Drama am Mittelmeer von

Fünf Schlepper festgenommen

Laut Augenzeuge 200 Menschen im Laderaum eingeschlossen: "Sie sind alle ertrunken"

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer © Bild: REUTERS/Guglielmo Mangiapane

Die Polizei in Palermo hat fünf mutmaßliche Schlepper festgenommen, die das vor Libyen gekenterte Flüchtlingsboot mit vermutlich rund 200 Todesopfern gesteuert haben sollen. Die libyschen und algerischen Männer hatten sich unter die rund 370 Überlebenden gemischt, die am Donnerstag im Hafen von Palermo eingetroffen sind. Identifiziert wurden sie von mehreren Überlebenden.

Die Staatsanwaltschaft von Palermo nahm Ermittlungen zu den Ursachen des Unglücks auf. Das Flüchtlingsboot war am späten Mittwochvormittag in Seenot geraten und binnen kürzester Zeit gesunken, weil sich alle Insassen auf eine Seite drängten, als das erste Rettungsschiff eintraf. Gut 370 konnten gerettet worden, allerdings wurden auch 25 Leichen geborgen, darunter drei Kinder. Die Opferzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR von rund 600 Menschen an Bord des havarierten Fischkutters ausgeht.

Menschen im Inneren eingeschlossen

Das Boot sank laut Berichten von Augenzeugen auch deshalb so schnell, weil es aus Metall war. Zahlreiche Menschen seien zum Zeitpunkt des Unglücks im Inneren eingeschlossen gewesen und hätten sich nicht mehr befreien können. Die Flüchtlinge stammten nach Angaben der italienischen Behörden großteils aus Syrien. Schon von Anfang an habe sich der Fischkutter als seeuntauglich erwiesen. "Nach Beginn der Fahrt ist Wasser ins Boot geflossen. Hunderte Menschen waren an Bord, 200 im Lagerraum", berichtete eine somalische Überlebende. Jemand habe mit einem Satellitentelefon einen Hilferuf abgesetzt.

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer
© REUTERS/Guglielmo Mangiapane

Boot zum Umkippen gebracht

"Das Wasser stieg im Boot, wir dachten, wir würden alle ertrinken. Es waren schreckliche Momente. Aus dem Lagerraum kamen laute Hilferufe. Die Menschen flehten, ihnen zu öffnen, doch sie sind alle ertrunken. Sobald wir das große Schiff der Retter gesichtet haben, ist es zur Hölle geworden. Die Aufregung der Menschen hat das Boot zum Umkippen gebracht. Die Menschen im Lagerraum sind alle gestorben. Ich hoffe, dass ihre Leichen geborgen werden können, damit man zumindest ihre Angehörigen benachrichtigen kann", berichtete der 21-Somalier Abdi Abdala nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Rettungsaktion fortgesetzt

Trotz schwindender Hoffnungen haben Helfer die Suche nach Überlebenden des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer auch Freitagmorgen fortgesetzt. Am Vormittag wollen die Einsatzkräfte entscheiden, ob eine weitere Suche nach den rund 200 Vermissten noch Sinn habe, sagte ein Sprecher der italienischen Küstenwache. Bei weiteren Hilfseinsätzen konnten am Donnerstag in mehreren Rettungsaktionen etwa 1.200 Flüchtlinge von überfüllten Booten gerettet werden.

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