Drama um Zwillinge geht weiter: Vater schickte vor Selbstmord 8.000 € an Mutter

Italien: Alessia und Livia werden seither vermisst Onkel erhebt schwere Vorwürfe gegen Behörden

Drama um Zwillinge geht weiter: Vater schickte vor Selbstmord 8.000 € an Mutter © Bild: APA/EPA/Police Handout/Ho

Die italienische Polizei sucht weiterhin fieberhaft nach den beiden Schweizer Zwillingsschwestern Alessia und Livia. Der Vater der Mädchen, Matthias S., beging Selbstmord. Er warf sich in der süditalienischen Stadt Cerignola vor einen Zug. Seither fehlt von den beiden Sechsjährigen jede Spur. Der größere Geldbetrag, den der Vater vor seinem Selbstmord abgehoben hatte, ist per Post bei der Mutter eingetroffen. Somit hat sich die Hoffnung, der Mann hätte jemanden bezahlt, der auf die Kinder aufpasst, in Luft aufgelöst.

Der 43-jährige Matthias S. hat die Trennung von seiner Ehefrau nie verkraftet. Am 28. Jänner holte er seine Töchter bei ihrer Mutter Irina S. in Saint-Sulpice für ein gemeinsames Wochenende ab. Die Kinder brachte er jedoch nicht wie vereinbart am 30. Jänner zurück. Stattdessen schickt er seiner Ex-Frau eine letzte SMS. "Er schrieb, er werde die Zwillinge nicht mehr am Abend absetzen, sondern sie am Montag direkt in die Schule fahren", erzählte Irinas Bruder, Valerio Ludici, der Schweizer Zeitung "Blick". Als die Kinder am nächsten Morgen nicht von ihrem Vater in der Schule gebracht wurden, alarmierte die besorgte Mutter die Polizei.

Nur einen Tag später erhielt Irina S. vom verzweifelten Vater eine Postkarte aus der südfranzösischen Stadt Marseille. Darin schrieb er, er sei verzweifelt und fühle sich ohne sie verloren. Am selben Tag kaufte er in Marseille drei Tickets für die Fähre nach Korsika.

"Er wirkte wie ein gewöhnlicher Kunde"
Kurz vor seinem Tod aß der 43-Jährige in der Stadt Vietri sul Mare nahe Neapel eine Pizza. Die Zwillinge waren damals nicht bei ihm. "Er wirkte wie ein gewöhnlicher Kunde", erinnerte sich der Geschäftsführer des Restaurants, Ferdinando Trotta, gegenüber der Zeitung "Le Matin". Der Mann wirkte keineswegs gestresst: "Er war zwar sehr ruhig, aber auch fröhlich und gesellig", sagte Trotta. Ein Eindruck der offenbar täuschte, denn in der Nacht auf den 4. Februar nahm sich der Vater schließlich das Leben. Seine sechsjährigen Töchter werden seither vermisst.

Hoffnungsschimmer verblasst
Bisher bestand die Hoffnung, dass es den Zwillingen gut gehe und dass der Vater jemanden bezahlt habe, der auf seine Töchter aufpasst. Der Mann hatte einen größeren Geldbetrag abgehoben, diesen bei seinem Selbstmord aber nicht bei sich gehabt. Doch dieser Hoffnungsschimmer ist nun verblasst: Die Mutter der Zwillinge hat per Post mehrere Umschläge mit 50 Euro-Scheinen im Gesamtwert von rund 8.000 Euro erhalten. Ein Schreiben war nicht beigelegt. Aufgegeben wurden die Umschläge in Cerignola, wo sich der Vater der Zwillinge vor den Zug geworfen hatte.

Schwere Vorwürfe gegen Polizei
Roberto Mestichelli, Anwalt und Cousin von Irina S. erhebt unterdessen schwere Vorwürfe gegen die Schweizer Polizei, die seiner Meinung nach zu spät eingegriffen hat."Man hätte gleich Alarm schlagen sollen. Es wäre so wichtig gewesen, Matthias lebend zu finden. Die Kinder jetzt ohne Spur zu finden, ist doch fast unmöglich", sagte der Onkel der Mädchen gegenüber der Schweizer Zeitung "Blick". Die Hoffnung die Kinder lebend zu finden will er jedoch ebenso wenig aufgeben wie die Mutter von Alessia und Livia.

Weiterführende Links:

Artikel "Blick"

Artikel "Le Matin"

(red)