Dringender Appell an den Weltfinanzgipfel: Ban Ki Moon warnt vor humanitärer Tragödie

China zeigt sich im G-20-Vorfeld kooperationsbereit Japan will dem IWF Milliarden zur Verfügung stellen

Dringender Appell an den Weltfinanzgipfel: Ban Ki Moon warnt vor humanitärer Tragödie © Bild: APA/EPA/Moreira

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat an die Teilnehmer des Weltfinanzgipfels appelliert, die Finanzkrise nicht zu einer "menschlichen Tragödie" auswachsen zu lassen. Wenn Hunderte von Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt verlören und ihre Zukunftshoffnungen einbüßten, würde das Ausmaß der Krise über die Wirtschaft hinausgehen, schrieb der UN-Generalsekretär an die Gipfelteilnehmer.

US-Präsident George W. Bush hat Vertreter der 20 größten Industriestaaten und wichtigsten Schwellenländer zu Beratungen am Wochenende nach Washington eingeladen. Ban wies darauf hin, dass mehr als 170 Länder dort nicht vertreten seien. Er werde versuchen, ihnen bei dem Gipfeltreffen eine Stimme zu verleihen.

Es sei dringlicher, die Auswirkungen der Krise für die Ärmsten der Welt zu lindern, als internationale Institutionen wie die Weltbank oder den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu reformieren, erklärte der UN-Generalsekretär. Er rief die Teilnehmerstaaten dazu auf, keine protektionistischen Maßnahmen zu ergreifen.

Kooperationsbereites China
China bekundete seine Bereitschaft, zur Überwindung der Finanzkrise mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. "Wir nehmen positiv an Rettungsaktionen in dieser internationalen Finanzkrise teil", sagte der stellvertretende Finanzminister Yi Gang in Peking. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sei möglich. Es wird erwartet, dass Präsident Hu Jintao auf dem G-20-Gipfel mit Rufen konfrontiert wird, einen Teil der chinesischen Währungsreserven von zwei Billionen Dollar einem IWF-Stabilitätsfonds zur Verfügung zu stellen.

Japan will dem IWF nach Angaben Darlehen in einer Größenordnung bis 100 Mrd. Dollar (79,8 Mrd. Euro) bereitstellen. Mit dem Geld sollten Rettungspläne für Staaten finanziert werden, die in der Finanzmarktkrise in Schwierigkeiten gekommen seien. Das kündigte Ministerpräsident Taro Aso in Tokio an. Er merkte aber an, dass man nicht vergessen sollte, dass die Wurzel des Problems im riesigen US-Defizit liege. Die japanische Regierung hat bereits mehrfach erklärt, den IWF in der Finanzkrise unterstützen zu wollen, bisher aber noch keine Summe genannt. Der IWF hat unter anderem Mittel für Island, Ungarn und die Ukraine bereitgestellt.

Position Südamerikas
Argentinien, Brasilien und Mexiko erklärten nach einem Treffen von 23 lateinamerikanischen Staaten, sie würden sich in Washington dafür einsetzen, dass die Entwicklungsländer ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt bekommen.

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs beginnt am heute abend. Bei der zweitägigen Konferenz sollen die Ursachen der Finanzkrise analysiert und Prinzipien für eine Reform aufgestellt werden. Die Finanzminister sollen damit beauftragt werden, bis Ende März nächsten Jahres konkrete Vorschläge zu erarbeiten, über die dann auf einem zweiten Gipfeltreffen beraten wird.

Die "Gruppe der 20" repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung und fast 90 Prozent der Weltwirtschaftskraft. An dem Treffen nehmen auch die Spitzen von Weltbank, Internationalem Währungsfonds und Forum für Finanzstabilität sowie Ban teil. Bushs Nachfolger Barack Obama wird nicht mit am Verhandlungstisch sitzen. (apa/red)