"Dreikampf" in der SCS: Streit in der Einkaufsstadt im Süden Wiens

FORMAT: Zerstrittener Dreier-Vorstand lähmt Reformen Mediator soll Versöhnung bis Juni erreichen

"Dreikampf" in der SCS: Streit in der Einkaufsstadt im Süden Wiens

Wie FORMAT berichtet, stehen in Europas größtem Shopping-Center dringend Reformen an. Doch ein Konflikt zwischen den drei Vorstandsvorsitzenden lähmt die Erneuerungen. Der Aufsichtsrat drängt die zerstrittenen Vorstände deshalb zur Versöhnung bis Juni. Ein Mediator wurde beigezogen.

Maurizio Totta, der in Turin Maschinenbau studiert hat und zum Familienclan des vor einem Jahr verstorbenen SCS-Gründers Hans Dujsik gehört, wird unruhig, wenn die Rede auf ein Gutachten des Wiener Unternehmensberaters Peter Herbek kommt. Denn Herbeks Analyse der Unternehmenskultur, des Führungsstils, der Macht- und Einflussfaktoren und der Handlungsfähigkeit in der SCS ist wenig erfreulich.

Ihr ist zu entnehmen, dass ein im dreiköpfigen Vorstand schwelender Konflikt die Mitarbeiter demotiviert und die Entscheidungen über wichtige Projekte im Unternehmen erschwert.

Dabei bedürfte eine Fortsetzung der unglaublichen Erfolgsstory des Einkaufsparks mit 330 Läden auf 700.000 Quadratmetern Verkaufsfläche gerade jetzt weit reichender Planungen: Investitionen in die teils zwei Jahrzehnte alten Gebäude in zweistelliger Euromillionenhöhe sind nötig. Auch das leidige Parkplatzproblem muss endlich gelöst werden. Und die gefloppte Motor City muss wiederbelebt werden.

Ultimatum: Frieden schließen oder neuen Job suchen
Deshalb hat der Aufsichtsrat der SCS-Holding, der weitgehend mit dem Vorstand der Hans-Dujsik-Privatstiftung als SCS-Eigentümerin ident ist, Totta und den Vorständen Christian Höfer, 46, und Christoph Adamek, 52, die Rute ins Fenster gestellt: Entweder begraben sie bis zur Aufsichtsratssitzung im Juni das Kriegsbeil, oder der komplette Vorstand wird ausgewechselt.

Größtes Einkaufszentrum Europas
Der nach Hans Dujsiks Tod aufgebrochene Konflikt spielt sich vor dem Hintergrund eines nach wie vor anhaltenden wirtschaftlichen Erfolgs der Shopping City Süd ab: Mehr als eine Milliarde Euro Jahresumsatz erzielen die SCS-Kaufleute miteinander. Wenn internationale Handelsunternehmen ihre Immobilienfahnder zur Standortsuche nach Österreich schicken, steht auf deren Liste die SCS gleich neben Topadressen wie der Wiener City und der Mariahilfer Straße. Knapp zehn Millionen Euro Jahresgewinn hat die SCS-Holding laut der letzten verfügbaren Bilanz im Jahr 2001 an die Dujsik-Stiftung ausgeschüttet.

Dennoch sind die Gräben zwischen den SCS-Bossen mittlerweile tief. Denn bei dem Krieg geht es um einen alten Familienzwist über Macht und Einfluss im Einkaufstempel: Auf der einen Seite stehen Hans Dujsiks Töchter aus erster Ehe, Eva-Maria Höfer, 46, und ihre Schwester. Auf der anderen kämpft Dujsiks zweite Frau Helga, 62. Höfers eigene Vorstandsambitionen waren an Helga Dujsik gescheitert. Die hatte ihren Neffen Maurizio Totta ins Spiel gebracht. Firmengründer Dujsik war von dessen Weltgewandtheit beeindruckt. Jetzt ficht Eva-Maria Höfers Ehemann Christian mit Totta einen Stellvertreterkrieg aus.

Friedensstifter
Totta und Höfer hatten von Anfang an ein gespanntes Verhältnis: Dem extrovertierten Frontmann steht der zugeknöpfte Technikvorstand gegenüber. Als dritter Mann wurde zu Jahresbeginn Christoph Adamek in den Vorstand bestellt. Der erfahrene Handelsmanager - er kümmert sich seit 1991 um die Vermietung der Läden in der SCS - sollte als Prellbock zwischen den Kontrahenten fungieren.

Bisher war dem Friedensstifter wenig Erfolg beschieden. Ein Mitarbeiter beschreibt das Problem: "Ich schlage ein Projekt vor, dann werfen sich Höfer und Totta Steine in den Weg, und am Ende passiert gar nichts. Das ist ein Kasperltheater."
(FORMAT 16)