Dreijahres-Tief erreicht: ATX rutscht erstmals seit Juli 2005 unter 3.000 Punkte

Index büßt im Verlauf mehr als sechs Prozent ein Finanzkrise belastet Bankaktien in ganz Europa

Dreijahres-Tief erreicht: ATX rutscht erstmals seit Juli 2005 unter 3.000 Punkte © Bild: APA/Techt

Die Wiener Börse hat ihre Talfahrt vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Finanzkrise beschleunigt. Der Wiener Aktienindex ATX verlor zeitweise mehr als sechs Prozent und rutschte erstmals seit Juli 2005 unter die Marke von dreitausend Punkten. Im weiteren Verlauf konnte sich das Börsenbarometer vorerst leicht erholen, und notierte mit einem Minus von 3,42 Prozent bei 3.090,49 Punkten.

Im Jahresverlauf hat der ATX mit seinen Verlusten mehr als 30 Prozent verloren. Seit seinem im Sommer 2007 erreichten Allzeithoch hat der Index binnen gut eines Jahres bereits fast 40 Prozent an Wert eingebüßt. Der 1991 eingeführte Index spiegelt die Wertentwicklung der 20 liquidesten und höchstkapitalisierten Aktien der Wiener Börse wieder. Der Startwert des Index wurde für Jänner 1991 mit 1.000 Punkten fixiert. Vor allem nach 2002 konnte der ATX rasant zulegen, mit Ausbruch der US-Hypothekenkrise im Sommer 2007 wurde der Höhenflug des Index bis dato vorerst gestoppt.

Auch an anderen europäischen Börsen ging es angesichts neuer Hiobsbotschaften aus der US-Finanzbranche weiter nach unten. Nachdem die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers die Börsen geschockt hatte, wurden die Bonitätseinstufungen für den angeschlagenen US-Versicherungsriesen AIG zurück genommen. An der Wall Street haben AIG seit Wochenbeginn mehr als 70 Prozent verloren. Damit kämpft nach Lehman Brothers der nächste große US-Finanzkonzern ums Überleben und ein Domino-Effekt für das globale Finanzsystem droht.

Domino-Effekt droht
Für den Geschäftsführer von Raiffeisen Capital Management, Mathias Bauer hängt nun alles von den Entwicklungen der US-Finanzkrise ab: "Die Situation ist nach wie vor sehr spannend, es wird davon abhängen wie es mit AIG, Lehman Brothers und den anderen großen US-Investmentbanken weiter geht". Die große Frage ist für Bauer, ob es nun gelingt den drohenden Domino-Effekt zu stoppen und wieder Vertrauen in die Märkte kommen zu lassen. "Ich bin aber sehr davon überzeugt, dass die Amerikaner hart daran arbeiten das zu schaffen", gab sich Bauer zuversichtlich. Von der anstehenden Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed erhoffen sich Börsianer weltweit eine Senkung der Leitzinsen als Stimulanz für die Märkte.

An der Wiener Börse kamen wie auch an anderen Börsen Bankwerte besonders stark unter die Räder. Raiffeisen International büßten am späten Nachmittag 6,78 Prozent auf 63,20 Euro ein. Erste Group verloren 2,62 Prozent auf 36,00 Euro. Analysten zufolge wurden die Verluste vor allem von den US-Vorgaben getrieben, über unternehmensspezifische Probleme sei bis dato nichts bekannt.

OMV unter Druck
Stark unter Druck kamen auch OMV und fielen um 7,47 Prozent auf 35,19 Euro. Der Ölpreis war angesichts von Ängsten vor einer Konjunkturschwäche und damit sinkender Ölnachfrage zuletzt deutlich gefallen. Futures auf die Referenz-Ölsorte Brent notierten erstmals seit Jänner unter der Marke von 90 Dollar je Barrell. Der RCB-Analyst Bernd Maurer sieht allerdings nicht den Ölpreis als treibenden Faktor der OMV-Verluste. "Es wird derzeit einfach alles verkauft", so Maurer. Die jetzigen Rückgänge der Ölpreise seien zudem fundamental nicht gerechtfertigt und als Reaktion auf die Finanzkrise zurück zuführen. "Wir rechnen derzeit mit einem Ölpreis rund um hundert Dollar", so der Analyst.

(apa/red)