Dramatische Entwicklung in Arktis: Meereis- Bedeckung ist drastisch zurückgegangen

Sibirische See und NW-Passage fast völlig eisfrei Neue Satellitenbilder zeigen dramatische Entwicklung

Dramatische Entwicklung in Arktis: Meereis- Bedeckung ist drastisch zurückgegangen

Die Meereisbedeckung in der Arktis ist drastisch zurückgegangen. "Wir steuern auf einen neuen Minimalwert zu", sagte der Hamburger Physiker Prof. Lars Kaleschke. Aktuelle Satellitenbilder des Zentrums für Marine- und Atmosphärische Wissenschaften (ZMAW) der Universität Hamburg zeigen, dass inzwischen weite Teile der Sibirischen See sowie der Nordwestpassage eisfrei sind. Kaleschke bestätigte entsprechende Informationen des Instituts für Klima- und Wetterkommunikation in Hamburg.

Im vergangenen August waren diese Flächen weitgehend noch mit Eis bedeckt. Im Juli wiesen laut Kaleschke nur noch fünf Millionen Quadratkilometer des Arktischen Ozeans Eis auf, zehn Jahre zuvor waren es rund 6,5 Millionen Quadratkilometer.

Tiefpunkt noch nicht erreicht
Die ungewöhnlich kleinen Flächen des arktischen Meereises während der Sommermonate führen Wissenschafter auf den Klimawandel zurück. Die aktuellen Beobachtungen sind dabei laut Kaleschke noch nicht der diesjährige Höhepunkt. Der Rückgang werde sich noch bis Mitte September fortsetzen.

Der Hamburger Wissenschafter schließt nicht aus, dass zum Ende des Sommers lediglich noch 3,5 Millionen Quadratkilometer des arktischen Ozeans mit Eis bedeckt sein werden. In den 80er Jahren umfasste die Eisfläche im Norden durchschnittlich noch acht Millionen Quadratkilometer.

Die Eisbedeckung der Arktis unterlag in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder starken Schwankungen, geht aber im Mittelwert kontinuierlich zurück. Der Durchschnittswert des vergangenen Julis markiert den bisherige Tiefpunkt der Vergleichsmonate seit den 60er Jahren.

Erwärmung beschleunigt
Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation wies darauf hin, dass nach dem Schmelzen des Eises weniger Sonnenstrahlung reflektiert wird und sich damit die Erwärmung der Arktis beschleunigt. "Was wir jetzt erleben, ist besorgniserregend."

Auf den von ZMAW-Forschern ausgewerteten Fernerkundungsdaten aus der Arktis sind weite Teile des Sibirischen Meeres als eisfrei zu erkennen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres war der Bereich zwischen Alaska und Sibirien noch in weiten Teilen mit Eis bedeckt.

Nordwestpassage fast völlig eisfrei
Auch die berühmte Nordwestpassage vor der kanadischen Arktisküste ist inzwischen weitgehend eisfrei. Alte Eismassen befinden sich nur noch in der Mitte des Arktischen Archipels. In den vergangenen 100 Jahren galt die Meerenge als praktisch unpassierbar. Wissenschaftler rechnen damit, dass die Strecke ab 2015 wenigstens im Sommer für Handelsschiffe befahrbar ist.

Die Öffnung der Nordwestpassage würde den Seeweg zwischen Asien und Europa von rund 13.000 Seemeilen (rund 24.000 Kilometer) auf 8.000 Seemeilen (14.800 Kilometer) nahezu halbieren.

(apa)