Drei große Brocken stehen auf der Liste:
Spanien spekuliert über Viertelfinalgegner

Italien, Frankreich oder Rumänien kommen in Frage Zuvor noch bedeutungsloses Spiel gegen Griechen

Drei große Brocken stehen auf der Liste:
Spanien spekuliert über Viertelfinalgegner © Bild: Reuters/Ordonez

"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Diese Weisheit aus dem Fußball-Mittelalter (Sepp Herberger) ist selten so zutreffend wie bei einem Tunier a la "EURO 2008". Gerade erst hatte Spanien mit einem 2:1 in Innsbruck gegen Schweden Platz eins in Gruppe D und den Aufstieg ins Viertelfinale fixiert, schon musste Teamchef Luis Aragones im Team-Camp in Neustift im Stubaital seine Vorlieben für den möglichen Gegner in der K.o-Phase nennen. Dabei steht davor heute noch das letzte Gruppenspiel gegen Griechenland an.

Für das Viertelfinalspiel am 22. Juni in Wien sind Italien, Frankreich und Rumänien als Rivalen denkbar. Sie kämpfen in Gruppe C um Platz zwei hinter den ebenso wie Spanien fulminant ins Turnier gestarteten Niederländern. "Alle drei sind schwer, Frankreich und Italien sowieso." Aber auch Rumänien war für Aragones immer ein Geheimtipp: "Bei der Auslosung haben sie alle schon totgesagt, aber ich habe immer mit ihnen gerechnet. Wie man sieht, sind sie noch dabei."

Welcher Gegner es letztlich auch wird, Spanien müsse sich auf das Schlimmste einstellen. "Wir haben auch gegen Schweden einiges durchgemacht", meinte der "Mister" trotz des Last-Minute-Sieges gegen die Skandinavier. Vor allem in der ersten Hälfte, in der die Schweden auch durch Zlatan Ibrahimovic (34.) die rasche Führung durch Fernando Torres (15.) egalisierten, gefiel dem "Weisen von Hortaleza" beileibe nicht alles, was seine Burschen auf dem Rasen boten.

20 Minuten Fußball, "der uns nicht interessiert"
"Es gab 20 Minuten, da war die Mannschaft nicht so organisiert, wie wir das wollen. Da haben wir einen Fußball gespielt, der uns nicht interessiert." Kritik an Sergio Ramos, der beim Ausgleich gegen Ibrahimovic keine gute Figur machte, ließ er aber nicht gelten. "Sergio ist für uns ein phänomenaler Spieler. Bei Toren gibt es immer Fehler. Das betrifft aber nicht nur einen, sondern die gesamte Abwehr."

Dass die Entscheidung dann doch noch knapp vor Schluss fiel, erfreute "Luis" einerseits ("Zufrieden bin ich, dass wir in einer ziemlich guten Verfassung sind, obwohl manche Spieler sehr viele Matches in den Beinen haben"), andererseits kam es für ihn nicht von ungefähr. Vor allem, weil der Schütze David Villa hieß: "Wir haben mit ihm einen Spieler, der jederzeit aus dem Nichts ein Tor machen kann."

Ganz aus dem Nichts kam der Erfolg aber auch wieder nicht, wie das 1:0 durch Torres bewies. Da steckte eine gute Strategie dahinter, meinten Teamchef und Stürmer unisono. Dass für die Spanier als kleinstes Team der EURO mit hohen Bällen gegen die Nordländer wenig zu holen sei, habe man vor dem Spiel gewusst. Daher wurde der Ball eher flach gehalten. Beim ersten Treffer wuchtete "El Nino" eine Hereingabe von David Silva in Kniehöhe mit gestreckten Bein ins Netz.

"David ist der Beste"
Sein Stürmer-Duo Villa/Torres überschüttete Aragones wieder einmal mit Lob: "Sie ergänzen sich komplett. Sie haben einen unterschiedlichen Arbeitsstil, aber gute Fußballer verstehen sich am Feld immer." Torres wiederum rückte eher seinen Sturmpartner in den Mittelpunkt: "Es gibt auch andere gute Sturmpaare. Miroslav Klose und Lukas Podolski zum Beispiel. Aber David ist der Beste."

Nun hoffe er, dass der Valencia-Stürmer bei der EURO "Pichichi", also Torschützenkönig, werde: "Er ist auf dem besten Weg dazu, und es würde bedeuten, dass wir hier noch viele Partien spielen dürfen." Bisher hat Villa bereits vier Tore (drei gegen Russland, eines gegen Schweden) auf seinem Konto.

Hinsichtlich weiterer Ambitionen lässt Torres die Kirche aber vorerst noch in Neustift. "Wir sind jetzt keineswegs die Favoriten, es gibt einige Mannschaften auf unserem Level.". So hätten die Niederlande geradezu ein Konter-Spektakel gezeigt. "Wir wollen unser Niveau halten und es vielleicht sogar noch verbessern. Wir haben aber bei anderen Turnieren gesehen, was passieren kann. Aber jedes Turnier ist anders. Es ist immer alles möglich." Die Schweden hätten zu Beginn durchaus Druck gemacht, analysierte der Liverpool-Stürmer. "Aber wir können uns auf jeden Spielstil einstellen".

Gegen Griechen geht es um nichts
Angeschlagen sind der Verteidiger Carles Puyol und Mittelfeldspieler Santi Cazorla. Puyol leidet an einer Verletzung an der Fußsohle, Cazorla bekam bei einem Tackling einen Schlag aufs Bein ab. Beide wurden untersucht. Aragones: "Ich glaube nicht, dass es ernste Verletzungen sind, aber ich bin kein Experte. Ich warte den Bericht des Arztes ab."

Für das Spiel gegen den gefallenen Titelverteidiger Griechenland könnte dies aber natürlich Personal-Konsequenzen nach sich ziehen. Für Spanien geht es um genauso viel wie für Griechenland: im Grunde um nichts. Ob er manche Spieler daher schonen wird? "Darüber werde ich einmal schlafen", meinte Aragones, "obwohl mir da wahrscheinlich auch nicht viel einfällt. Ich schlafe ja sehr wenig. Aber immer und nicht wegen der EURO..."
(apa/red)

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