Drei Haftbefehle im EU-Korruptionsfall: Angeblich 345.000 Euro Schmiergeld bezahlt

Bestechlichkeit, Dokumentenfälschung und Betrug Mehr als 150 Polizisten durchsuchten mehrere Büros

In der Affäre um Korruption bei EU-Aufträgen wurden Haftbefehle gegen drei Verdächtige erlassen. Ein 46 Jahre alter Beamter der EU-Kommission wurde unter dem Verdacht der Bestechlichkeit, der Dokumentenfälschung, des Betrugs und der Bildung einer kriminellen Vereinigung verhaftet.

Weitere Haftbefehle ergingen gegen den 60 Jahre alten Assistenten eines Europa-Abgeordneten und gegen einen 39-Jährigen, der für eine Immobilienfirma arbeitet. Alle drei Verdächtigen seien Italiener, hieß es.

Der Korruptionsverdacht gegen hohe EU-Beamte bei internationalen Aufträgen betrifft nach Medieninformation enorme Geldbeträge. Auch zwei italienische Europa-Abgeordnete seien in den Fall verwickelt. Die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" berichtete, die Ermittlungen gingen auf die Beschwerde eines finnischen Unternehmers zurück. Er habe 345.000 Euro Schmiergeld zahlen müssen, um den Auftrag für den Bau des EU-Sitzes in Indien zu bekommen. Als Verdächtiger wird ein Assistent des Europa-Abgeordneten und Ex-Fußballers Gianni Rivera genannt. Dabei gehe es um Kontakte zu dem EU-Funktionär Giancarlo Ciotti und dem Unternehmer Angelo Troiano, schrieb der "Corriere della Sera".

Der Korruptionsverdacht mit internationaler Dimension war nach dreijährigen Ermittlungen bekannt geworden. Mehr als 150 Polizisten hatten Büros und Gebäude in Belgien, Italien, Frankreich und Luxemburg durchsucht. Auch Räume der EU-Kommission in Brüssel wurden unter die Lupe genommen. Die Brüsseler Justiz geht dem Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von Immobilien für EU-Vertretungen und dazugehörige Sicherheitstechnik nach.

(apa)