Druck auf Palästinenser steigt: USA & UNO fordern Freilassung des entführten Soldaten

UN-Generalsekretär Annan: "Ernster Augenblick" Israels Armee zieht mit Panzern an Gaza-Grenze

Nach der Entführung eines israelischen Soldaten in den Gazastreifen wächst der internationale Druck auf die Palästinenser. Die US-Regierung und die Vereinten Nationen forderten die sofortige Freilassung des Soldaten und äußerten zugleich Besorgnis über eine weitere Eskalation.

US-Außenministerin Condoleezza Rice telefonierte mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas. Abbas habe versichert, dass auch er die Freilassung des verschleppten Soldaten wolle, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack. Rice habe klar gemacht, dass die Palästinenserführung alle gewaltsamen Aktionen stoppen müsse.

UN-Generalsekretär "alarmiert"
UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich bestürzt über die Zuspitzung der Gewalt im Gazastreifen. Alle Parteien müssten in diesem "ernsten Augenblick" alle Möglichkeiten ausschöpfen, um eine "weitere Eskalation" zu vermeiden, sagte Annans Sprecher am Montag. Der UN-Generalsekretär sei "alarmiert". Er verfolge die Entwicklung der jüngsten Ereignisse sehr genau. Vor allem sei er beunruhigt über den Angriff militanter Palästinenser durch einen Tunnel auf israelisches Gebiet, bei dem der Soldat entführt und zwei andere israelische Soldaten ums Leben kamen.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert schloss einen Gefangenenaustausch, wie ihn die Entführer gefordert haben, aus. Um für eine Bodenoffensive vorbereitet zu sein, ließ die israelische Armee am Rande des Gazastreifens Truppen aufmarschieren. Zeitgleich liefen diplomatische Bemühungen für eine Freilassung.

Unterdessen gab es kein Anzeichen für eine Entspannung der Lage. Am Abend schlug in der israelischen Kleinstadt Sderot eine palästinensische Kurzstreckenrakete ein. Nach Angaben israelischer Medien wurden mehrere Menschen leicht verletzt. Die Rakete habe einen Strommast getroffen und die Stromversorgung unterbrochen. Vor dem Haus des in der Ortschaft wohnenden Verteidigungsministers Amir Perez hätten sich Einwohner zu einem spontanen Protest versammelt.

Im Westjordanland will eine militante Palästinensergruppe einen weiteren Israeli verschleppt haben. Die "Volkswiderstandskomitees" teilten ohne weitere Angaben mit, sie hätten einen jüdischen Siedler in ihre Gewalt gebracht. Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, es lägen keine entsprechenden Geheimdienstinformationen vor, keine Familie habe ein Mitglied als vermisst gemeldet.

Israels Armee zieht mit Panzern an Gaza-Grenze
Zwei Tage nach der Entführung des Soldaten durch palästinensische Extremisten ist Israels Armee mit dutzenden Panzern an der Grenze zum Gazastreifen aufgezogen. Die Truppen waren laut Agenturberichten Dienstag früh in der Nähe des Kibbuz Nahal Oz nur wenige hundert Meter von palästinensischem Boden stationiert.

Reservegeneral Amos Gilad, ein ranghoher Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, sagte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Israel habe beschlossen, "politischen und militärischen Druck anzuwenden", um den verschleppten Soldaten wieder freizubekommen. "Wir haben alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um jeden Moment handeln zu können."

Der Militärrundfunk berichtete, an der Grenze stünden zwei Infanterie-Regimenter und zwei Panzerbataillone bereit. Aus Sorge um das Leben des Entführten habe die Armeespitze noch nicht den Grenzübertritt befohlen. Die Tageszeitung "Yedioth Ahronoth" berichtete, die israelische Regierung wolle im Gazastreifen die Strom - und Wasserversorgung unterbinden ebenso wie die Versorgung mit Treibstoffen und Lebensmitteln.

Der Soldat war bei einem palästinensischen Angriff auf einen Grenzposten verletzt und entführt worden. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert kündigte daraufhin einen Großeinsatz der Armee an.

(apa/red)