Duell um Graz: Deutsche ECE und Leiner wollen mit Shoppingcenter Spar angreifen

FORMAT: Am Bahnhof soll neues Center entstehen Spar-Miteigentümer betreibt in Nähe eigenes Haus

Duell um Graz: Deutsche ECE und Leiner wollen mit Shoppingcenter Spar angreifen

Mit dem Antritt der deutschen ECE tobt in Graz eine Schlacht der Handelsbranche. Sogar das Rathaus soll ein Einkaufszentrum werden. Vergangenen Dienstag bekam Joseph Schnedlitz, Chef des Grazer Handelsmarketings, hohen Besuch. Eine Delegation von Europas größtem Einkaufszentrenentwickler, der deutschen ECE, präsentierte ihm die druckfrischen Pläne für das von ihnen geplante Einkaufscenter beim Grazer Bahnhof, die so genannte StadtGalerie. Schnedlitz: "Die ECE-Leute agieren sehr professionell. Das Konzept hat Hand und Fuß."

Allerdings sorgt das Projekt StadtGalerie in der grünen Mark auch für kontroversielle Diskussionen. Zum einen gibt es eine Flächenexplosion bei Einkaufszentren wie in keiner Landeshauptstadt Österreichs, und zum zweiten kommen sich zwei Handelsgiganten ins Gehege. Herbert Koch, Chef des Einrichtungshauses Kika/Leiner und mit 20.000 Quadratmetern Miteigentümer der 55.000 Quadratmeter großen ECE-StadtGalerie, sieht das Vorhaben positiv: "Das Einkaufszentrum wird sicher ein Publikumsmagnet, das auch die Geschäfte in der angrenzenden Annenstraße wieder beleben wird."

Konkurrent Citypark in unmittelbarer Nähe
Gegenteiliger Meinung ist Kochs Einkaufszentrenkonkurrent Fritz Poppmeier, dessen Familie auch Miteigentümer des Handelsgiganten Spar ist, mit 35 Häusern Österreichs größter Einkaufszentrenbetreiber. Der Grazer Poppmeier-Clan betreibt nur einen Steinwurf von der ECE-StadtGalerie entfernt das Shoppingcenter CityPark (Bild oben links) und errichtet gerade einen weiteren Einkaufstempel namens Murpark. "Das ist eine echte Kampfansage für die Händler in der Innenstadt", äußert er seinen Unmut.

ECE europäischer Marktführer
Gigant ECE mischt die österreichische Handelslandschaft auf. Gegen die ECE, eine Schwesterfirma des Versandhauskonzerns Otto, wird auch Spar wenig ausrichten können. Die ECE entwickelt, plant und realisiert seit 1965 Einkaufsgalerien und ist auf diesem Gebiet europäischer Marktführer. In insgesamt 82 ECE-Centern erwirtschaften 7.900 Geschäfte auf einer Verkaufsfläche von 2,4 Millionen Quadratmetern einen Jahresumsatz von knapp 10 Milliarden Euro. In Europa sind derzeit dreizehn weitere Projekte geplant, drei davon in Österreich. In Innsbruck ist die ECE mit 25 Prozent am Einkaufszentrum DEZ beteiligt, in den Cityarkaden von Klagenfurt hat die ECE Anfang April auf 27.000 Quadratmetern eröffnet.

200 Millionen Euro Investition
In Graz investieren ECE und Leiner satte 200 Millionen Euro in die StadtGalerie, die 2009 eröffnet werden soll. Leiner-Chef Koch, der sich zu den bestehenden Flächen jene von C&A dazugekauft hat, wird auf 20.000 Quadratmetern Möbel und Wohnaccessoires verkaufen. Der ECE bleiben weitere 35.000 Quadratmeter zur Vermietung. Zu den Mietern der Hamburger ECE zählen gemeinhin Handelskaliber mit starker Sogwirkung wie etwa das Modehaus Peek & Cloppenburg, das schon lange einen Standort in Graz sucht. "Es kommt die Crème de la Crème des Handels", ist Schnedlitz überzeugt.

"Die Crème de la Crème des Handels" kommt nach Graz
Harter Verdrängungswettbewerb, Hunderte Leerstehungen. Keine guten Aussichten für konkurrierende Grazer Kaufleute. Schon jetzt buhlen mehr große Einkaufszentren als in allen anderen Landeshauptstädten um die Gunst der Kunden - an vorderster Front steht das in der Nachbargemeinde angesiedelte Megacenter Seiersberg. Auf einen Grazer kommen 2,4 Quadratmeter Verkaufsfläche im Einzelhandel, doppelt so viel wie in der Bundeshauptstadt Wien. Die Folge: Es gibt jetzt in Graz laut einer Untersuchung der Donauuniversität Krems schon 453 Leerstehungen.

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