Dritter Tag im Babymorde-Prozess in Graz: Weitere wichtige Zeugen einvernommen

Vater der Angeklagten: 'Hätten uns über Kind gefreut' Polizist sagt aus: "Sie hat uns eine Skizze gemacht"

"Wenn wir alles gewusst hätten, hätten wir eine Taufe gehabt, und keine Verhandlung": Mit diesen Worten schilderte der Vater von Gertraud A. am vierten Prozesstag, dass die Familie von den Schwangerschaften nichts gewusst hatte und die schrecklichen Vorfälle nicht begreifen kann. Seiner 33-jährigen Tochter wird vorgeworfen, fünf Babys nach der Geburt getötet zu haben. Ihr Lebensgefährte muss sich ebenfalls wegen Mordes verantworten.

Der Vater von Gertraud A. beschrieb seine Tochter als fleißig und sparsam. Von einer Schwangerschaft habe niemand in der Familie je etwas bemerkt, beteuerte der Zeuge. "Tatsache ist, sie war schwanger, sie hat vier Kinder geboren und sie hat vier Kinder getötet, das steht fest", meinte Richter Karl Buchgraber. Die Leiche des fünften Babys wurde nicht gefunden, hier basiert die Anklage auf der Aussage von Zeugen.

Zu Wort kamen auch mehrere Polizisten, die Gertraud A. unmittelbar nach der Entdeckung der Babyleichen einvernommen hatten. Die Angeklagte hatte ausgesagt, sie könne sich an nichts erinnern. Sobald sie sich der Babyleichen entsorgt habe, "war das alles weg für mich". Ein Polizist schilderte dagegen, wie bei der Einvernahme plötzlich erfahren hatte, dass noch ein viertes Baby am Grundstück gefunden worden war. "Wir haben sie gefragt, wo das Kind ist, und sie hat gesagt, im gelben Kübel neben der Hebebühne." Anschließend fertigte sie sogar eine Skizze an und zeichnete den von ihr angegebenen Punkt ein.

Dass sie sich offenbar doch immer wieder mit den Kinder beschäftigt hat, sie möglicherweise sogar ab und zu betrachtete, ging auch aus der Anordnung der Plastiksäcke in der Tiefkühltruhe hervor. Dort wurden zwei Babyleichen gefunden, wobei die nachweislich vierte und letzte ganz unten, die andere oben in der Truhe lag. "Sie müssen das eine Kind gesehen haben, als sie das andere so tief hineingelegt haben", meinte Staatsanwalt Johannes Winklhofer. "Ich weiß es nicht", so die Antwort der Beschuldigten.

Mit dem Privat-Gutachten einer Fachärztin für Psychiatrie wollte die Verteidigung ihre Meinung untermauern, dass Gertraud A. unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leidet. Die Expertin Claudia Klier, die sich besonders mit dem Phänomen der verdrängten Schwangerschaft beschäftigt, hatte die Angeklagte in der Untersuchungshaft aufgesucht. Das Gericht ließ dieses Gutachten aber nicht als Beweismittel zu.

(apa/red)