Drogenproblem und Sperrstunden-Debatte: Ursula Stenzel wettert gegen Kultlokal 'Flex'

Bezirkschefin fordert mehr Licht und Überwachung Betreiber: "Flex ist keine 'Brunzhütte' für Kokser"

Drogenproblem und Sperrstunden-Debatte: Ursula Stenzel wettert gegen Kultlokal 'Flex' © Bild: APA/Hochmuth

Ursula Stenzel hat einen neuen Dorn im Auge: Das "Flex". Sie sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem Wiener Musikclub und der Drogenproblematik im Umfeld der Augartenbrücke. "Ein Szenelokal wie dieses ist eben ein Anziehungspunkt", so Stenzel. Deshalb will die Citychefin nun konkrete Maßnahmen setzen: So soll der betroffene Abschnitt am Donaukanal künftig besser überwacht und beleuchtet werden.

Vor allem für den Stiegenabgang von der Augartenbrücke zum Kanal wünscht sich Stenzel die Installation von Videokameras und zusätzliche Lichtquellen. Was letztere betrifft, habe sie bereits mit der zuständigen Magistratsabteilung Kontakt aufgenommen: "Da wird es demnächst einen Lokalaugenschein geben." Auch mit der Bezirksvorstehung der Leopoldstadt wolle sie in Sachen Drogenbekämpfung kooperieren.

Eine Ausweitung der Sperrstunde von 4.00 auf 6.00 Uhr, wie sie Flex-Betreiber Thomas Eller inzwischen mittels Unterschriftenliste fordert, müsse man sich überlegen. Für eine Schließung des Clubs tritt Stenzel nicht ein - aber: "Es ist notwendig, dass Herr Eller endlich alle Auflagen betriebstechnischer Art erfüllt."

"Viele Faktoren"
Wiens Drogenkoordinator Michael Dressler ortet - im Gegensatz zu Stenzel - keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Flex und der Suchtgiftproblematik. "Hier spielen viele Faktoren mit." Das Flex sei weniger schuld an der Situation als vielmehr betroffen davon. Die Kriminalität im Bereich Augartenbrücke sei auch in keinem Zusammenhang mit einer Ausweitung der Sperrstunde zu sehen, meinte Dressler.

"Keine 'Brunzhütte' für Kokser"
"Das Flex ist nicht irgendeine 'Brunzhütte' für 20 Kokser, sondern eine Institution" - so beschreibt Gründer und Betreiber Thomas Eller seinen Club am Donaukanal. Tatsächlich hat sich das Flex im Laufe seines knapp 20-jährigen Bestehens vom "grindigsten Lokal aller Zeiten" (Eller) zu einem der angesagtesten heimischen Locations für die sogenannte alternative Musikszene gemausert.

Zur Entwicklung heimischen Musikschaffens abseits von Austropop und Alpenfolklore hat das Flex nicht unwesentlich beigetragen. So wurde der Club in den 1990er Jahren unter anderem zur Brutstätte der Wiener Elektronikszene, aus der weit über die Grenzen hinaus bekannte Aushängeschilder wie Kruder & Dorfmeister hervorgingen. 100 bis 150 Konzerte finden pro Jahr im Flex statt. Stolz ist Eller nach wie vor auf die hohe "Österreich-Quote". So nennt er Auftritte von heimischen Bands wie "A Life, A Song, A Cigarette", "Ja, Panik" oder "Killed By 9V Batteries" als Höhepunkte der vergangenen Herbstsaison.

Security gegen Dealer
Ebenfalls erst seit jüngerer Vergangenheit gehören Securitybedienstete zum fixen "Inventar" des Clubs. Sie durchforsten nicht nur die Rucksäcke der Gäste nach mitgebrachten Getränken, sondern sollen zudem die Räumlichkeiten von Dealern freihalten. Dies hatte Eller zuweilen Rassismusvorwürfe eingebracht, da seine Türsteher einigen Schwarzen den Zutritt zum Club verweigert hatten. Gleichgeblieben sind hingegen die regelmäßigen Konflikte mit Teilen der Polizei und dem ersten Bezirk. Die aktuelle Debatte lässt nicht unbedingt auf eine harmonischere nahe Zukunft schließen.

(apa/red)