Don't Smoke von

Ein "lauter Aufschrei"
gegen das Rauchverbots-Aus

Zigtausende fordern in Petition an kommende Regierung die Beibehaltung des Gesetzes

Rauchverbot © Bild: APA/FOhringer

Die künftige türkis-blaue Regierung hat das 2015 beschlossene Rauchverbot in der Gastronomie noch vor dessen Start im Mai 2018 wieder gekippt. Umgehend hagelte es für die Entscheidung aus allen Richtungen heftige Kritik. Die Österreichische Krebshilfe startete im Rahmen der „Don’t Smoke“-Kampange aus dem Jahr 2014 eine Online-Petition gegen das Aus des Verbots, welches in kürzester Zeit zigtausende Unterstützer fand. Ein sehr „lauter Aufschrei“, meint Geschäftsführerin Mag. Martina Löwe.

Die Online-Petition der Österreichischen Krebshilfe ist innerhalb von 24 Stunden bereits über 80.000 Mal unterstützt worden. Die Aktion "Don't Smoke", die im Jahr 2014 - mitinitiiert von News-Aufdeckerjournalist Kurt Kuch - ins Leben gerufen wurde, wurde am Montag Abend neu gestartet, nachdem bekannt wurde, dass sich ÖVP und FPÖ bei den Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt hatten, das bereits beschlossene absolute Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai 2018 zu kippen. Eine „sehr große Enttäuschung“ für die Österreichische Krebshilfe, erklärt Geschäftsführerin Mag. Martina Löwe. Die drei Jahre Wartezeit zum Zeitpunkt des Gesetzesbeschlusses seien schon ein Wermutstropfen gewesen, aber dass das Rauchverbot nun „als politisches Kleingeld im Regierungspoker benutzt wird, schmerzt sehr“, erklärt sie.

»Nichtraucherschutz für Jugendliche? "Augenauswischerei"«

Der dafür vereinbarte „verstärkte Nichtraucherschutz für Jugendliche“ sei laut Löwe eine „Augenauswischerei“, denn wer könne kontrollieren, ob in einem Auto mit Kindern und Jugendlichen geraucht würde. Vielmehr würde diese Regelung zu einer „Vernaderungs-Gesellschaft“ führen, in der einer den anderen anzeige, weil dieser in seinem Auto rauche. Ein System, dass sich Löwe nicht wünscht.

100.000 Unterschriften angestrebt

Drei Viertel der Österreicher seien Nichtraucher, betont die Geschäftsführerin im Gespräch mit News.at und diese können mithilfe der Online-Petition aufzeigen, dass sie mit dem Durchführungsstopp der beschlossenen Gesetzesnovelle nicht einverstanden sind. Und diese Möglichkeit wird auch zahlreich genützt. Minütlich werden die Unterschriften mehr, auch Löwe bekomme zahlreiche Mails von Unterstützern, Angebote von Helfern oder Demonstrationsanfragen. „100.000 Unterschriften möchten wir erreichen“, antwortet sie auf die Frage nach dem Ziel der Petition und glaubt auch daran, dieses zu erreichen. Aber bereits nach nur einem Tag sei die Aktion ein sehr „lauter Aufschrei“, wie Löwe die zigtausenden Unterschriften innerhalb kürzester Zeit beschreibt.

»„Ich kann gar nichts mehr denken bei diesem Wahnsinn"«

Und was passiert mit den Unterschriften? „Diese werden erst einmal gesammelt und dann, wenn die Regierung angelobt ist, an diese weitergegeben“, erklärt Löwe. Ob die Petition dann jedoch etwas bewirken kann, darüber traut sie sich derzeit nicht zu spekulieren: „Ich kann gar nichts mehr denken bei diesem Wahnsinn, das ist wirklich schwer einzuschätzen“, so Löwe. „Am besten wir wappnen uns mit einer größtmöglichen Anzahl an Unterstützern.“

160.000 Unterstützer für Nichtraucher-Petition

Knapp 160.000 Personen haben bis Mittwoch in der Früh die Nichtraucher-Petition der Österreichischen Krebshilfe online unterstützt. Die Aktion wurde gestartet, nachdem bekannt wurde, dass sich ÖVP und FPÖ bei den Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt haben, das bereits beschlossene absolute Rauchverbot in der Gastronomie zu kippen.

Die Petition im Wortlaut:
"Das generelle Rauchverbot in der Gastronomie zählt in Europa mittlerweile zum Standard, dem Österreich noch immer hinterher hinkt. Mit einer Aufhebung der 2015 beschlossenen Novelle des Tabakgesetzes geht Österreich weiterhin als „Europas Aschenbecher“ keinen neuen Weg. Es ist völliger Irrsinn, die endlich begonnene Trendwende jetzt plötzlich wieder umzukehren und nachhaltig zu vernichten. www.dontsmoke.at"

Die Witwe von Kurt Kuch, Elke Kuch, schreibt im aktuellen News-Magazin:

Ich kann nicht glauben, dass einige Politiker jetzt schon wieder über das Nichtraucherschutzgesetz diskutieren. Ich möchte diesen Populisten nur eines sagen: Ich habe meinen Mann, Kurt, am 3. Jänner 2015 durch die Folgen des Rauchens verloren. Er war erst 42 Jahre alt.

Im April 2014 hatte sich sein Leben und das unserer Familie schlagartig verändert. Kurt erhielt die Diagnose Lungenkrebs.

Die Erkenntnis, dass der drohende Tod einzig und allein die Folge einer komplett vermeidbaren Ursache sein würde, hat Kurt zum Kampf angespornt. Zum Kampf um sein eigenes Leben und zum Kampf für ein effektives Nichtraucherschutzgesetz.

Kurt hat sich durch sein Engagement für die Initiative "Don't Smoke" vehement für eine Verbesserung des Nichtraucherschutzes und eine Gesetzesänderung eingesetzt. Er wollte durch die Veröffentlichung seiner Erkrankung für die Konsequenzen des Rauchens sensibilisieren und zur Bewusstseinsbildung beitragen. "Rauchen war die schlechteste Entscheidung meines Lebens", hat Kurt gesagt. Schon mit 13 Jahren hatte er damit begonnen. Der Preis, den er gezahlt hat, war zu hoch. Wäre Kurt noch am Leben, würde er zu den Raucher-Lobbyisten in der Politik sagen: "Ich führe euch durch die Onkologie und zeige euch, wie die Leute sterben. Dann denkt noch einmal darüber nach."

Der News- Journalist Kurt Kuch starb 2015 an Krebs .

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