Donald J. Trump von

Genie und
Wahnsinn

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Das Skandalbuch "Fire and Fury" sorgt für Furor und führt zur Frage, ob Trump überhaupt amtstauglich ist.

Der Kinderkönig regiert am liebsten aus dem Bett. Er spielt dort mit dem Handy, beschimpft über Twitter seine Feinde, mampft dabei Cheeseburger und zappt sich auf seinen drei Fernsehern durch das Kabel-TV. Lesen ist ihm hingegen ein Graus, weshalb er die Akten, die ihm seine Adlaten vorlegen, so gut wie nie studiert. Besser sind Bilder, die schaut er sich zumindest an. Nerven ihn aber seine Berater bei Sitzungen, kann es schon vorkommen, dass er ihnen "langweilig!" ins Gesicht schreit, einfach aufsteht und geht. Wirklich aufmerksam ist der Kinderkönig nur, wenn man ihn hofiert und umgarnt, sich bei ihm einschleimt und seine Genialität preist. Aber selbst das funktioniert nur bedingt. Denn ihn erzürnt, was in Medien über ihn steht. Alles, was Mitarbeiter auch aus Verzweiflung nach draußen tragen, in der Hoffnung, drinnen dadurch zumindest das Schlimmste zu verhindern.

So in etwa schildert Michael Wolff in seinem Skandalbuch "Fire and Fury" Donald Trumps erstes Jahr im Weißen Haus. "Ein von Clowns umgebener Idiot" mit den Impulsen eines Kleinkinds als mächtigster Mann der Welt. Was für eine schöne Schauergeschichte und Balsam für alle Trump-Kritiker. Dass Wolff es dabei mit der Wahrheit selbst nicht immer ganz so genau nimmt, wirkt in Zeiten von Trumps "alternativen Fakten" fast schon vernachlässigbar. Denn wer das letzte Jahr nicht im Tiefschlaf verbracht hat, ahnte bereits, dass es im Weißen Haus wohl genau so zugeht. So hat Wolff aus echten Zitaten, Schilderungen vom Hörensagen und bloßen Gerüchten eine Erzählung zusammengezimmert, die für Furor sorgt und zur Frage führt, ob Trump überhaupt amtstauglich ist.

Und da sollten sich seine Gegner keiner Illusion hingeben. Was landläufig als "verrückt" gilt, reicht längst für keine Absetzung. Ihr Faulpelz bleibt vorerst im Weißen Haus -und scheint, ganz nebenbei, Wunder zu vollbringen: Die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 17 Jahren, die höchsten Börsenkurse seit Menschengedenken. Dazu Millionen neuer Jobs und eine Steuerreform, die keiner für möglich hielt. Und selbst den Weltuntergang hat Trump mit seiner Twitterwut noch nicht ausgelöst. Wofür es eigentlich nur zwei mögliche Erklärungen gibt. Entweder ist es mittlerweile ziemlich egal, wer Amerika regiert, weil die Wirtschaft sowieso ihren Lauf nimmt. Oder Trump ist zwar das Gegenteil des Genies, als das er sich selbst sieht, aber eben auch nicht die Karikatur eines Geisteskranken, zu der ihn seine Feinde machen. Noch umgeben ihn Menschen, die ihm helfen und dienen, auch wenn er sie schon mal verspottet und schmäht. Ihnen geht es um Amerika und auf sie müssen wir -so fatalistisch das ist - hoffen, auf dass sie den Kinderkönig bei Laune halten und zähmen.

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