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Olympia: Langläufer Dürr gab positiven Dopingtest ab

ÖOC schockiert. Medaillenhoffnung am 16. Februar in Österreich mit EPO erwischt.

OLYMPISCHE WINTERSPIELE SOTSCHI 2014: LANGLAUF SKIATHLON HERREN / D†RR (AUT) © Bild: APA/Schlager

Die letzten Gäste nach nächtlicher Medaillenparty waren erst vor wenigen Stunden gegangen und der Boden gerade gekehrt, als sich ÖOC-Präsident Karl Stoss in weißem Hemd und dunklem Sakko im Austria Tirol House "tief erschüttert" zum Dopingfall des Langläufers Johannes Dürr äußerte. Dieser hatte seinen EPO-Fehltritt sofort zugegeben, eine Öffnung der B-Probe war somit nicht notwendig.

Mit aller Härte hat der Österreichische Skiverband (ÖSV) noch am Sonntag auf das Dopingvergehen von Langläufer Johannes Dürr während der Olympische Spiele reagiert. In einer Aussendung teilte der ÖSV mit, dass der Sportler aus dem Verband ausgeschlossen wird.

Doping kostet Dürr seine Karriere

Damit muss über die Länge einer Doping-Sperre gar nicht mehr diskutiert werden, denn ein Ausschluss aus dem Verband ist praktisch mit dem Karriere-Ende gleichzusetzen.

Nach den nachhaltigen Affären 2002 in Turin und 2006 in Salt Lake City hat Österreich den nächsten Dopingskandal. Gerade hatte der Österreichische Skiverband (ÖSV) einen Neustart gewagt und hätte mit Dürr auch einen Medaillenanwärter im abschließenden 50-km-Rennen gestellt. "Ein Paukenschlag, der uns wie eine Keule getroffen hat. Wir sind zutiefst enttäuscht und erschüttert. Diese Betrügereien hätten wir nie in unseren Reihen erwartet", sagte Stoss.

ÖOC-Präsident Karl Stoss
© APA/HANS KLAUS TECHT Karl Stoss während der Prssekonferenz

Das ÖOC hatte die Nachricht vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) kurz nach Mitternacht erhalten, als die Party im Österreich-Haus, in dem u.a. die Goldmedaillengewinner Julia Dujmovits (Snowboard-Parallel-Slalom) und Mario Matt (Alpin-Slalom) feierten, voll im Gange war. Als ÖOC-Ärzteteam-Leiter Wolfgang Schobersberger Langläufer Dürr "zur Rede stellte", wie Stoss es nannte, habe dieser seine Verfehlung sofort zugegeben.

Dürr von Olympia-Mannschaft ausgeschlossen

Dürr, Achter im Olympia-Skiathlon am 9. Februar, wurde von der österreichischen Olympia-Mannschaft ausgeschlossen und musste zu nächtlicher Stunde das Olympische Dorf sofort verlassen. "Wir wollten, dass er sofort hier verschwindet. Diese Konsequenz vonseiten des Österreichischen Olympischen Komitees sofort erlebt und wahrnimmt und deshalb auch heute Früh abgereist ist", erklärte Stoss, der sich fühlte, wie von "180 auf 0" runtergefahren.

"Schlimmste, was ich in meinem Leben gemacht habe"

Gegenüber dem ORF-Fernsehen sagte Dürr vor seiner eiligst organisierten Abreise auf dem Flughafen in Sotschi, dass ihm nichts anderes übrig bleibe, als sich bei allen zu entschuldigen. "So viele Leute haben sich den Arsch für mich aufgerissen und ich habe sie enttäuscht mit meiner Blödheit." Er habe "mit Sicherheit" den falschen Leuten vertraut. "Es ist in jeglicher Hinsicht das Schlimmste, was ich in meinem Leben gemacht habe."

"Ich bin ein Einzeltäter"

Dürr hatte gegenüber dem ÖOC erklärt, dass er allein gehandelt und sich das EPO selbst zugeführt habe. "Er hat sofort gesagt: 'Ich bin ein Einzeltäter, es ist niemand anderer involviert'", sagte Stoss. Markus Gandler, der Sportliche Leiter für Biathlon und Langlauf, sei ob der Nachricht "total erschüttert" gewesen. "Ihn hat es wahrscheinlich am allerschwersten getroffen. Er hat versucht, den Langlaufsport wieder nach vorne zu bringen. Für ihn ist eine Welt zusammengebrochen."

Was dieser neuerliche Skandal für den österreichischen Langlaufsport bedeuten könnte, darüber wollte der ÖOC-Präsident nicht mutmaßen. Aber er schließt aus, dass es - auch angesichts der Tatsache, dass zum dritten Mal seit Winterspielen 2002 auch Österreicher für Skandale im Langlauf gesorgt haben - Konsequenzen durch das IOC geben wird. "Ich glaube nicht. Vonseiten des IOC ist es wichtig, dass wir sofort die richtigen Konsequenzen gesetzt haben. Die Konsequenzen für den Langlaufsport in Österreich obliegen dem ÖSV, nicht dem ÖOC."

Teamkollege Tritscher "schockiert"

Teamkollege Bernhard Tritscher hat sich am Sonntag nach dem Olympia-Marathon der Langläufer von seinem gedopten Zimmerkollegen Johannes Dürr enttäuscht gezeigt. "Menschlich ist er voll in Ordnung, deshalb schockiert es mich noch mehr, dass so etwas passiert, gleich neben mir, aber was soll ich machen", erklärte der Salzburger, nachdem er über 50 km Skating auf Rang 24 gelaufen war.

Am Vorabend sei Dürr plötzlich aus der Unterkunft weg gewesen. Teamchef Markus Gandler haben ihn dann in den Nachtstunden über die Sachlage informiert. "Ich war sehr schockiert und sehr enttäuscht vom Joe", sagte Tritscher. Auch er selbst war am Samstagabend noch einmal kontrolliert worden. "Das ist aber eh normal oft vor einem Rennen", erinnerte der Olympia-Siebente im Sprint. "Das war aber gestern um 18.00 Uhr am Abend, also nicht mitten in der Nacht." Seine Rennvorbereitung hätte eher die nächtliche Aufregung um seinen Zimmerkollegen und Freund beeinträchtigt. "Ab diesem Zeitpunkt war ich putzmunter und habe viel nachgedacht."

Positiv auf ein EPO-Präparat getestet

Johannes Dürr war am 16. Februar bei einer Trainingskontrolle in Österreich positiv auf ein EPO-Präparat getestet worden. Zuvor hatte der Sportler laut Stoss 14 Proben negativ absolviert. "Aber es kann das Netz nicht so engmaschig sein, dass es nicht trotzdem Menschen gibt, die es schaffen, zu betrügen", erläuterte Stoss. "Wir haben gedacht, jetzt haben wir das endlich im Griff. Acht Jahre lang nichts, was ja auch eine lange Periode ist."

Dürr ist der fünfte positive Dopingtest dieser Winterspiele. Bei der deutschen Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle ist das Stimulanzmittel Methylhexanamin festgestellt worden. Dem lettischen Eishockey-Spieler Vitalijs Pavlovs war diese Substanz ebenfalls zum Verhängnis geworden.

Außerdem waren noch der italienische Bobfahrer William Frullani auf das Stimulanzmittel Dymethylpentylamin, eine Untergruppe des vielen Nahrungsergänzungsmitteln illegal zugesetzten Methylhexanamins, und die ukrainische Skilangläuferin Marina Lisogor auf die verbotene Substanz Trimetazidin positiv.

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