Dopingverdacht in Göteborg: Russische Läuferinnen im Zentrum der Spekulationen

Mini-Dosen von EPO im Umlauf: Nicht nachweisbar

Bei der Leichtathletik- Europameisterschaft in Göteborg hegen Experten nach einem Bericht der spanischen Zeitung "El Pais" den Verdacht, dass zahlreiche Wettkämpfer gedopt sind. Von dem Blutdopingmittel EPO seien mittlerweise Mini-Dosen im Umlauf, die bei den Dopingtests nicht nachgewiesen werden könnten, aber hochwirksam seien, berichtete das angesehene Blatt.

Bei der EM sind 315 Kontrollen vor und während der Wettkämpfe vom Europäischen Leichtathletik-Verband (EAA) vorgesehen. Zudem soll es eine nicht genannte Zahl von Tests auf EPO geben.

Nach Angaben der Zeitung stehen russische Läuferinnen im Zentrum der Doping-Spekulationen. Bei den Dopingexperten gelte Russland - neben Marokko - als wichtigstes Land, in dem EPO problemlos zu erhalten sei. Der Verdacht stütze sich ferner auf die zum Teil spektakulären Darbietungen russischer Athletinnen, wie die der Europameisterin über 10.000 Meter, Inga Abitowa, die ihre persönliche Bestmarke um eine Minute verbessert hat.

"Und das war noch gar nichts", zitierte das Blatt einen spanischen Trainer. "Wir werden noch erleben, was die Läuferinnen über 400, 800, 1.500 und 5.000 Meter zu bieten haben." Die spanische 800-Meter-Läuferin Mayte Martinez sagte der Zeitung: "Sie (Die Russinnen/Anm.) sind wie von einer anderen Welt."

Als verdächtig gilt nach Ansicht der Zeitung auch der Rückzug der 1.500-Meter-Läuferin Latifa Essarokh, die erst kürzlich als erste Französin unter der Marke von 4:00 Minuten geblieben war. Die gebürtige Marokkanerin trainiere in der Gegend der marokkanischen Ifrane, die als ein Verteilerzentrum von EPO gelte.

Der französische Verband habe den Rückzug der Läuferin mit "medizinischen Motiven" begründet. Das Blatt sieht darin einen "Euphemismus", der darauf hindeute, dass die Blutwerte die zugelassenen Grenzwerte überschritten haben könnten.

Gatlin-Anwältin will "ungewöhnlicher Umstände" wirksam machen
Die Anwältin des wegen Testosteron-Doping beschuldigten US-Leichtathleten Justin Gatlin hat vorgeschlagen, ihren Mandaten wegen "ungewöhnlicher Umstände" aus dem Prozess zu entlassen. Laut Cameron Myler sehe eine Verordnung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vor, Athleten zu entlasten, sollte kein eigenes Verschulden für die Übertretung vorliegen. Von Seiten des Sportlers müsste allerdings erst bewiesen werden, wie die verbotene Substanz in den Körper eingedrungen ist.

Laut Myler würde die Verteidigung von Gatlin an einer Beweisführung zu Gunsten des Sprinters, dem wegen einem wiederholt positiven Test eine lebenslängliche Sperre droht, arbeiten. Schon in der vergangenen Woche hatten Gerüchte über einen Masseur, der die Beine des Olympiasiegers und Weltmeisters über 100 Meter mit einer Testosteron-Creme eingerieben haben soll, für Aufregung gesorgt.

"Es ist schwer zu wissen, welche Beweise zum Vorschein kommen und welche Strafe verhängt wird", meinte WADA-Chef Dick Pound zur "Causa Gatlin". Nach der Anhörung, die noch in dieser Woche erfolgen soll, werde die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) über die Sanktionen entscheiden.

Vermutungen, die Doping-Fälle Gatlin und Floyd Landis würden die Bewerbung der USA für die Olympischen Sommerspiele 2016 untergraben, wies Pound zurück. "Wenn man alle Länder streichen würde, in denen Athleten positiv getestet wurden, würden die Spiele nirgendwo stattfinden", meinte er. Als US-Kandidaten-Städte für 2016 gelten Chicago, Los Angeles und San Francisco, das IOC wird in drei Jahren die Vergabe bekannt geben.

Auch der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) hat sich am Donnerstag in die Ermittlungen eingeschalten. Gegen Gatlin-Trainer Trevor Graham wurde in Kooperation mit der USADA weitere Untersuchungen eingeleitet. Sollten Beweise für eine Verwicklung Grahams in den Handel mit verbotenen Substanzen oder der Verbreitung derselben gefunden werden, würde die USADA Disziplinarmaßnahmen gegen den Star-Coach erlassen. Graham hatte sich erst am Dienstagnachmittag einem Lügendetektortest unterzogen, um seine Unschuld zu beweisen.
(apa/red)