DOPING von

"Ich will Gerechtigkeit"

Johannes Dürr © Bild: APA/ ROLAND SCHLAGER

Der Langläufer Johannes Dürr hat seine zweijährige Dopingsperre verbüßt, doch der ÖSV verweigert ihm eine Rennlizenz. Jetzt klagt der Sportler den Verband

Bald wird er wieder um vier Uhr Früh seine Bahnen ziehen, über schneebedeckte Wiesen und durch verschneite Wälder, und er wird sich über den Trottel ärgern, der am Abend davor seine Spuren kreuz und quer über die frisch planierte Loipe gezogen hat. Diese sind über Nacht vereist und stören seinen Lauf. Der Trottel, das weiß Johannes Dürr, ist er selbst. Zweimal am Tag trainiert der Langläufer im Winter in Seefeld, einmal frühmorgens, einmal spätabends. Immer ist es dunkel, stets ist er allein. Bei Tageslicht arbeitet er acht Stunden als Prüfer beim Zoll. Seit Dürr im Februar 2014 bei den Olympischen Spielen in Sotschi des Dopings überführt wurde und man ihn daraufh in aus dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) ausschloss, sichert ihm kein Fördersystem das Einkommen, kein Trainer betreut ihn, kein Sportlerkollege misst sich mit ihm. Seine Skier präpariert er selbst.

Als Dopingsünder verlor er nicht nur seinen guten Ruf, er verlor auch die Rennlizenz des internationalen Skiverbands Fis. Bei Weltcuprennen darf er daher nicht antreten, nicht einmal bei einer Landesmeisterschaft. Seit Ablauf der Zweijahressperre im Februar dieses Jahres nimmt er zwar an Volksläufen teil, doch sein Startplatz befindet sich hinten im Pulk der Hobbyläufer. Die Strafe hat er abgesessen, der ÖSV verweigert ihm dennoch die Fis-Lizenz. Wie News in Erfahrung brachte, hat Dürr den Verband deswegen jetzt geklagt (alle Fakten siehe Seite 40)."Stimmt", bestätigt der 29-jährige Langläufer aus Göstling an der Ybbs. "Ich will Gerechtigkeit."

Der Sünder büßt

Rückblick: 17 Medaillen holten die österreichischen Wintersportler in Sotschi 2014, vier davon in Gold. Am letzten Wettkampftag schien durch Dürr noch eine Topplatzierung möglich. Als Jugendlicher Weltspitze, hatte der Langläufer in den vergangenen Jahren gute, wenn auch nicht überragende Leistungen erbracht; im Jahr vor den Spielen aber gelang ihm mit Platz drei bei der Tour de Ski der Anschluss an die Weltspitze. Das erste Olympiarennen über zweimal 15 Kilometer beendete Dürr als Achter, das Rennen über 50 Kilometer Skating sollte seine Paradevorstellung werden. In der Nacht davor aber wurde erst der Athlet und bald darauf die gesamte Sportwelt von einem positiven Dopingtest informiert. Bei einer Trainingskontrolle in der Heimat wurde ihm die Einnahme des verbotenen Blutdopinghormons Erythropoetin (Epo) nachgewiesen.

Die ÖSV-Verantwortlichen reagierten schockiert und gingen auf Distanz. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel titulierte Dürr als Betrüger, Langlauf-Rennsportdirektor Markus Gandler plädierte für eine schwere Bestrafung. Schon bei den Spielen in Salt Lake City 2002 und Turin 2006 hatten österreichische Langläufer und Biathleten wegen der Verwendung unerlaubter Methoden für Dopingskandale gesorgt, Schröcksnadel überlegte gar, die betroffenen Sportarten aus dem ÖSV auszuschließen. Dürr stand für den erfolgreichen Wiederaufbau nach der Krise. Nun war er es, der den Langlaufsport wieder hineinstieß.

»Die Befindlichkeiten einer einzigen Person entscheiden über meine sportliche Existenz«

Noch bevor er in Russland den Flieger in die Heimat bestieg, legte Dürr ein öffentliches Geständnis ab. "Ich wusste, was ich getan habe. Ich kann das nicht mehr gutmachen. Es ist das Schlimmste, was ich in meinem Leben gemacht habe", sagte er in einem ORF-Interview. "Was jetzt auf mich zukommt, weiß ich selber noch nicht genau." Bei der Polizei packte er aus, wie der damalige Pressesprecher des Bundeskriminalamts, Mario Hejl, bestätigte: "Er ist kooperativ, die Ermittlungen bezüglich Hintermännern sind im Gang." 45.000 Euro zahlte er im Laufe der vergangenen zweieinhalb Jahre zurück: Preis-und Sponsorengelder, die er refundieren musste, eine Strafe des Österreichischen Olympischen Comités sowie Anwaltskosten. Ein Auto kann er sich erst seit Kurzem wieder leisten, seine Ehe zerbrach, den kleinen Sohn sieht er alle zwei Wochen. Das Erlebte zeichnet er auf, um es mit dem Schriftsteller Martin Prinz in einem Buch zu verarbeiten, das 2018 erscheinen soll.

WM 2019 als Ziel

Die Kommunikation mit dem Skiverband lief, zumindest aus Sicht des Sportlers, schlecht. Noch im Frühling dieses Jahres, sagt Dürr, sei ihm der Erhalt der Lizenz in Aussicht gestellt worden, sofern er gewisse Bedingungen erfülle. "Ich sollte mich in der Dopingprävention engagieren. Das habe ich getan, ich bin bei zwei Podiumsdiskussionen aufgetreten, mache bei einer Studie für Dopingprävention mit."

Anfang Juli erhielt er schriftlich den Beschluss des ÖSV, wonach ihm die Fis-Lizenz nicht ausgestellt werde. "Jeder x-Beliebige kann beim ÖSV Mitglied sein, solange er seine Beiträge zahlt", sagt Dürr. "Nur ich nicht, weil der Präsident dagegen ist. Die Befindlichkeiten einer einzigen Person entscheiden also über meine sportliche Existenz." Schröcksnadel habe bis heute nur einmal mit ihm geredet, 2014 am Flughafen von Sotschi - vor dem Dopingtest.

Der Langläufer rechnet fest damit, dass er die Fis-Lizenz dank der Klage erhalten wird. Was dann? Konkrete Pläne habe er nicht. "Aber ich will wieder selbst entscheiden können, bei welchen Rennen ich starte", sagt er. "Und ich will auch, dass das alles ein Ende hat. Ich habe meine Strafe schließlich verbüßt." In das System ÖSV will Dürr nicht zurück. Mithilfe von Sponsoren ein eigenes kleines Trainingsteam aufzubauen, wäre eine Option, ein mögliches Ziel sei die Langlauf-WM 2019. Die Wettkämpfe finden in Seefeld statt, also genau dort, wo Johannes Dürr bald wieder im Dunkeln seine Bahnen zieht.

Weiterlesen: Das längste Rennen der Welt - Johannes Dürr kämpft sich zurück in den Spitzensport

Kommentare

strizzi1949

Was ist der ÖSV nur für ein Ars......chverein! Pfui Teubel! Jeder normale Straftäter bekommt eine 2te Chance, nachdem er seine Strafe abgesessen hat! Diese selbstgefälligen Speckbäuche gehören alle sofort abgesetzt! Wer braucht die? Was haben die bisher geleistet? Diese Vereinsmeierei gehört in Österreich endlich abgeschafft!

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