Nach Razzia von

Gedoptem ÖSV-Duo
blüht Disziplinarverfahren

Langläufern Hauke und Baldauf droht jetzt eine Vierjahressperre

Hauke Baldauf © Bild: APA/Gindl

Die österreichische Anti-Doping Agentur (NADA) wird als zuständiges Organ demnächst Disziplinarverfahren gegen die unter Blutdopingverdacht stehenden Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf einleiten. Das kündigte die NADA am Donnerstag auf Anfrage an. Dem Duo droht eine Sperre von vier Jahren. Und bis zu drei Jahre Haft.

Wie im Regulativ vorgesehen, ist demnächst mit einer Verfahrenseinleitung gegen Hauke und Baldauf zu rechnen. "Es besteht der Verdacht der Anwendung der verbotenen Methode Blutdoping, wir werden zum gegebenen Zeitpunkt ein Verfahren einleiten", sagte NADA-Vertreter David Müller im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur zum weiteren Prozedere. Baldauf und Hauke drohen Sperren von je vier Jahren. Es könne aber auch sein, dass sie durch die Mitwirkung beim Aufdecken von Hintermännern als Kronzeugen eine Reduktion erhalten.

Für die anderen drei Sportler aus Estland und Kasachstan sei der Internationale Ski-Verband (FIS) zuständig. Dieser könne die Verfahren aber auch an die nationalen Verbände oder NADOs abtreten.

»Wir sind seit Monaten über die Polizeiermittlungen informiert gewesen.«

Die NADA hatte seit geraumer Zeit Kenntnis von den behördlichen Ermittlungen gegen das mutmaßliche Dopingnetzwerk, erläuterte Müller. "Wir sind seit Monaten über die Polizeiermittlungen informiert gewesen. Ab dem Zeitpunkt, wo die Polizei einen Anfangsverdacht hatte, hat sie uns eingebunden, wo sie es im Rahmen der Ermittlungen für sinnvoll gehalten hat."

Einsatz wie am Reißbrett

Bei der Durchführung der Razzia in Seefeld sei man mit einem Mitarbeiter vor Ort zugegen gewesen. "Der gesamte Einsatz ist wie am Reißbrett geplant abgelaufen", so Müller. Mit dem Bundeskriminalamt (BK) arbeite man auf einer guten Vertrauensbasis zusammen, die man sich über die Jahre nach anfänglichen Berührungsängsten aufgebaut habe.

Vor allem beim Thema Blutdoping könne man die Behörden mit eigener Expertise unterstützen. Auch deshalb sei ein NADA-Vertreter an der groß angelegten Polizeiaktion beteiligt gewesen. Noch am Tag der Festnahmen führte man mit dem ohnehin in Tirol tätigen NADA-Testpersonal bei allen fünf betroffenen Sportlern auch zusätzliche Dopingtests durch, erklärte Müller.

Zusammenarbeit wird wichtiger

Der Experte glaubt, dass die Zusammenarbeit mit Behörden künftig zu einem noch wichtigeren Pfeiler der NADA-Arbeit werden wird. "Mit Kontrollen können wir nur Einzelpersonen erwischen, die haben keine Motivation, Hintermänner auszuforschen. Die Polizei hat durch Observationen und Hausdurchsuchungen ganz andere Mittel. Genau solche Aktionen sind aus meiner Sicht die Zukunft der Anti-Doping-Arbeit, um Netzwerke auszuheben."

Noch unklar, ob weitere Sportler betroffen sind

Im aktuellen Fall sei noch nicht abzuschätzen, ob es noch weitere betroffene Sportler geben könnte. Abhängig von der Beweislage und natürlich den Aussagen der Verdächtigen sei das aber natürlich möglich, so Müller. "Wir warten jetzt einmal ab, was die Polizei tatsächlich sichergestellt hat und schauen uns an, wie die Zuordenbarkeit der beschlagnahmten Blutkonserven aussieht". Noch wisse man nicht, ob die in Deutschland sichergestellten Blutkonserven Klar- oder Codenamen aufweisen, sagte Müller und verwies auch auf mögliche DNA-Abgleiche.

In strafrechtlicher Hinsicht drohen den betroffenen Sportlern, sofern sie "nur" Dopingkonsumenten waren, durch den Strafgesetzbuchparagrafen Sportbetrug wohl keine Haftstrafen. "Wenn man nur mehrmaliger Konsument war, dann ist maximal Sportbetrug relevant, bei Johannes Dürr hat das mit einer Diversion geendet", betonte Müller. Anders sehe die Sache aus, sollten sich die Sportler irgendwie finanziell an der Bluttransfusionsgerätschaften oder etwaigen Gewinnen als "Mitdealer" beteiligt gewesen sein. In diesem Fall könnten involvierte Athleten - wie dem am Mittwoch festgenommenem Sportmediziner aus Erfurt - sehr wohl Verurteilungen zu Haftstrafen bevorstehen.

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