Leben von

Auf Elfriede Jelineks Spuren

Susanne Zobl über "Dosenfleisch" im Kasino am Schwarzenbergplatz

Dosenfleisch © Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Der gebürtige Steirer Ferdinand Schmalz wurde 2014 vom Magazin "Theater heute" zum "Nachwuchsautor" des Jahres gekürt. Sein Stück "Dosenfleisch" erklärt, weshalb. Carina Riedl inszenierte das stark in Tradition von Elfriede Jelinek verfasste Werk im Kasino am Schwarzenbergplatz als düstere Gothic-Novel mit einem ausgezeichneten Schauspieler-Ensemble.

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Ein Fernfahrer, der seine Ware trotz nächtlichem LKW-Fahrverbot an die Destination bringen will und auf einen verunfallten Fleischtransporter trifft, der Versicherungsagent Rolf , der an einer Autobahnraststätte auf Kunden hofft, die Tankstellenwärterin Beate und die Wiedergängerin Jayne sind das Personal von Ferdinand Schmalz. Sie erzählen von ihrem Leben, unterhalten sich in knappen Dialogen, wirken wie Ausgestoßene,wie Wesen aus einem Zwischenreich zwischen Leben und Tod. Schmalz lässt in knappen Dialogen seine Figuren aufeinander los. Wie in einer Endlosschleife werden Sätze wiederholt, folgen Kalauer, wie man sie sonst von Elfriede Jelinek gewohnt war. Er folgt ihren Spuren, agiert aber keineswegs als Epigone. Schmalzs Text wirkt eher wie eine Fortschreibung literarischer Vorgänger. Einer davon der heute längst in Vergessenheit geratene österreichisch-jüdische Schriftsteller Albert Drach (1902-1995). Wenn die beiden Frauen von der Tankstelle den Versicherungsmann mit einem Werkzeug erschlagen, erinnert das an Drachs Roman "Unterschungen an Mädeln", wo sich zwei Autostopperinnen gegen einen potentiellen Vergewaltiger wehren.

Schmalz klagt nicht an, auch wenn er von zentralen Themen der Zeit spricht, wie Ausbeutung in den diversen Arbeitswelten, jener des Fernfahrers und jener des Versicherungsagenten, oder seine Figuren von Enteignung und Tod erzählen lässt, geschieht das trocken-ironisch ohne Pathos.

Dosenfleisch
© Reinhard Werner, Burgtheater

Weshalb aber ein Text, der durch Rhythmus und Präzision wirkt, von Rock-artigen Trommelwirbeln (Katharina Ernst) eingeleitet und begleitet wird, bleibt rätselhaft. Regisseurin Carina Riedl entzieht sich auf Fatima Sonntags karg ausgestatteter, dunkler Bühne jeder Textdeutung. Den vermitteln Dorothee Hartinger, trotz roter Elfriede-Ott-Perücke, und Tino Hillebrand als dämonischer Versicherungsbeamter präzise. Frida-Lovisa Hamann und Daniel Jesch ergänzen gut.

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