Drei Fahrgäste auf U-Bahngleise gestoßen: Junger Wiener zu 18 Jahren Haft verurteilt

Schuldspruch wegen dreifachen Mordversuchs Täter: Sei an dem Tag "nicht gut drauf gewesen"

Drei Fahrgäste auf U-Bahngleise gestoßen: Junger Wiener zu 18 Jahren Haft verurteilt © Bild: APA/Artinger

Der 29-jährige Wiener, der am 17. September 2007 in der U 1-Station Reumannplatz drei Fahrgäste vor die U-Bahn gestoßen hatte, muss für 18 Jahre hinter Gitter. Das hat ein Schwurgericht (Vorsitz: Alexandra Mathes) nach zweitägiger Verhandlung im Straflandesgericht entschieden. Der Mann wurde im Sinn der Anklage nach mehrstündiger Beratung wegen dreifachen Mordversuchs schuldig erkannt.

Die 18-jährige Haftstrafe ist nicht rechtskräftig. Der Mann bat um Bedenkzeit. Staatsanwältin Ursula Kropiunig war mit dem verhängten Strafausmaß einverstanden. Sie verzichtete auf Rechtsmittel.

"Nicht gut drauf gewesen"
Er sei an dem Tag "nicht gut drauf gewesen", hatte der seit Jahren arbeitslose und drogenabhängige Angeklagte in seiner gerichtlichen Einvernahme angegeben. Auf die Frage, was er sich gedacht habe, als er wildfremde Personen auf die Geleise stieß, meinte der Sozialhilfe-Empfänger: "I hob ma wahrscheinlich gar nix dacht!" Ursächlich für das Ganze wären die Tabletten gewesen, die er im Rahmen eines Drogenersatz-Programms seit zehn Jahren bekommt, und seine langjährige Verlobte, die wenige Wochen zuvor mit ihm Schluss gemacht hatte.

"Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit"
In Folge dessen hätten sich "Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit" in ihm breitgemacht: "Ich war sehr enttäuscht, dass ich diese Beziehung nicht aufrechterhalten konnte."

Ungeahnte Wirkung der Beruhigungsmittel
An sich habe er sich am Reumannplatz in einer Apotheke die vom Hausarzt verschriebenen Drogenersatz-Präparate beschaffen wollen, berichtete der 29-Jährige. Doch habe er diese mangels ausreichend vorhandenen Bargelds nicht erhalten. Dafür hätte ein am Vorabend eingenommenes Beruhigungsmittel eine ungeahnte Wirkung entfaltet: "Ich kann mich erinnern, dass ich dann herumgerangelt habe."

Der Mann hatte zunächst im unmittelbar vor der U-Bahn-Station gelegenen Amalienpark einem älteren Mann aus heiterem Himmel einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Der Betroffene erlitt dabei eine schwere Verletzung am rechten Auge. Als eine Passantin den Täter zur Rede stellen wollte, versetzte dieser auch ihr einen Hieb ins Gesicht. Einem weiteren Passanten schlug er mit einer Flasche auf den Kopf.

Dann begab sich der 29-Jährige in die U 1-Station, wo er zunächst die ihm entgegenkommenden Leute anrempelte. Am Bahnsteig angekommen, stieß er zunächst einen 16-jährigen Lehrling von hinten auf die Geleise. Der Bursch flog fast zweieinhalb Meter weit, blieb dabei unverletzt und gelangte ohne fremde Hilfe zurück auf den Perron.

Als nächster war ein 75-jähriger Pensionist an der Reihe, den der 29-jährige mit beiden Händen an den Schultern packte und in die Tiefe stieß. Abschließend warf der Tobende einen 25-Jährigen in hohem Bogen aufs Gleis, der dabei rücklings zu liegen kam und sich Verletzungen an der Wirbelsäule zuzog.

Dabei hatten die Opfer des 29-Jährigen noch Glück im Unglück: Der aufmerksame Stationswart beobachtete über seine Monitore das Geschehen und brachte den "Silberpfeil", der 30 Sekunden später von der Wendeanlage in die Station eingefahren wäre, rechtzeitig zum Stehen. So konnten andere Passagiere die auf den Schienen zu liegen gekommenen Männer in die Höhe und zurück auf die Plattform ziehen.

Der 29-Jährige wiederum versuchte davonzulaufen, wurde jedoch von zwei Männern verfolgt und zu Boden geworfen. Das Eintreffen der Polizei war sein Glück: Die erbosten Fahrgäste wären ansonsten auf den Sozialhilfe-Bezieher losgegangen.

(apa/red)