine AHS-Unterstufe wechselt, findet sich fünf Jahre später dagegen fast vollzählig in einer zur Matura führenden Schule. (apa/red)