Drogenbericht 2002: Cannabis im Vordergrund

Pilze, die Halluzinationen auslösen, immer "beliebter" Legale, aber gefährliche Schnüffelstoffe im Kommen

Laut dem "Bericht zur Drogensituation 2002" des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen kristallisieren sich im Suchterverhalten der Österreicher eindeutige Trends heraus: Cannabis-Konsum ist dabei im Vordergrund. Pilze, die Halluzinationen auslösen, werden immer "beliebter". Legale, aber gefährliche Schnüffelstoffe sind im Kommen. Die Situation bei Opiaten und Kokain zeigt sich hingegen stabil.

Durchaus möglich - so die Autoren des Reports im Auftrag des Gesundheitsministeriums - dass in Österreich die öffentlichen und politischen Diskussionen in Sachen Drogen auf falschem Terrain laufen. "Die Situation bezüglich des problematischen Gebrauchs illegaler Drogen (vor allem Injizieren von Opiaten bzw. der Konsum von Kokain, Anm.) wird in den meisten Bundesländern als stabil eingesetzt. Dies steht im Widerspruch zu der häufig dramatisierenden öffentlichen und medialen Darstellung", stellen die Autoren fest.

Diese stabile Situation dürfte sich auch bei der Entwicklung der Zahl der Drogentoten eine Rolle spielen: "Nachdem die Zahl der 'Drogenopfer' insgesamt (direkt und indirekt) von 1997 bis 1999 stabil zwischen 160 und 180 lag, wurden im Jahr 2000 mit insgesamt 227 drogenbezogenen Todesfällen deutlich mehr 'Drogenopfer' verzeichnet. 2001 ging die Anzahl der 'Drogenopfer' wieder auf 184 zurück."

Das kann auch ein Erfolg der Drogenersatztherapie sein: Im vergangenen Jahr gab es bereits 5.364 Abhängige in Substitutionsbehandlung. Allerdings ging die Zahl der neu Therapierten mit 714 im Vergleich zu den Jahren 1999 und 2000 mit jeweils mehr als 800 neuen Substitutionspatienten etwas zurück.

Mischkonsum
Die ärgsten Probleme macht weiterhin der Mischkonsum. Dabei spielt Alkohol eine wesentliche Rolle. Die ÖBIG-Experten: "Bei den direkt an den Folgen des Drogenkonsums verstorbenen Personen zeigt sich wie in den Vorjahren ein starkes Überwiegen der Mischintoxikationen unter Beteiligung von Opiaten (86 Prozent aller Intoxikationen). Eine genauere Analyse der insgesamt 139 Intoxikationen nach den beteiligten Substanzen zeigt, dass nur bei 23 Prozent ausschließlich Opiate oder andere illegale Drogen (allein oder in Kombination) festgestellt wurden. Zusätzlich zu illegalen Drogen wurden in 19 Prozent der Fälle auch Alkohol, in 34 Prozent der Fälle auch psychoaktive Medikamente und in 24 Prozent beides - sowohl Alkohol als auch psychoaktive Medikamente - nachgewiesen."

Nikotin vor Alkohol und Cannabis
Unter den illegalen Drogen sprechen die Österreicher - natürlich erst weit hinter dem Alkohol (330.000 Abhängige und 900.000 Gefährdete) und dem Nikotin (zwei Millionen Raucher und 14.000 Todesopfer pro Jahr) - Cannabis am häufigsten zu: "Die aktuellen Konsumstudien zeigen hohe Prävalenzraten vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Über Konsumerfahrungen mit Cannabis berichtet zumindest ein Drittel der jungen Erwachsenen, wobei in einzelnen Studien die Werte deutlich darüber liegen."

Psychotrope Substanzen
Was bisher in Österreich kaum diskutiert wurde, deckt der aktuelle ÖBIG-Bericht jetzt auf: Die Verwendung von psychotropen Substanzen, die legal und wohl auch nicht verbietbar sind, trotzdem aber eine Gesundheitsgefahr darstellen. Der Report: "Erstmals seit vielen Jahren wurden biogene Drogen (Pilze, Kakteen, etc.) und Schnüffelstoffe (Lösungsmittel, Gas, etc.) erfasst, wobei sich im Einklang mit den im letzten Jahr dargestellten Expertenberichten hohe Prävalenzraten von bis zu 20 Prozent finden." - Manche Drogenkonsumenten weichen offenbar aus - doch das kann gesundheitlich erst recht gefährlich werden.