Donadoni ist "mehr als nur ein Trainer": Coach pflegt enges Verhältnis mit Spielern

Kapitän Cannavaro: "Roberto weiß, was wir fühlen" Trotz Vertrag bis 2010 unter ständigem Beschuss

Donadoni ist "mehr als nur ein Trainer": Coach pflegt enges Verhältnis mit Spielern © Bild: Reuters/Gentile

Roberto Donadoni bläst seit seinem Amtsantritt als italienischer Fußball-Teamchef am 13. Juli 2006 ein medial rauer Wind entgegen. Im krassen Gegensatz dazu steht seine Rolle innerhalb der "Squadra Azzurra", im Kreise der Spieler genießt der erst 44-jährige Coach und ehemalige Weltklasse-Kicker nämlich höchstes Ansehen. "Ich bin für meine Spieler mehr als nur ein Trainer", weiß Donadoni um seine Stellung innerhalb des Teams als eine Art großer Bruder.

"Mit Roberto haben wir Spieler ein Verhältnis, das es mit keinem anderen Trainer gegeben hat. Roberto weiß, was wir fühlen, erleben und durchmachen, weil er bis vor kurzem selbst noch Spitzenfußballer war", meinte der verletzte Teamkapitän Fabio Cannavaro, der dem Coach aufgrund seiner Rochaden nach dem völlig verpatzen Auftakt gegen die Niederlande (0:3) auch Courage zugesteht. "Er hatte den Mut, Änderungen vorzunehmen."

"Squadra" ist große Einheit
Auch Gennaro Gattuso bestätigte, dass das Verhältnis mit dem langjährigen AC-Milan-Star über eine normale Trainer-Spieler-Beziehung hinausgeht. "Donadoni ist mit unglaublich viel Leidenschaft bei der Sache. Wenn du einen Menschen siehst, der sich so ins Zeug legt, dann willst du ihm helfen. Auch wenn er vielleicht Fehler macht." Und für Andrea Pirlo steht fest: "Es ist klar zu sehen, dass wir Spieler, der Trainer und der restliche Betreuerstab eine große Einheit sind."

Donadoni steht seit dem ersten Tag seiner Ära im Schatten des Weltmeister-Trainers Marcello Lippi und erträgt dies - zumindest nach außen hin - cool und gelassen. Auch die Gerüchte nach dem schwachen Turnierstart, wonach Lippi bereits wieder bereit für die Amtsübernahme sei und kurz vor dem Vertragsabschluss mit Verbandsboss Giancarlo Abete stehe, brachten Donadoni nicht aus der Spur. "Das habe ich erwartet", lautete sein knapper Kommentar.

Dabei liest sich Donadonis bisherige Teamchef-Bilanz durchaus respektabel: 22 Spiele, 13 Siege, 4 Remis, 5 Niederlagen, Platz 1 in der schwierigen EM-Quali-Gruppe mit u.a. Frankreich, Schottland und der Ukraine, Erreichen des EM-Viertelfinales.

Lippis große Fußstapfen
In den Augen der Öffentlichkeit war Donadoni aber das Amt des Teamchefs im Sommer 2006 einfach noch nicht zugestanden. Nach dem vierten WM-Titel und Lippis Abgang rechnete man in Italien mit dem Aufrücken von U21-Trainer Claudio Gentile zum A- Team, doch plötzlich wurde Donadoni fast wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert.

Donadoni genoss zwar den Ruf eines ehemaligen Weltklasse-Mittelfeldspielers für Milan und Italien, hatte jedoch als Coach noch keinerlei nennenswerte Erfolge vorzuweisen gehabt. Zuvor hatte er lediglich die Clubs Lecco, Livorno und Genoa betreut, und das mit mäßigem Erfolg. Donadonis Bestellung roch eher nach Freunderlwirtschaft, schließlich saß sein langjähriger Milan-Kumpel Demetrio Albertini als Vizepräsident im Verband.

Albertini stellt sich nach wie vor wie eine Mauer vor Donadoni und relativiert auch die Kritik an dessen mangelnder Trainererfahrung. "Was heißt Erfahrung? Hat irgendjemand mehr Erfahrung als Giovanni Trapattoni? Und Trapattoni war vier Jahre lang Teamchef und hatte keinen Erfolg."

Donadonis Vertrag wurde zwar vor der EM bis 2010 verlängert. Im Falle eines Scheiterns vor dem Halbfinale kann der Verband den Kontrakt aber innerhalb von zehn Tagen kündigen und an Donadoni eine Abfindung in der angeblichen Höhe von 550.000 Euro bezahlen. Lippi soll bereits parat stehen.

(apa/red)

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