Drei Fahrer können Titel holen: McLaren
nach dem Ausfall von Hamilton in der Kritik

Bridgestone empfahl Team früheren Boxenstopp McLaren-Teamchef: "Sind gegen Alonso gefahren"

Drei Fahrer können Titel holen: McLaren
nach dem Ausfall von Hamilton in der Kritik

Die Formel 1 erlebt einen Sprint Royal. Erstmals seit 1986 fahren drei Piloten im letzten Saisonrennen um den WM-Titel. Die besten Karten hat trotz seines Ausfalles im Grand Prix von China nach wie vor Shooting-Star Lewis Hamilton, dem in Brasilien bereits ein zweiter Platz zum Weltmeistertitel genügt. "Ich bin nach wie vor in einer guten Position", betonte Hamilton, der vier Punkte vor Titelverteidiger Fernando Alonso und sieben vor China-Sieger Kimi Räikkönen führt.

Dennoch hätte sich Hamilton bereits in Shanghai zum jüngsten Weltmeister der Geschichte krönen können, ja fast müssen. Der 22-jährige Engländer war aus der Pole Position ins Rennen gegangen, ehe ihn ein Ausrutscher ins Kiesbett wegen offensichtlicher Reifenprobleme stoppte. Der erste Ausfall der jungen F1-Karriere des Lewis Hamilton wäre ein vermeidbarer gewesen. Das Team McLaren-Mercedes hatte seinen Jungstar mit abgefahrenen Intermediate-Reifen zu lange auf der Strecke gelassen.

Laut übereinstimmenden Medienberichten habe der Reifenhersteller Bridgestone den Rennstall sogar gewarnt, Hamilton zwei Runden früher zum Wechsel an die Box zu holen. "Das Team trägt sicher eine Mitschuld", betonte Ex-Weltmeister Niki Lauda. Die Frage ist aber auch, ob Hamilton seine Reifen davor mehr strapaziert hatte, als es die Situation erfordert hätte. Der WM-Leader hatte Räikkönen im Regen allerdings schon vor Beginn seiner Probleme vorbeigelassen

"Sind gegen Alonso gefahren"
In diesem Zusammenhang sorgte eine Aussage von McLaren-Teamchef Ron Dennis für Aufsehen. "Wir sind nicht gegen Kimi gefahren, sondern gegen Fernando Alonso", kommentierte der 60-Jährige die Taktik für Hamilton. "Wir hätten einen Sieg von Räikkönen akzeptiert, wenn Lewis Zweiter geworden wäre." Damit wäre der Brite in seiner ersten Formel-1-Saison vorzeitig als Weltmeister festgestanden. Das ist bisher keinem einzigen Piloten gelungen.

Nun hat ausgerechnet Alonso, der sich vom Team laut eigenen Angaben schon die ganze Saison eklatant benachteiligt fühlt, mit einem Sieg in Brasilien plötzlich wieder die Chance auf seinen dritten WM-Titel in Serie. Die beiden vergangenen hatte der Spanier ausgerechnet im Autodromo Jose Carlos Pace sichergestellt. Hamilton dagegen kennt den Kurs des WM-Finales in Interlagos/Sao Paulo nicht, hat aber heuer bereits auf drei ihm unbekannten Rennstrecken - in Kanada, den USA und Japan - triumphiert.

Geschichte spricht für Alonso
Allerdings spricht auch die Geschichte für Alonso. In bisher acht Fällen, als drei Fahrer im Finale noch WM-Chancen hatten, hat lediglich dreimal jener Pilot gewonnen, der als Spitzenreiter dorthin gekommen war. Viermal setzte sich dagegen der Zweitplatzierte die Krone auf - zuletzt auch 1986, als der Franzose Alain Prost den Briten Nigel Mansell, der nach Reifenschaden ausgefallen war, in Adelaide noch abgefangen hatte. Auch Nelson Piquet hatte vor dem Finale noch Chancen gehabt.

Die Chance hat sich in China auch Räikkönen am Leben erhalten. Der finnische Ferrari-Pilot hält als einziger der drei WM-Kandidaten bereits bei fünf Saisonsiegen, muss aber auf ein kleines Wunder oder einen Doppelausfall der McLarens hoffen. Im Kampf mit Alonso könnte sein Teamkollege Felipe Massa, der im Vorjahr in Brasilien gewonnen hatte, die Schlüsselrolle spielen, zumal Ferrari gegen den Spanier einen Doppelsieg benötigt. Sollte Hamilton unter den ersten Fünf landen, wäre Räikkönens Minimalchance ohnehin dahin.

(apa)