Dortmund - Bayern von

Dortmunder Euphorie

Borussia greift nach dem Sieg über Bayern nach dem Titel. Schwarzer Abend für Robben.

Dortmund - Bayern - Dortmunder Euphorie © Bild: Reuters/Pfaffenbach

Borussia Dortmund hat den achten Meistertitel in Griffweite. Nach dem 1:0-Sieg im Gipfeltreffen gegen Verfolger Bayern München glauben selbst die größten Optimisten im Lager der Bayern nicht mehr an den Titel. "Ich schätze, dass der BVB zu 99 Prozent deutscher Meister ist", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, während in Dortmund alle Dämme brachen. Bei sechs Punkten Vorsprung vor den ausstehenden vier Runden wich bei BVB-Spielern die bisherige Zurückhaltung ein wenig.

Das "Gipfeldrama" mit schwarz-gelbem Happy End versetzte Jürgen Klopp in Hochgefühle. Gerührt und überglücklich stand der Dortmund-Trainer am Ende einer denkwürdigen Partie vor der bebenden Südtribüne und formte mit den Händen ein Herz Richtung Fans. "Wir sind alle ein bisschen verknallt in diesen Verein, das muss man ab und zu mal herauslassen", kommentierte er seine ungewöhnliche Geste.

Während die Münchner Vorstandsriege um Uli Hoeneß und Rummenigge minutenlang wie versteinert auf ihren Plätzen verharrte, verwandelte sich das Dortmunder Stadion in ein Tollhaus. Nach einer spektakulären Schlussphase entlud sich die Anspannung der Zuschauer in infernalisch lautem Jubel.

Dortmund auf der Zielgerade
Gerade als sich die zunächst unterlegenen Bayern anschickten, die Kontrolle über den vor allem in der ersten Hälfte bärenstarken BVB zu gewinnen, verlängerte Robert Lewandowski (77.) einen Schuss von Großkreutz mit der Ferse ins Tor. Der 20. Saisontreffer des Polen könnte das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Spitzenclubs zugunsten der Dortmunder entschieden haben. "Sechs Punkte Vorsprung vier Spieltage vor Saisonschluss sollte man nicht mehr verspielen", meinte Manndecker Mats Hummels.

Trotz des schweren Restprogramms der Borussia, die in den nächsten Runden beim Dritten Schalke und gegen den Vierten Mönchengladbach antreten muss, spricht viel für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Noch nie verspielte ein Team seit Einführung der Drei-Punkte-Regel ein solches Guthaben. Darüber hinaus egalisierte der BVB mit 24 Spielen in Serie ohne Niederlage binnen einer Saison den Bundesliga-Rekord von Bayer Leverkusen (2009/10).

Und jetzt das Revierderby
Im prestigeträchtigen Derby am Samstag beim Erzrivalen aus Gelsenkirchen steht nach Einschätzung von Hummels der nächste Kraftakt bevor. "Das wird für uns ähnlich wie heute für die Bayern. Der Gegner wird uns hassen, und das ganze Stadion wird gegen uns sein - das macht richtig Spaß, das sind die schönsten Spiele", sagte der ehemalige Münchner schmunzelnd.

Arjen Robben schob dagegen Frust. Der Niederländer wurde zur tragischen Figur des Schlagers. Zunächst hob er beim 1:0 die von der Bayern-Abwehr initiierte Abseitsfalle auf. Danach wurde er von BVB-Torhüter Roman Weidenfeller im Strafraum gelegt, trat selbst zum Elfmeter an - und scheitert an Weidenfeller (86.). Robben hatte sogar noch die Chance, seinen Fehler auszumerzen, schoss aber in der Nachspielzeit einen Abpraller aus vier Metern über das Tor.

Schwarzer Tag für Robben
Die anschließende Kritik des Sky-Experten Franz Beckenbauer, wonach der gefoulte Robben besser nicht zum Elfmeter angetreten wäre, ließ Bayern-Coach Jupp Heynckes kalt: "Im Fußball passieren solche Dinge. Er ist ein sicherer Elftmeterschütze, ich mache ihm keinen Vorwurf."

Zu allem Überfluss musste Robben auch noch die Vorwürfe von Weidenfeller ertragen. Im Gegensatz zu Schiedsrichter Knut Kircher und den meisten Experten wertete der von den BVB-Fans als Held des Abends gefeierte Keeper seine ungestüme und unnötige Attacke nicht als elfmeterreif und bezichtigte den Münchner Angreifer der Schauspielerei: "Die Fairness hat gesiegt. Ich habe ihn nicht berührt, und er hebt, wie er es immer gern macht, mit beiden Füßen ab."

Bayern in der Champions League gefordert
Wie tief bei den Bayern der Frust über die Niederlage saß, ließ Bastian Schweinsteiger erkennen. Nach nur kurzem Kabinenaufenthalt flüchtete der erst in der 61. Minute eingewechselte Nationalspieler wortlos in den Mannschaftsbus. Trotz der ersten Niederlage nach zuvor neun siegreichen Pflichtspielen befürchtet jedoch kein Bayern-Profi negative Auswirkungen auf das Champions-League-Halbfinale am kommenden Dienstagabend gegen Real Madrid. "Wir haben es in der Vergangenheit immer gut hinbekommen, Wettkampf für Wettkampf anzugehen", erklärte Bayern-Kapitän Philipp Lahm.

Lob für David Alaba
David Alaba spielte bei den Bayern wie zuletzt links in der Abwehrkette durch und war einer der wenigen Bayern-Spieler, die Lob erhielten. Österreichs 19-jähriger Fußballer des Jahres bekam im "kicker" mit Neuer und Badstuber die beste Note (2,5). Auch Uli Hoeneß zeigte sich beeindruckt. "Wenn Alaba so weiterspielt, brauchen wir keinen linken Verteidiger mehr zu holen", sagte der Bayern-Präsident.