Drohgebärden aber keine Großoffensive: Weitere Luftangriffe Israels im Gazastreifen

Barak: Zuerst "alle anderen Optionen ausschöpfen" Beide Seiten wollen die Angriffe weiter verschärfen

Drohgebärden aber keine Großoffensive: Weitere Luftangriffe Israels im Gazastreifen © Bild: Reuters/Salem

Die israelische Armee plant ungeachtet der jüngsten Drohungen derzeit keine Großoffensive im Gaza-Streifen, der von der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas kontrolliert wird. Stattdessen wolle die Armee weiter wie bisher mit Luftangriffen und begrenzten Kampfeinsätzen gegen den Raketenbeschuss durch militante Palästinenser vorgehen, berichtete der israelische Rundfunk unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter.

Zuvor hatte Verteidigungsminister Ehud Barak gesagt, dass Israel wenig Interesse an einer Bodenoffensive habe und zuerst "alle anderen Optionen ausschöpfen" wolle. Andererseits drohte Barak der Hamas erneut damit, dass eine Bodenoffensive Realität werden könne. Aus Sicht israelischer Militärkommentatoren fürchtet die Regierung im Falle eines Einmarsches unter anderem eine große Zahl von Opfern unter israelischen Soldaten und der palästinensischen Zivilbevölkerung.

Die israelische Luftwaffe flog nach Angaben einer Militärsprecherin sieben Luftangriffe im Gaza-Streifen. Nach palästinensischen Angaben wurde dabei ein Haus in Jabalia im nördlichen Gaza-Streifen getroffen. Zwei Erwachsene und zwei Kinder seien verletzt worden. Nach den Worten der israelischen Militärsprecherin hat die Armee nicht die Absicht, Zivilisten Schaden zuzufügen. Aber militante Palästinenser würden die Raketen aus Wohngebieten heraus auf Israel abfeuern, sagte sie. Eine der von den Extremisten in Eigenfertigung hergestellten sogenannten Kassam-Raketen schlug am Freitag in einem Haus in der Grenzstadt Sderot ein. Verletzt wurde niemand. Bei israelischen Luftangriffen und Kampfeinsätzen sind nach palästinensischen Angaben seit Mittwoch 34 Palästinenser im Gaza-Streifen und im Westjordanland getötet worden. Dazu gehörten auch acht Kinder sowie ein fünf Monate altes Baby.

Nur 19 Prozent der Israelis glauben an die laufenden Friedensgespräche mit den Palästinensern, 78 Prozent gehen davon aus, dass die israelische Führung die Gespräche nur aus "politischer Erwägung" führt. Das ergab eine Umfrage des Instituts Dahaf, die die Zeitung "Yedioth Ahronoth" am Freitag veröffentlicht hat. Dementsprechend fällt auch die Skepsis aus, was Fortschritte im Friedensprozess betrifft: 29 Prozent der 500 Befragten Israelis, die Fortschritte sehen, stehen 69 Prozent gegenüber, die gegenteiliger Meinung sind. Drei Viertel der Befragten glauben laut Umfrage zudem nicht daran, dass ein Friedensabkommen mit den Palästinensern mit Zugeständnissen bezüglich Jerusalem erzielt werden kann.

Fänden derzeit in Israel Parlamentswahlen statt, würde die Kadima-Partei von Ministerpräsident Ehud Olmert nur an dritter Stelle landen. Sie erhielte laut den Erhebungen von Dahaf 14 (der 120) Knesset-Mandate. Das sind um 15 weniger als Kadima derzeit hält. Sieger der Wahl wäre der rechtsgerichtete Likud-Block unter Ex-Premier Benjamin Netanyahu mit 27 Mandaten (derzeit 12). Die mitregierende Arbeitspartei Baraks käme mit 19 Sitzen in der Knesset auf den zweiten Platz und bliebe somit gleich.

(apa/red)